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Merken   Drucken   01.06.2010, 10:00 Schriftgröße: AAA

Front gegen Microsoft und Apple: Asustek verbündet sich mit Nokia

Nokia erhält Schützenhilfe aus Taiwan: Der mit Netbooks bekannt gewordene Hersteller Asustek will das von den Finnen zusammen mit Intel entwickelte Betriebssystem MeeGo auch in seinen Produkten einsetzen.
von Taipeh

Das kündigte der Vorstandsvorsitzende des weltweit fünftgrößten Herstellers von mobilen PC, Jonney Shih, am Montag in Taipeh an. Auf der in Taiwans Hauptstadt am Dienstag startenden Branchenmesse Computex zeigt Asustek zunächst ein Netbook, das vom kommenden Jahr an mit MeeGo ausgeliefert werden soll. Asustek-Mitarbeiter deuteten am Rande der Veranstaltung an, dass künftig auch Smartphones sowie berührungsempfindliche Tablet-Computer mit der Software von Nokia  und Intel  ausgestattet werden dürften.

Asustek-Chef Jonney Shih   Asustek-Chef Jonney Shih

Die Ankündigung Shihs ist ein wichtiger Durchbruch für die Finnen. Der weltgrößte Handyhersteller versucht seit Jahren vergeblich, technologisch zu Apple  aufzuschließen. Der iPhone-Hersteller hat mit seinem gebündelten Angebot aus Smartphone, leistungsfähigem Betriebssystem sowie damit verknüpften Internetdiensten die Konkurrenz alt aussehen lassen.

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Um gegen Apple in der mobilen Oberklasse bestehen zu können, hatte sich Nokia vor drei Monaten mit dem Chipweltmarktführer Intel zusammengetan, um gemeinsam MeeGo zu entwickeln. MeeGo soll auch auf leistungsfähigen Mobilrechnern funktionieren. Mit Asustek erhält diese Allianz einen neuen Push: Unter den fünf größten Laptop-Herstellern sind die Taiwaner im ersten Quartal 2010 diejenigen mit dem größten Wachstum gewesen; allein in diesem Jahr will der Konzern bis zu acht Millionen seiner Eee PC genannten Netbooks absetzen.

Der Schritt von Asustek ist umso wichtiger, als Shih auch angekündigt hat, einen Softwareladen für die künftigen MeeGo-Geräte im Internet einzurichten. Der Asustek-Webladen "AppUpCenter" werde zunächst zwar nur Programme für Geräte mit Windows-Betriebssystemen anbieten, sagte Shih. "Später werden wir aber zu MeeGo wechseln."

Wachstum im Kleinen   Wachstum im Kleinen

Asustek hilft damit Nokia und Intel, endlich mehr Entwickler für MeeGo-Anwendungsprogramme, sogenannte Apps, zu finden. Je mehr Kunden ein Marktplatz für Software erreichen kann, desto größer ist die Anzahl der freien Software-Tüftler, die Programme für die Geräte entwickeln und dort verkaufen wollen. Und umso attraktiver sind dann wiederum für Kunden MeeGo-Geräte.

Shih will durch den Schulterschluss mit Nokia und Intel auch ein Bollwerk gegen den großen Erfolg des neuen Apple-Tablet-Rechners iPad errichten. Zwar rechnen Marktforscher nicht damit, dass der Erfolg des Tablet schon in diesem Jahr den Verkauf von Netbooks beeinträchtigen wird. Schließlich handele es sich bei den bisher meist von Windows gesteuerten mobilen Kleinrechnern mit Tastatur derzeit um "einen anderen Markt", so Gartner-Analystin Tracy Tsai. Doch für die kommenden Jahre prognostiziert Gartner geringere Absatzzuwächse als bei Tablets. 2010 dürften, so Gartner, insgesamt rund zehn Millionen Tablets über den Tisch gehen - mit Apple als deutlichem Marktführer. Angeblich lässt der US-Konzern von Steve Jobs derzeit rund eine Million iPads monatlich von taiwanischen Auftragsfertigern herstellen. Für das Geschäftsjahr 2012 rechnet Gartner mit immerhin rund 21 Millionen ausgelieferten Tablets.

Die Hinwendung Asusteks zu MeeGo kann auch Microsoft  gefährlich werden. Anders als Windows ist die Software von Nokia und Intel - wie Googles Android-Betriebssystem auch - lizenzkostenfrei. Da ist die Versuchung für die unter enormem Margendruck stehenden Billigcomputer-Hersteller groß, eine Kostenposition, etwa eine Lizenz für ein Betriebssystem, zu streichen.

Zwar erklärte Asustek, auch bei den am Montag vorgestellten Tablet-Rechnern langfristig auf Microsoft zu setzen. Aber bei einem neuen kleineren Tablet musste Asustek sich aus einem Betriebssystem-Baukasten bedienen, der eigentlich für die automatische Steuerung von Maschinen gedacht war ("Windows Embedded"). Analysten warnen bereits: "Damit Microsoft auch künftig für Privatkunden wichtig bleibt, muss der Konzern sein Betriebssystem an neue Geräteklassen anpassen", schreiben J.P. Gownder und Sarah Rotman Epps in einem Report des US-Marktforschers Forrester. "Auf dem Spiel steht nichts weniger als die Zukunft des gesamten Betriebssystems."

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