Und dann macht Steve Ballmer auf einmal ganz unverhohlen Werbung: "Das ist es, warum Windows-8-Computer das Beste für Schüler sind, insbesondere in Kombination mit Office 2013", pries er am Donnerstag die neuesten Microsoft -Produkte in Berlin an. Dabei sollte es doch eigentlich um Microsofts ach so selbstloses Engagement für Bildung gehen. Nicht um Werbung. Ein Versehen? Nein. Der Microsoft-Chef liest den Text vom Teleprompter ab.
Ballmer stellte bei seinem Deutschland-Besuch die neueste Software zur Sprachförderung von Vorschulkindern vor. Und so uneigennützig sich Microsoft damit gern präsentieren würde, dabei geht es auch um künftige Kunden.
"Die Tage in denen Geografie oder Sprache Bildung begrenzt haben, sind vorbei", schwärmte Ballmer und philosophierte über den grenzenlosen Zugang zu Informationen, den moderne Technologie ermögliche. Schulbücher würden überflüssig, es brauche nur noch PC. Microsoft fühle sich der neuen Art des Lernens sehr verantwortlich. Keine Frage, der Softwarekonzern engagiert sich.
Die Lernsoftware zur Sprachförderung will Microsoft deutschen Grundschulen künftig kostenlos zur Verfügung stellen. 7000 Institutionen nutzen das Programm bereits. Eine Forsa-Umfrage, die der Softwarekonzern rechtzeitig zu der Ankündigung unter 500 Grundschullehrern in Auftrag gegeben hat, bescheinigt den Bedarf: 85 Prozent der darin befragten Lehrer wünschen sich frühkindliche Bildungsangebote, die Sprachdefizite ausgleichen. Die Sprachförderungssoftware ist jedoch nicht das einzige kostenlose Angebot des Konzerns. Microsoft stellt Schulen etwa auch seine über das Internet verfügbare Bürosoftware Office 365 zur Verfügung - ohne Lizenzgebühr zu verlangen. Weltweit fördert der Konzern mit seinem Programm Youthspark 300 Millionen Jugendliche.
Microsoft sieht diese Initiativen selbst vor allem als gesellschaftliches Engagement. Hinter dem Angebot steckt aber natürlich Geschäft: Die IT-Konzerne drängen in den Milliardenmarkt für digitale Lehrangebote. Zum einen ist das lukrativ, zum anderen sichern sie sich frühzeitig die Kunden von morgen. Amazon ist in dem Markt naturgemäß fest etabliert. Zum Semesterbeginn in den USA hat der Onlinebuchhändler gerade einen Mietservice für Lehrbücher eingerichtet. Apple hatte Anfang des Jahres seinen Einstieg in den 8 Mrd. Dollar schweren US-Schulbuchmarkt angekündigt, um den Verkauf seines Tablets anzukurbeln. iPad-Marketingchef Philip Schiller sagte damals vollmundig, er wolle das digitale Lehrbuch neu erfinden. Auch der britische Medienkonzern Pearson will sich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg künftig auf die schneller wachsende Bildungssparte konzentrieren.
Microsoft stieg im Mai mit 300 Mio. Dollar ins E-Book- und Lehrbuchgeschäft von Barnes & Noble ein. Das wurde in eine Extragesellschaft ausgegründet, an der der Softwarekonzern 17,6 Prozent hält. Das kommerzielle Angebot des Konzerns im Bildungsbereich reicht aber viel weiter. Microsoft hat Tools für E-Learning-Programme im Angebot. Wie viel seines Jahresumsatzes von zuletzt 74 Mrd. Dollar aus dem Bereich stammt, weist der Softwarekonzern zwar nicht aus. Das breite Engagement zeigt aber, wie wichtig Microsoft den Markt nimmt.
Und noch eine Motivation hat der Konzern, wie Deutschland-Chef Christian Illek freimütig einräumt: "Wir machen das nicht ganz uneigennützig. Wir sind als Hightechunternehmen darauf angewiesen, dass wir gut ausgebildeten Nachwuchs bekommen." Regelmäßig beklagt der Verband Bitkom Fachkräftemangel in der IT-Industrie und zählte zuletzt 43.000 offene Stellen. Je früher die Kinder an neue Technologien herangeführt werden, desto besser, so die Logik.
Ballmer jedenfalls ist überzeugt: "Es gibt keine bessere Zeit, in der Schule zu sein, als heute", sagt er. Ob er damit wohl Microsofts Chancen meint oder die der Schüler?