Den Vergleich mit dem gallischen Dorf, das sich mit Asterix gegen die Römer wehrt, bemühen deutsche Hersteller von Unterhaltungselektronik besonders gern. Ganz Deutschland ist ihrer Ansicht nach von der Massenware übermächtiger asiatischer Konzerne besetzt, die das Land mit Fernsehern und Digitalkameras überfluten. Doch einige Firmen leisten erbitterten Widerstand.
Das Konzept lautet zumeist: klein, aber fein und oft hochpreisig. Nur noch Spezialanbieter sind übrig geblieben, die in Deutschland produzieren und die lukrative Nischen besetzen. Massenherstellung wie zu Grundigs Zeiten ist längst Geschichte - nicht nur hierzulande, sondern auch in weiten Teilen Europas. Doch die Tradition der Tüftler schafft immer noch Platz auf dem milliardenschweren Markt.
"Deutsche Technik und Innovationsgeist hat maßgeblich die Unterhaltungselektronik bewegt und entwickelt", sagt Hiroshi Sasaoka, Europachef von Sharp. Deutsche Hersteller, die sich auch heute noch am Markt behaupten, setzen konsequent auf die wenigen noch verbliebenen Erfolgsfaktoren. Dies ist einerseits ein stringentes Marketing für technisch hochwertige Produkte. Ein Beispiel: Der Übergang vom Röhren- zum Flachbildschirmfernseher hätte Loewe fast in die Knie gezwungen. Die Fokussierung auf die Premiummarke und edel designte Geräte retteten den TV-Hersteller aus Kronach.
Andererseits gilt Technologieführerschaft als immenser Vorteil. Der Rosenheimer Mittelständler Kathrein hat es damit zum Weltmarktführer bei Antennen gebracht. Zudem können sehr kleine Unternehmen mit einem extrem hohen Spezialisierungsgrad in einer winzigen Nische überleben - so wie Burmester, der seit 1977 in seiner Berliner Manufaktur Highendverstärker zusammensetzt. Andere Unternehmen wiederum kombinieren geschickt aus Asien zugelieferte Teile. Als Vorreiter gilt Medion: Das Unternehmen versucht, aus dem Schatten des Aldi-Fertigers hervorzutreten, und lädt deshalb dieser Tage erstmals zu einem Produktlaunch ein. Die Massenfertigung von Fernsehern in Deutschland hingegen gehört der Vergangenheit an.
Ein Rückblick: In den 70er-Jahren arbeiteten für Grundig 40.000 Menschen. Das einst global agierende Sinnbild deutscher Unterhaltungselektronik produzierte in 30 Fabriken auf der ganzen Welt. Rundfunkpionier Max Grundig schaute damals auf den wesentlich kleineren Ortsrivalen Metz herab.
Es kam anders: Grundig verschlief wichtige Technologien und wurde von japanischen Großkonzernen an den Rand gedrängt. Metz aber hat überlebt, in der Nische. "Grundig hat die Konkurrenz nicht in richtigem Maß wahrgenommen und unterschätzt, was aus Asien rüberkam", erinnert sich der ehemalige Philips-Deutschlandchef Hans-Joachim Kamp. Philips übernahm einst die Mehrheit an Grundig und scheiterte hier trotz hoher Investitionen ebenfalls. "Der Standort Deutschland ist, wenn man lediglich die Produktionskosten als Maßstab nimmt, sicherlich nicht von Vorteil", weiß Metz-Geschäftsführer Norbert Kotzbauer.