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Merken   Drucken   09.10.2011, 19:43 Schriftgröße: AAA

Enthüllung des Chaos Computer Clubs: "Bundestrojaner" unter Verdacht

Peinliche Enthüllung zur staatlichen Online-Überwachung: Der "Bundestrojaner" ist offenbar unsicher - und sogar gefährlich. Außerdem fand der Chaos Computer Club heraus, dass seine Macher Fans von "Star Wars" sind. von Christoph Dernbach
Der Programmierer des "Bundestrojaners" muss wohl ein Star-Wars-Fan gewesen sein: C3PO-r2d2-POE lautete das Passwort zur Übertragung der erschnüffelten Daten auf einen Server in den USA. C-3PO und POE sind Roboter aus den Star-Wars-Filmen, die wie Menschen aussehen. In den Filmen kämpfen die Guten gegen die Bösen - oder, wie es dort heißt: gegen die "dunkle Seite der Macht".
R2-D2 ist der knubbelige Roboter, der wie ein Mechaniker Raumschiffe reparieren kann. Doch es geht nicht um Science-Fiction: Die Software, die mit diesen Passwörtern arbeitet, überschreitet nach den Erkenntnissen der Experten vom Chaos Computer Club eindeutig die Grenze, die das Bundesverfassungsgericht im Februar 2008 für die Online-Überwachung von Tatverdächtigen gezogen hat.
Software wurde dem Hacker-Club zugespielt
Die Hacker erhielten in den vergangenen Wochen anonym mehrere Pakete zugeschickt, in denen sich Festplatten befanden, die mit einer Computerwanzensoftware befallen waren. Der Chaos Computer Club ordnet diesen Trojaner eindeutig den staatlichen Strafverfolgern zu. Und auch der Antiviren-Spezialist F-Secure sieht "keinen Anlass, die Erkenntnisse des CCC anzuzweifeln".
Szene aus Star Wars: Die Entwickler des "Bundestrojaners" ...   Szene aus Star Wars: Die Entwickler des "Bundestrojaners" haben die Filme offenbar auch geguckt
Das zuständige Bundesinnenministerium ging am Sonntag zunächst auf Tauchstation. Dabei waren die Mitarbeiter von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vorgewarnt: Am vergangenen Freitag überbrachte der ehemalige Bundestagsvizepräsident Burkhard Hirsch (FDP) dem Ministerium die Recherche-Ergebnisse des Vereins, damit die Strafverfolger eventuell laufende Überwachungsaktionen noch kontrolliert beenden können.
Am Sonntagnachmittag wurde dann in Berlin eine Erklärung verbreitet: Das Bundeskriminalamt (BKA) habe den geknackten "Trojaner" nicht eingesetzt. "Was auch immer der CCC untersucht hat oder zugespielt bekommen haben mag, es handelt sich dabei nicht um einen sogenannten Bundestrojaner", wurde ein Sprecher von Minister Friedrich zitiert.
Die Behörde machte keine Angaben, ob und inwieweit andere deutsche Ermittlungsbehörden die Überwachungssoftware eingesetzt haben könnten: "Im Übrigen sind die zuständigen Justiz- und Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder jeweils eigenständig für die Einhaltung technischer und rechtlicher Vorgaben verantwortlich."

Teil 2: Funktionen verletzen angeblich Vorgaben des Verfassungsgerichts

  • dpa, 09.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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