Auf das Tischchen im ICE-Abteil gelümmelt, hackte es direkt unter meiner Nase wild mit beiden Daumen auf die Tastatur seines Smartphones ein. Alle paar Sekunden hielt es inne, bis das Gerät mit aggressivem Surren meldete, dass ein Komplizen-Nerd geantwortet hatte.
Nach einer Viertelstunde nahm der digitale Eingeborene erstmals die Augen von seinem Bildschirm. Er blickte ruckartig zum Gang, dann durchs Fenster auf die Sommerlandschaft und wieder auf den Bildschirm, so wie Katzen beim Fressen hektisch die Umgebung kontrollieren. Offenbar entwickelte sich die nicht digitalisierte Restrealität zufriedenstellend. Im Gang trieben keine Rauchwolken, und hinterm Fenster sauste die Brandenburger Prärie vorbei.
Außer dem Tastaturtackern und dem Elektrorock aus den Kopfhörern herrschte Stille. Die fünf anderen Passagiere lasen Zeitung oder Bücher. Als jedoch das Abteil immer heißer und stickiger wurde - Klimaanlagenausfall, Sie kennen das -, verkrümelten sich die Altmediennutzer einer nach dem anderen vom Tropenwaggon in die Nordpolwaggons.
Das Wesen blieb ungerührt sitzen. Die Überwachung seiner Vitalfunktionen hatte längst eine Nutzerkontroll-App übernommen. Gewarnt wird ab 40 Grad Außentemperatur und 90 Prozent Stickstoffgehalt. Aus Sicht der Maschine bestand also kein Anlass, sich zu bewegen.