FTD.de » IT + Medien » Computer+Technik » Warum bei SAP die Fetzen fliegen
  Cebit 2010 FTD-Serie: Grün und wolkig

Die Cebit steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Sicherheit. Zudem spielen Themen wie Green-IT und Cloud Computing vom 2. bis zum 6. März wieder eine wichtige Rolle in Hannover. FTD.de präsentiert in seinem Spezial Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   08.02.2010, 20:45 Schriftgröße: AAA

Führungschaos: Warum bei SAP die Fetzen fliegen

Frustrierte Mitarbeiter, wenig Innovationen, verärgerte Kunden – Deutschlands größter IT-Konzern braucht die Kehrtwende. FTD.de zeigt, wo es hakt. von Ulf Brychcy  Hamburg
Die Ansage war knapp und klar: "Ich werde alles dafür tun, dass SAP  wieder eine glückliche Firma wird, mit glücklichen Kunden", sagte Hasso Plattner am Montag. Damit hat der SAP-Aufsichtsratschef eingestanden, das der gescheiterte Vorstandschef Léo Apotheker  den Softwarekonzern ins Abseits manövriert hat. Und dass SAP im Vergleich mit den Konkurrenten bedrohlich zurückfällt.
Dabei liegt es gerade einmal zwei Wochen zurück, als Apotheker noch selbstbewusst verkündete: SAP werde in diesem Jahr beim Umsatz endlich wieder wachsen, und zwar "weltweit, mit neuen Produkten, neuen Segmenten und neuen Ideen". Tatsächlich aber beschäftigt sich SAP vor allem mit sich selbst. Zahlreiche große Baustellen belasten das Unternehmen.
Der aktuelle Vorstand von SAP   Der aktuelle Vorstand von SAP
Ausgerechnet Apothekers Vorstandskollege Werner Brandt, zuständig für Finanzen und interimsweise für Personal, fand deutliche Worte. Die jüngste Mitarbeiterbefragung habe ein "katastrophales Ergebnis" gezeigt, sagte der Manager in der vergangenen Woche auf einer Mitarbeiterversammlung. Viele Beschäftigte seien unzufrieden, die Konzernstrategie werde nicht schlüssig vermittelt, kritisierten Mitarbeiter. SAP legt traditionell großen Wert auf eine gute Stimmung unter den Beschäftigten - hängt der Softwareriese doch in einem hohen Maße vom Wissen, der Motivation und dem Einsatz seiner Mitarbeiter ab. Doch der Führungsstil von Apotheker kam nicht an. Es gelang ihm zudem nicht, den schwelenden Konflikt zwischen der deutschen Belegschaft, die oft auf ihre Privilegien pocht, und den weniger statusbehafteten Kollegen aus den USA zu entschärfen.
Kursinformationen und Charts
  SAP 47,87 EUR  [-0.015 -0,03%
Dass die Stimmung so mies ist, dürfte auch an dem Sparprogramm liegen. Zum ersten Mal in der 37-jährigen Unternehmens-geschichte gab es einen weitreichenden Stellenabbau - rund 4000 Jobs wurden gestrichen, zahlreiche Vergünstigungen gekappt. In der Wirtschaftskrise gerieten bei SAP die üppigen Gewinnmargen unter Druck. Apotheker wollte gegensteuern, er exekutierte die unpopulären Maßnahmen und fand dabei nur selten den richtigen Ton. Sogar SAP-Mitgründer Dietmar Hopp  rügte die Schritte öffentlich als "hastig und spektakulär".
SAP-Zentrale in Walldorf   SAP-Zentrale in Walldorf
Dem weltgrößten Anbieter von Businesssoftware gelingt es nur schwer, in neue Geschäftsfelder und Kundengruppen vorzustoßen. 80 Prozent des Auftragseingangs kommen von Bestandskunden. Die erfolgreiche Eingliederung des 4,8 Mrd. Euro teuren Zukaufs von Business Objects, einem Spezialisten für Geschäftsdatenanalyse, liegt bereits knapp zwei Jahre zurück. Aber auch hier hapert es nun, weil Weiterentwicklungen ausbleiben. SAP-Kunden, die sich in der Anwenderorganisation DSAG zusammengeschlossen haben, fürchten um den Schutz ihrer Softwareinvestitionen. SAP-Entwicklungen wie die "In Memory"-Technologie, bei der Datenmengen auf Rechnerchips und nicht in Datenbanken abgelegt werden, gelten als risikoreich.
Wie schwer sich SAP mit marktfähigen Innovationen tut, zeigt sich bei der Software "Business by Design". Dieses Produkt, das Kunden aus dem Mittelstand online mieten können, sollte ursprünglich 2008 verkauft werden und schon in diesem Jahr für 1 Mrd. Euro Umsatz sorgen. Nun ist der kommerzielle Start zur Jahresmitte geplant. Entwicklungsmannschaft und Management haben sich schwergetan mit Kosten, technischen Problemen und Kundenwünschen. Auch hier gilt, was die DSAG dem Konzern so häufig ankreidet: "Wir hoffen, dass SAP nun noch stärker auf unsere Wünsche und Anregungen eingeht. Das ist die Basis von allem."
SAP gelang es hier, viele wichtige Kunden wie Miele, Bitburger und Krones gegen sich aufzubringen. Der Konzern verfügte im Juli 2008 für seine mittelständische Klientel eine saftige Preiserhöhung für Wartungsarbeiten. Die Anwender rebellierten und sahen darin einen Paradigmenwechsel. Einst habe SAP für persönlichen Kontakt, für das Eingehen auf Kundenwünsche gestanden. Nun aber, so die Kritik, wirkte der Softwarekonzern wie ein Monopolist, der vor allem überzogene Renditen im Blick hat. Immerhin: Von den höheren Wartungskosten ist SAP im Dezember abgerückt - nicht Apotheker, sondern Henning Kagermann verkündete die Kehrtwende.
  • Aus der FTD vom 09.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen IT + Medien

Geheimer Smartphone-Prototyp entdeckt? Wir flüstern es Ihnen sofort weiter.

Beispiel   |   Datenschutz
Tweets von FTD.de Tech-News

Weitere Tweets von FTD.de

  Bilderserie Branche im Umbruch Der FTD-Versicherungstag 2012
 



16:06:22 Aktuelle Börsewerte
Name aktuell   
Microsoft 23,188 EUR   +0,16% 
Apple 374,596 EUR   +0,97% 
Google 459,587 EUR   -0,20% 
Intel 20,156 EUR   -0,71% 
Advanced Micro Devices 7,05 USD   -2,62% 
  10.02. Wissenstest Was ist denn das für ein Beruf?

Wissen Sie, womit sich ein Glaziologe beschäftigt? Oder wofür sich ein Numismatiker interessiert? Testen Sie in unserem Quiz, wie gut Sie sich mit Berufen aus Wissenschaft und Forschung auskennen.

Was untersucht der Proktologe?

Wissenstest: Was ist denn das für ein Beruf?

Alle Tests

IT+TELEKOMMUNIKATION

mehr IT+Telekommunikation

COMPUTER+TECHNIK

mehr Computer+Technik

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote