Der wohl spektakulärste Patentstreit der Techbranche zwischen Apple und Samsung geht zu Ende. Die Konzerne beschuldigen sich gegenseitig, abgekupfert und damit Patente verletzt zu haben. Die Amerikaner fordern von den Koreanern rund 2,5 Mrd. Dollar ; Samsung hat einen Schaden von 422 Mio. Dollar errechnet.
In den gut drei Wochen vor Gericht ging es nicht allein um technische Feinheiten. Topmanager des sonst so verschwiegenen US-Konzerns lieferten aufschlussreiche und zum Teil skurrile Einblicke. Dazu zeigt eine 132-seitige interne Vergleichsstudie von Samsung, dass deren Telefone besser wären, würden sie mehr wie Apples iPhone funktionieren.
Seit der Apple -Kreative Chris Stringer in den Zeugenstand gerufen wurde, weiß die Welt: Ein Küchentisch ist Geburtsort aller Geräte aus Cupertino. "Wir sitzen da mit unseren Skizzenbüchern und tauschen uns über Ideen aus", beschreibt Stringer die Treffen der etwa 15 führenden Designer. Und die sind fast ebenso detailverliebt wie der verstorbene Ex-Chef Steve Jobs. Es könne schon mal sein, dass es für einen einzigen Knopf 50 Entwürfe gebe.
Ein Schild mit dem Schriftzug "Fight Club" stand vor dem Eingang des Gebäudes, im dem das iPhone entwickelt wurde. "Die erste Regel des Fight Clubs ist, dass man nicht über ihn spricht", zitierte Apple-Manager Scott Forstall eine Vorschrift aus dem Film mit Brad Pitt. Überwachungskameras und Sicherheitsschleusen sollten sicherstellen, dass nur wenige Mitarbeiter etwas über das Projekt "Purple" - die Entwicklung des neuesten iPhones - erfuhren.
Veröffentlichte Skizzen liefern Einblicke, mit welchen Ideen die Apple-Designer beim iPad gespielt haben. Nicht geschafft hat es ein ausklappbarer Ständer auf der Rückseite. Dafür könnte es mit einem kleineren iPad klappen. Eine interne E-Mail von Anfang 2011 belegt, dass die Führung darüber nachgedacht hat und auch Steve Jobs die Idee zuletzt gut fand. Gerüchten zufolge will Apple bald ein Mini-iPad auf den Markt bringen.
Samsungs Handychef J.K. Shin fällt in einer internen Memo Anfang 2010 ein vernichtendes Urteil. Die Bedienung der Samsung-Telefone sei umständlicher als die der Apple-Produkte. Es sei ein Unterschied wie zwischen "Himmel und Erde". Eine folgende 132 Seiten starke Analyse der Nutzeroberflächen lässt nur einen Schluss zu: Samsungs Handys müssen besser werden - nämlich so wie die Konkurrenz von Apple.
Obwohl Samsung die Amerikaner im Handymarkt weltweit überholt hat, ist der Konzern in der Heimat eine Macht. Wie aus erstmals veröffentlichten Unterlagen hervorgeht, hat Apple in den USA seit Einführung des iPhones 85 Millionen Geräte verkauft und einen Umsatz von 50 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Samsung verkaufte von Juni 2010 bis Juni 2012 in Amerika 21,25 Millionen Handys und setzte 7,5 Mrd. Dollar um.
Bei Apple kursiert ein Richtwert, um den Erfolg der Modelle des iPhones zu messen. "Jede Generation hat sich ungefähr so oft verkauft wie alle Vorgänger zusammen", sagte Apples Marketing-Chef Phil Schiller. Für die ersten vier Versionen nahm Apple diese Hürde locker. Spätestens für das kommende iPhone müssen sich die Manager wohl eine neue Daumenregel überlegen - oder mehr als 250 Millionen verkaufen.
Als das iPhone 2007 auf den Markt kam, verzichtete Apple komplett auf Werbeausgaben. Mittlerweile hat der Konzern 1,1 Mrd. Dollar weltweit ausgegeben, um das iPhone und vor allem das Tablet iPad zu bewerben - seit 2007 647 Mio. Dollar für das Smartphone und in zwei Jahren 457 Mio. Dollar für das Tablet.
Apple steht für den iPod, das iPhone und das iPad - doch noch bevor das erste Smartphone auf den Markt kam, dachte man im Konzern offenbar ernsthaft darüber nach, eine Kamera zu bauen oder sogar ein Auto. Auch Apple-Aufsichtsrat Mickey Drexler verriet bereits im Mai: "Vor Steves Tod war es sein Traum, ein iCar zu bauen."
Während sich Apple und Samsung bekriegen, pflegt der US-Konzern zum Rivalen Microsoft ein freundschaftlicheres Verhältnis. Bevor Microsoft das Tablet Surface entwickelte, sicherte sich das Unternehmen einige Designpatente des iPads. Apple hatte offenbar auch Samsung die Lizenzen angeboten: für 30 Dollar je Smartphone und 40 Dollar für jedes Tablet.
Steve Jobs sagte einst: "Es ist nicht Aufgabe des Kunden, zu wissen, was er will." Doch ganz so sicher scheinen sich die Kalifornier nicht gewesen zu sein. Designer Stringer sagte im Prozess, dass auch Jobs bei der Entwicklung des iPhones Zweifel kamen. Im Mai 2011 startete Apple zudem eine Umfrage unter den Kunden mit der Frage: "Warum haben Sie ein iPhone gekauft?"