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Die Cebit steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Sicherheit. Zudem spielen Themen wie Green-IT und Cloud Computing vom 2. bis zum 6. März wieder eine wichtige Rolle in Hannover. FTD.de präsentiert in seinem Spezial Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   24.02.2010, 16:00 Schriftgröße: AAA

Gratis-Software: Open-Source-Markt wächst rasant

Microsoft ist der beste Beweis, dass mit Software eine Menge Geld verdient werden kann. Trotzdem wird das Angebot an kostenlosen Programmen und Softwaresystemen immer größer - dank cleverer Refinanzierungskonzepte. von Wilko Steinhagen
Stellen Sie sich vor, ein Autohaus hätte folgendes Geschäftsmodell: Sie bekommen das Auto umsonst; zwar nur eine Basisversion, aber es fährt. Sie verpflichten sich dafür, in den nächsten Jahren die Reparaturen nur dort machen zu lassen; außerdem muss für Extras bezahlt werden. Unvorstellbar? Im Softwaremarkt setzt sich dieses Modell immer mehr durch. Zwar ist der Anteil von Open-Source am Gesamtmarkt noch überschaubar, Experten sprechen von zwei bis drei Prozent. Aber die Umsatzzahlen steigen rasant.
Der Linux-Pinguin ist ein Symbol für die Open-Source-Gemeinde   Der Linux-Pinguin ist ein Symbol für die Open-Source-Gemeinde
Im Kern bedeutet Open-Source, dass der Nutzer Einsicht in den Quellcode, das Herzstück jeder Software, hat. Diese wird kostenlos zur Verfügung gestellt und darf in den meisten Fällen auch modifiziert werden. Inzwischen haben sich drei Varianten herausgebildet, mit derlei Software Geld zu verdienen.
Erstens haben Firmen um die vielfältigen Angebote einen Beratungsmarkt etabliert. Sie sichten das Angebot kostenloser Software und empfehlen Produkte, die den Bedürfnissen am besten entsprechen. Zweitens stellen Firmen Software kostenlos bereit; verdient wird an Implementierung und Support. "Auf diese Weise sind Firmen schneller mit ihrem Produkt am Markt, aufwendige Akquise und Marketing wird auf ein Minimum zurückgeschraubt", sagt Dirk Riehle von der Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschlands einziger Professor für Open-Source.
Vorsicht vor Fallstricken
Das dritte Modell ist die konsoziale Entwicklung, die dem ursprünglichen Open-Source-Gedanken am nächsten kommt: Eine Gemeinschaft von Nutzern bastelt eine Software; das wohl berühmteste Beispiel dafür ist das alternative Betriebssystem Linux. Heute machen sich Branchen oder Interessengruppen das Prinzip zunutze. Unter dem Projektnamen "Albatross" arbeitet etwa die Flugbranche derzeit europaweit an einer Open-Source-Software.
Um zu regeln, was am Quellcode verändert werden darf, haben sich verschiedene Formen der Lizenzierung durchgesetzt. Die Lizenz, die wohl am weitesten geht, ist die GNU General Public License (GPL-Lizenz). Solche Software ist von jedem einseh- und veränderbar. Sie darf, auch gegen Geld, vertrieben werden, allerdings nur unter der Bedingung, eventuelle Weiterentwicklungen ebenfalls öffentlich zu machen.
Das kann zu Rechtsunsicherheiten führen, etwa bei Firmenverkäufen. Felix Wittern, auf Internetrecht spezialisierter Anwalt bei Field Fisher Waterhouse in Hamburg, beschreibt einen Fallstrick: "Nutzt eine Firma eine Open-Source-Software unter GPL-Lizenz, darf bei einem Firmenverkauf die Software möglicherweise nicht Bestandteil des Kaufvertrags sein - denn dann würde aus der freien Software Geld geschlagen." Ebenso sind bei offenen Lösungen die Verantwortlichkeiten, etwa in der Haftung, nicht immer eindeutig geklärt, warnt der Experte.
  • FTD.de, 24.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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