Gelangweilte Börsianer, gleichgültige Kunden: Der Softwarekonzern schneidet in der Konkurrenz zu Apple schlecht ab. Eine Analyse. von Annika Graf, Hamburg und Helene Laube, San Francisco
Der Schlag war mit größter Sorgfalt gesetzt: "Es ist klar, dass einige Kunden sich entschieden haben, ein iPad statt eines neuen Macs zu kaufen", sagte der für das Tagesgeschäft zuständige Apple-COO Tim Cook bei der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen des iPhone-Herstellers und hielt kurz inne, dann trat er nach: "Noch mehr Kunden haben sich aber entschieden, ein iPad statt eines Windows-PC zu kaufen." Die Häme in seiner Stimme war unüberhörbar.
Apple hatte am Dienstagabend wieder einmal Rekordzahlen vorgelegt. 82 Prozent Umsatzplus, 125 Prozent Gewinnplus, noch stärker stiegen die Verkaufszahlen von iPhone und iPad, die Apple-Aktie schoss tags darauf auf über 400 Dollar hoch. Auch Microsoft wird nach Einschätzung von Analysten am Donnerstag nach US-Börsenschluss ein Rekordergebnis vorlegen. Die Microsoft-Aktie dürfte das aber kaum zu Höhenflügen animieren, sie hängt seit Jahren bei 25 Dollar.
Dem einstigen Überflieger Microsoft haftet inzwischen das Image des Dinosauriers in der IT-Welt an. Der Softwarekonzern macht gut drei Viertel seiner Umsätze mit Serversystemen, Programmen und Dienstleistungen für Unternehmen. In der neuen Welt von Apple und Google bewegt sich Microsoft zu träge: Die Windows-Sparte, zu der das Betriebssystem Windows gehört, dürfte auch im abgelaufenen Quartal wieder an Umsatz verloren haben, das Onlinegeschäft, das die Suchmaschine Bing einschließt, schreibt Verluste. Einziger Erfolgsgarant bei Verbrauchern war zuletzt die Spielkonsole Xbox.
Das Verbrauchergeschäft hat sich damit von der Speerspitze zur offenen Flanke von Microsoft gewandelt. Im Stammgeschäft mit Betriebssystemen hat der Softwarekonzern zwar nach wie vor einen Marktanteil von fast 90 Prozent, doch Apple holt auf: Das Rechnerprogramm Mac OS, dessen neue Version Lion seit Mittwoch verfügbar ist, und das iOS-Betriebssystem für Mobilgeräte legten im vergangenen Jahr nach Zahlen des Marktforschers Net Applications zusammen von sechs auf acht Prozent zu.
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