Die Geräte sollen die Medienbranche umwälzen, gespannt wartete die IT-Branche auf Apples neues Produkt, das iPad. Die Serie gibt einen Einblick in die neue Technik.
Das iPad ist vor allem ein Gerät zum Medienkonsum. Die Markteinführung stützen zudem 140.000 Kleinprogramme aus dem hauseigenen App Store. Zum Laufen bringt die ein erstmals selbst konzipierter Chip – doch selbst der tröstet nicht über das Fehlen wichtiger Features hinweg. von Andrea Rungg, Hamburg und Helene Laube, San Francisco
Das iPad wird die Hysterie um Apps erneut steigern. "Es wird einen ganz neuen Goldrausch für Entwickler von Anwendungen geben, indem sie Programme für das iPad herstellen", sagte Scott Forstall, Apple Vice President und verantwortlich für die iPhone-Software. Bereits jetzt sind im App Store mehr als 140.000 Softwareprogramme für Apples iPhone und iPod Touch abrufbereit. Diese Programme sind bei Verkaufsstart des Geräts Ende März auch auf Anhieb für das iPad verfügbar. Man müsse jedoch abwarten, ob der Hype um das iPad ähnlich stark sei wie beim iPhone oder iPod Touch, sagte Carolina Milanesi vom US-Marktforscher Gartner.
Tablet-Computer
So funktioniert das iPad
Der App Store hat Apple und vielen Entwicklern einen zuvor ungeahnten Erfolg eingebracht. Seit dem Start im Juni 2008 haben Nutzer mittlerweile mehr als drei Milliarden Programme heruntergeladen. Nach Angaben von Gartner sind in dem gesamten Markt für mobile Anwendungen im vergangenen Jahr mehr als 4,2 Mrd. $ erlöst worden, der Löwenanteil über Apples Onlineplattform. Bei Apple streichen Softwareentwickler über den Verkauf der Apps 70 Prozent des Umsatzes ein, der Elektronikgerätehersteller behält 30 Prozent ein.
Apple hat während der Präsentation am Mittwoch bereits drei neue eigene Programme vorgestellt. Erstmals werden Anwendungen aus Apples Textverarbeitungssoftware iWorks im App Store verfügbar sein. Die Software für Dokumente, Tabellen und Präsentationen bietet der Konzern für knapp 30 $ an. Über den berührungsempfindlichen Bildschirm könnten Nutzer viele Funktionen der Software mit den Fingern bedienen, sagte Apple Vice President Philip Schiller. Im App Store gab es bisher nur Programme dieser Art von externen Entwicklern.
Experten rechnen allerdings damit, dass das neue Gerät vor allem die Unterhaltungsbranche antreiben wird, neue Inhalte bereitzustellen. "Das iPad erfindet das Unterhaltungszentrum im Heim neu und macht es persönlich und tragbar", sagte Ned May, Analyst der US-Marktforschungsfirma Outsell. "Das, was bisher ganze Wohnzimmer füllt und mehr Kabel als die Golden-Gate-Bridge benötigt, passt jetzt in die Handtasche oder den Aktenkoffer." Laut May vollführt das iPad viele Dinge deutlich besser als alle anderen vergleichbaren Geräte. Anders als bei der Präsentation des Tablet von Hewlett Packard (HP) durch Microsoft-Chef Steve Ballmer bekamen potenzielle Käufer zumindest einen besseren Eindruck, was mit dem iPad möglich ist. Ballmer hatte HPs Tablet lediglich fünf Minuten gezeigt, Windows 7 gelobt und kurz vorgeführt, wie man Bücher lesen kann.
Apple-Chef Steve Jobs zelebrierte das Gerät in seiner für ihn typischen Manier über eineinhalb Stunden. "Es ist so viel intimer als ein Laptop und so viel leistungsfähiger als ein Smartphone", sagte der 54-jährige Apple-Mitgründer, der aufgrund von Gesundheitsproblemen nach wie vor stark abgemagert ist. Jobs spielte Filme und TV-Serien ab. Apples Onlineplattform iTunes umfasst mittlerweile elf Millionen Lieder, mehrere Zehntausend Hörbücher, und 8000 Filme, davon 2000 in hochauflösender Bildqualität. Durch die neue Plattform iBook dürften künftig noch Tausende Bücher hinzukommen.
Bahnbrechende Anwendungen zeigte Apple hingegen noch nicht. Das dürfte allerdings daran liegen, dass externe Entwickler und Inhalteanbieter spezifisch auf die Funktionen des iPad ausgerichtete Programme erst in den kommenden Monaten entwickeln können. Videospielhersteller wie Electronic Arts oder Gameloft hatten lediglich drei Wochen Zeit, Spiele mit Zusatzfunktionen zu bereits existierenden Spielen auszustatten. Für Softwareentwickler eröffnen sich jetzt neue Möglichkeiten. In erster Linie sei das iPad aber für das Konsumieren von Medien aller Art gedacht, sagte Raven Zachary, Analyst der 451 Group.
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