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Merken   Drucken   02.11.2012, 12:56 Schriftgröße: AAA

Apple-Verkaufsstart: Mini iPad - mini Schlangen

Nur eine Woche nach dem Start des Surface-Tablets von Microsoft bringt Apple sein iPad Mini in die Läden. Allerdings bleibt der übliche Hype beim Verkaufsstart aus.

Lange Schlangen vor den Apple-Stores sind zum Verkaufsstart neuer Modelle inzwischen die Regel. Die Fans campieren teilweise nächtelang und wollen das neue iPhone oder das neue iPad. Insofern ist es für die Mitarbeiter am Freitag ein ungewohntes Bild, dass nur wenige Kaufwillige sich vor den Geschäften aufstellen. In Hamburg warteten eine Stunde vor Verkaufsstart nur rund 50 Personen auf Einlass.

Auch in Asien und Australien hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Rund eine Stunde nach Öffnung war der Andrang in den Geschäften wieder auf normales Niveau abgesunken. In Sidney warteten ebenfalls etwa 50 Apple-Fans. Diesmal reichte es für den ersten Kunden, um halb fünf Uhr morgens vor Ort zu sein. In Tokio und Seoul standen rund 100 Kaufwillige vor den Geschäften. Dennoch waren die Geräte nach wenigen Stunden meist ausverkauft. In Apples Online-Shop beträgt die Wartezeit aktuell rund zwei Wochen.

Produktshow Apples schlanke Neuheiten

Mit dem iPad Mini stößt Apple  in den bisher außer Acht gelassenen Markt der Tablets mit geringerer Bildschirmdiagonale vor. Dort haben Konkurrenten wie Google mit dem Nexus 7 oder Amazon mit dem Kindle Fire Marktanteile erobert. Apple will seine Dominanz bei Tablet-PC mit dem neuen Formfaktor festschreiben und startet gleichzeitig den Verkauf der vierten Generation des iPad mit einer Bildschirmdiagonalen von 9,7-Zoll.

Allerdings ist das herkömmliche iPad vielen Nutzern zu groß und zu schwer, um es immer dabei zu haben. Dagegen sind die Geräte mit kleinerem Display, die nur rund halb so viel wiegen, komfortabler zu transportieren. "Wir hoffen, mehr Leute zu erreichen", sagte denn auch Apple-Marketingchef Phil Schiller auf der iPad-Mini-Präsentation vor zwei Wochen.

Dabei ist das Apple-Produkt mit 329 Euro in der kleinsten Variante erheblich teurer als die Produkte der Konkurrenz, die teilweise schon für 200 Euro zu haben sind. Allerdings sind die Niedrigpreise, die Amazon  beispielsweise für sein Kindle Fire verlangt, Berichten zufolge subventioniert.

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Apple dominiert mit dem iPad den Tablet-Markt mit einem weltweiten Anteil von 61 Prozent. Der größte Wettbewerber ist der Internetkonzern Google  mit seinem Betriebssystem Android, das in eigenen Tablets und Geräten von zahlreichen Herstellern wie Samsung und HTC läuft. Auch im Kindle Fire von Amazon kommt eine modifizierte Android-Variante zum Einsatz.

Inzwischen will auch Microsoft den Kaliforniern Marktanteile abringen. Der weltgrößte Softwarekonzern, der bislang mit seinem Windows -Betriebssystem in dem Markt keinen Erfolg hatte, führte vergangene Woche seine für Tablets optimierte Betriebssystemversion Windows 8 ein. Gleichzeitig schickte er das Surface-Tablet ins Rennen, den ersten selbstgebauten Computer in der 37-jährigen Firmengeschichte.

Damit legte Microsoft  allerdings einen Fehlstart hin. Weltweit war von Verzögerungen bei der Auslieferung zu hören. Deutschen Kunden mit Vorbestellung wurde ein 50-Euro-Gutschein für den Microsoft Store angeboten. Wann die Käufer mit ihrem Surface rechnen können, teilte das Unternehmen allerdings nicht mit. Steve Ballmer wollte auf Microsofts Entwicklerkonferenz Anfang der Woche keine Zahlen zum Surface-Absatz nennen.

Die Angriffe machen sich jedoch bemerkbar. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass Apples Anteil am Tablet-Markt dieses Jahr auf 53 Prozent sinken wird. Androids Anteil soll dagegen von 34 auf 41 Prozent steigen. Windows hingegen wird wohl nur auf einen Marktanteil von drei Prozent kommen. Im kommenden Jahr soll das Microsoft-Betriebssystem der Prognose zufolge allerdings bereits auf 13 Prozent zulegen, während der Anteil von Apples Betriebssystem iOS bei 44 Prozent liegen und Android bereits auf 40 Prozent kommen soll.

iPhone, iMac, Mac Book Air Apple und die Doppelgänger

Apple ist es bisher gelungen, sich mit neuen Versionen des iPads die Verfolger vom Leib zu halten. Mit dem iPad Mini erweitert Konzernchef Tim Cook Apples Portfolio und kann vom wachsenden Markt für günstigere Tablets profitieren. "Hier hat Apple die Chance, neue, preissensiblere Kunden zu gewinnen, ohne die Preise für das normale Tablet senken und damit seine Premiumpreispolitik ändern zu müssen", sagte Nikolaus Mohr von Accenture anlässlich der Präsentation.

Wall-Street-Analysten sind zuversichtlich, dass der Konzern seinen Vorsprung vor der Konkurrenz sichert. "Wir glauben, das Gerät wird die Bedrohung von billigen Google- und Amazon-Tablets mit 7-Zoll-Bildschirmen dämpfen", sagte Brian Marshall von der ISI Group. "Es könnte auch eine leistungsfähigere Alternative zu Amazons populärer Kindle-Lesegerät-Familie sein."

Das iPad ist innerhalb von zweieinhalb Jahren zu einem wichtigen Standbein von Apple geworden: Der Konzern hat seit dem Verkaufsstart im April 2010 über 100 Millionen iPads verkauft. Im jüngsten Quartal gab es allerdings eine Enttäuschung Apple setzte deutlich weniger Geräte ab, als von Analysten prognostiziert. Statt der im Durchschnitt erwarteten 15,3 Millionen Geräte, verkaufte Apple knapp mehr als 14 Millionen Geräte. Das waren allerdings im Vergleich zum Vorjahresquartal immer noch 26 Prozent mehr. Apple führte für das Zurückbleiben hinter den Erwartungen Gerüchte um die Einführung eines neuen Produktes heran.

Die überschaubaren Schlangen vor den Apple-Stores weltweit könnten allerdings ein Indiz dafür sein, dass der Marktstart des iPad Mini diesmal nicht so erfolgreich sein dürfte, wie bei den Vorgängermodellen. Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster erwartet, dass Apple am ersten Wochenende zwischen einer und eineinhalb Millionen iPad Mini absetzen wird - deutlich weniger als die drei Millionen, die von der dritten Generation des iPad am Startwochenende verkauft wurden.

Allerdings wird zum Start nur die Version ohne Mobilfunkoption verkauft. Die Variante mit der neuen Generation LTE soll erst Ende des Monats erhältlich sein. Außerdem könnte auch der Produktzyklus des Herstellers ein Grund für die kurzen Schlangen sein: Das Vorgängermodell kam erst im März in die Läden - mit dem üblichen Andrang.

Mit Agenturen

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