Vor drei Jahren stand Infineon mit dem Rücken zur Wand. Dem zweitgrößten Halbleiterhersteller Europas drohte das Geld auszugehen. Damals rettete sich Infineon mit frischem Geld seiner Aktionäre - und seinem rigiden Sparprogramm "IFX 10+".
Nie mehr sollte einst das chronisch defizitäre Unternehmen bei der operativen Marge unter zehn Prozent rutschen, auch in konjunkturellen Schwächephasen nicht. So versprachen es damals Vorstandschef Peter Bauer und Finanzchef Marco Schröter. Das Duo ist inzwischen abgelöst, aus verschiedenen Gründen. Die Nachfolger Reinhard Ploss und Dominik Asam, so scheint es, wollen von diesem guten Vorsatz nicht mehr allzu viel wissen.
Die Abschwächung der Weltkonjunktur trifft derzeit Infineons wichtigste Abnehmerbranchen mit zunehmender Wucht: die Automobilbranche und die Maschinenbauer.
Schon seit Monaten muss Infineon immer wieder seine Prognosen nach unten korrigieren. Für das gerade begonnende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand jetzt einen Umsatzrückgang von fünf bis neun Prozent und eine operative Marge von fünf bis neun Prozent. Bei dieser Prognose scheint noch Luft nach unten - schließlich rechnet Infineon dabei eine "merkliche Belebung" in der zweiten Geschäftsjahreshälfte ein.
Fünf bis neun Prozent - so wenig hat Infineon seit der schweren Krise 2009 nicht mehr verdient. Nicht nur die selbst gesetzte Untergrenze von zehn Prozent wird damit verfehlt, auch die 15 Prozent über den Zyklus unterschreitet der DAX-Konzern damit deutlich. Schon seit Monaten warten die Aktionäre deshalb mit Spannung auf das für November angekündigte Sparprogramm.
Doch das, so zeigt sich jetzt, fällt ziemlich mager aus. 100 Mio. Euro will Infineon sparen, hauptsächlich dadurch, dass überflüssige Produktionsanlagen vorübergehend abgeschaltet werden. Dazu werden Urlaubstage abgebaut, Zeitarbeit und externe Dienstleistungen reduziert und Gehaltserhöhungen verschoben. Dies alles hilft jedoch nur vorübergehend - wenn das Geschäft tatsächlich bald wieder anzieht.
Obwohl mit dem schrumpfenden Umsatz immer mehr Anlagen ungenutzt herumstehen und Vertriebsleute weniger zu verkaufen haben, konnte sich Ploss noch nicht einmal zu einem Einstellungsstopp durchringen, geschweige denn zu Stellenabbau. Die Mitarbeiterzahl, die im vergangenen Geschäftsjahr trotz eines Umsatzminus von zwei Prozent um 1000 auf knapp 26.700 stieg, bleibt "eingefroren". Frei werdende Stellen werden also ersetzt. Ähnliches gilt für die Investitionen: Ploss will im laufenden Geschäftsjahr 400 Mio. Euro für neue Anlagen und Fabriken ausgeben. Dabei hat Infineon schon in den vergangenen zwei Geschäftsjahren jeweils rekordhohe 900 Mio. Euro investiert - und dies letztlich in einen schrumpfenden Markt hinein.
Der Vorstand begründet dies damit, den Konzern damit für den nächsten Aufschwung rüsten zu wollen. Mit neuen, effizienteren Fertigungstechnologien und innovativen Produkten glaubt der Konzern, dann weitere Marktanteile gewinnen zu können. Diese Wette kann sich Infineon finanziell leisten: Die Kasse der Münchner ist mit 2 Mrd. Euro prall gefüllt, seit Infineon vor zwei Jahren die Mobilfunkchipsparte verkauft hat.
Letztlich wird erst der nächste Aufschwung zeigen, ob Infineons Plan funktioniert. Wenn der allerdings auf sich warten lässt, hat der Vorstand das Aktionärsgeld zu locker ausgegeben.
Zumindest scheint es doch seltsam, dass - über zwei Jahre gesehen - der Umsatz um grob 10 Prozent sinkt und trotzdem sogar freiwerdende Stellen ersetzt werden sollen. Was machen denn all diese Leute in Vertrieb und Fertigung? Zumal Infineon kräftig investiert hat und die neuen Anlagen doch auch die Produktivität steigern sollten? Was die Überkapazitäten eher noch erhöht?
Natürlich darf die Innovation nicht leiden. Doch bekanntlich ist ein Unternehmen mit zu hohen Kosten auf Dauer nicht wettbewerbsfähig.
Was die FTD betrifft, die wird - wenn man den gewöhnlich gut informierten Journalisten des Spiegel und Focus glauben darf - demnächst komplett eingestellt. Nachdem seit 10 Jahren praktisch jedes Jahr gespart wurde und selbst eine beauftragte Unternehmensberatung kürzlich keinerlei weitere Sparpotenziale mehr ermitteln konnte (das muss man erstmal schaffen. Ist das bei Infineon auch der Fall??). Leider fehlt es - anders als bei Infineon - an Kunden, die gerne Geld für das Produkt (die Artikel) ausgeben. Vermutlich auch Sie nicht, oder sind Sie zahlender FTD-Abonnent?
Ihre Hoffnung wird sich insofern wohl erfüllen - und zwar so, dass kein FTD-Arbeitsplatz mehr übrigbleibt. Damit wird auch das kostenlose Online-Programm, das Sie ja doch zu interessieren scheint, demnächst verschwinden. Zumindest müssen Sie sich dann nicht mehr über solche Kommentare ärgern, dazu also herzlichen Glückwunsch