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Merken   Drucken   11.04.2010, 14:36 Schriftgröße: AAA

Grauer Markt: Warum Chinesen das iPad schon jetzt kaufen können

Noch bleibt für die meisten Apple-Fans das iPad ein unerreichbarer Traum. Nicht so in China. Offiziell ist Apples neuer Tablet-PC bislang nur in den USA erhältlich, aber in Geschäften in Hongkong und China gibt es jede Menge "Graumarktimporte". von Justine Lau, Andy Ho, Hongkong und Kathrin Hille, Peking
Wer in Asien schon jetzt eines der begehrten elektronischen Spielzeuge besitzen will, muss dafür allerdings tief in die Tasche greifen. Der Handel mit "Graumarktimporten", Originalartikeln also, die eigentlich nicht für diesen Markt gedacht waren, ist in China und Hongkong weit verbreitet.
Sofern der Preis stimmt, kann der Kunde praktisch jede Marke und jedes Produkt bekommen, seien es exklusive Handtaschen oder Elektronikgeräte, und zwar zum Teil schon weit vor der offiziellen Markteinführung in China. Die Absatzzahlen sind dabei durchaus beeindruckend. Teilweise verkaufen sich Graumarktimporte um ein Mehrfaches dessen, was später von den offiziellen Importen abgesetzt wird.
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Als beispielsweise die ersten Graumarktimporte des iPhones 2007 in China angeboten wurden, lag der Preis für das Grundmodell bei über 8900 Renminbi (1303 $) - der empfohlene Einzelhandelspreis für die USA betrug 599 $. Das schreckte jedoch viele Käufer nicht ab, denn ansonsten hätten sie lange warten müssen: Offiziell kam Apples Smartphone erst zwei Jahre später im Rahmen eines Vertriebsangebots mit dem Mobilfunker Unicom nach China.
Ganz anders sieht die Lage beim iPad aus. Zwar gibt es noch keine offizielle Ankündigung von Apple, wann das Gerät offiziell in die Geschäfte von Hongkong kommt, aber schon jetzt fallen die Preise schnell, weil die Parallelimporte leicht verfügbar sind und die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück bleibt.
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  Apple 562,29 USD  [-3.03 -0,54%
Bestellt man in den USA seinen iPad über das Internet, muss man mindestens fünf Werktage Wartezeit einkalkulieren, bevor das Gerät verschifft wird. In der beliebten Hongkonger Einkaufsmeile Sincere Podium dagegen geht das 16-GB-Modell für rund 5900 Hongkong-Dollar über den Tisch. Bei umgerechnet rund 760 $ beträgt der Aufschlag gegenüber dem US-Preis gerade einmal 50 Prozent. Das 32-GB-Modell kostet 7000 Hongkong-Dollar, das große 64-GB-Modell rund 8000 Hongkong-Dollar und damit etwa 300 $ mehr als in den USA.
Das Unternehmen DHC Mobile hat die Preise seit Beginn vergangener Woche um rund sieben Prozent gesenkt, um die Nachfrage anzukurbeln. Gut 160 iPads hat das Unternehmen schon verkauft, aber noch rund 60 warten im Lager. Eigentümer Andus Lau sagt, der iPad sei nur halb so beliebt wie seinerzeit das iPhone.
Steve Jobs stellt in San Francisco den iPad vor.   Steve Jobs stellt in San Francisco den iPad vor.
"Anders als beim iPhone ist das iPad nichts, was die Menschen jeden Tag benutzen müssen", sagt Lau. Von Nachteil für die Kunden aus Hongkong sei es, dass das iPad nur vereinfachte chinesische Zeichen verarbeiten kann, wie sie in China benutzt werden, und nicht die kompliziertere Version, wie sie in Hongkong und Taiwan verwendet wird, so Lau.
In Peking dagegen sind die Schlangen der iPad-Interessenten weiterhin lang, denn jeder Händler kann pro Tag nur etwa ein Dutzend iPads anbieten. Allerdings wurde für vergangene Woche mit großen Lieferungen gerechnet, sodass auch in Chinas Hauptstadt die Preise für den Tablet-PC von Apple  bald fallen dürften.
Wurden vergangene Woche noch 6500 Renminbi (950 $) für das 16-GB-Modell verlangt, dürfte sich der Preis bei rund 5000 Renminbi einpendeln, sobald die Lieferengpässe überwunden sind.
Wer noch weniger bezahlen möchte, sollte sich in der chinesischen Shoppingmetropole Shenzhen umsehen. In der an Hongkong grenzenden Millionenstadt werden schon seit August Tablet-PCs verkauft, die den iPads ähneln, aber nicht mit ihnen identisch sind. Rund 2200 Renminbi werden für eines dieser Geräte fällig, die deutlich dicker als Apples iPad sind und bei denen die Bildschirmgröße zwischen sieben und zehn Zoll variiert.
Den Vorwurf des Plagiats weisen die chinesischen Hersteller zurück. Einer sagte, Apple habe bei ihm abgekupfert. Beim Unternehmen Julong aus Shenzhen, das seit sechs Monaten einen iPad-ähnlichen Rechner vertreibt, denkt man offenbar über eine Klage nach.
"Wir sind an vorderster Front, wir sind die Pioniere", sagt Huang Xiaofang, Assistent der Julong-Geschäftsführung. "Wir behalten uns das Recht vor, Apple zu verklagen."
Quelle: The Financial Times
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  • FTD.de, 11.04.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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