Tim Cook sitzt auf dem Hocker und beginnt mit gesenktem Kopf zu sprechen. "Das ist unsere erste gemeinsame Versammlung seit Steve gestorben ist", sagte der Apple -Chef auf der Hauptversammlung in der Konzernzentrale im Silicon Valley. "Kein Tag vergeht, an dem ich ihn nicht vermisse, aber irgendwo in den Tagen und Wochen nach seinem Tod wurde aus dieser großen Trauer eine enorme Entschlossenheit, die Reise fortzusetzen - weil ich weiß, dass Steve es so gewollt hätte."
Der 51-jährige Apple-Lenker war schon zu den Zeiten, als Steve Jobs das Unternehmen führte, als operativer Chef der Kontaktmann für die Aktionäre. Der Unternehmensmitbegründer, der im Oktober an den Folgen von Krebs starb und den Chefposten bereits zwei Monate davor an Cook übergeben hatte, mied den Kontakt nach Möglichkeit, genau so wie er die Wall Street umschiffte.
Darüber, was viele Aktionäre von Apple wollen - eine Dividende, ein Aktienrückkaufprogramm, einen Aktiensplit - herrscht auch nach der Hauptversammlung vom Donnerstagmorgen weiterhin Ungewissheit. Mehrere Aktionäre wollten bei der Fragerunde wissen, was Apple mit seinen Barreserven in Höhe von rund 98 Mrd. Dollar zu tun gedenke. "Wir denken sehr intensiv über die Cash-Frage nach, und der Verwaltungsrat führt aktive Gespräche darüber, was im besten Interesse der Aktionäre ist", sagte Cook.
Der Verwaltungsrat erwäge alle Optionen, sei aber noch zu keinem Entschluss gekommen, sagte Cook weiter. Apple habe in den vergangenen Jahren Milliarden in den Ausbau der Lieferkette, der Ladenkette oder der Infrastruktur und in die Übernahme kleiner Unternehmen investiert. "Wir haben viel Geld ausgeben, aber wir haben immer noch viel - ehrlich gesagt mehr als wir brauchen, um das Unternehmen zu betreiben", sagte der Apple-Chef. "Der Verwaltungsrat und das Management werden tun, was unserer Meinung nach das Beste für die Aktionäre ist - und jedermann weiß, dass nie 100 Prozent der Leute mit unserer Entscheidung übereinstimmen werden."
Apple schüttete zuletzt 1995 eine Dividende aus. Jobs, der 1997 zu dem 1976 gegründeten Unternehmen zurückkehrte, war stets dagegen. Eine Dividende hätte seiner Meinung nach dem Aktienkurs nicht geholfen und überdies Apples finanzielle Flexibilität eingeschränkt. "Hätten Sie lieber ein Unternehmen mit unserem Aktienkurs und 40 Mrd. Dollar auf dem Konto oder ein Unternehmen mit unserem Aktienkurs und kein Geld auf dem Konto?", fragte er die Aktionäre auf der Hauptversammlung vor zwei Jahren. Apples Aktiennotierung ist in den vergangenen drei Jahren um 470 Prozent auf rund 516 Dollar angestiegen. Der kalifornische Hersteller von iPhones, iPads, iPods und Macs ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 480 Mrd. Dollar mittlerweile zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen.
China und die seit Monaten wieder heftig kritisierten miserablen Arbeitsbedingungen in den Werken von Apple-Zulieferern wie Foxconn oder Wintek waren auf der Hauptversammlung kein Thema. Cook brachte sie genau so wenig zur Sprache wie die Aktionäre, die zu Wort kamen. Vor Beginn der Hauptversammlung stand ein kleines Grüppchen von Demonstranten auf dem Apple-Campus in Cupertino und schwenkte Plakate mit Forderungen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.
Teil 2: Kritik an Produktionsbedingungen bleibt ungehört