Die gute Nachricht: Meg Whitman ist immer noch zu Scherzen aufgelegt. "Das war ein ziemlich ruhiges Jahr", sagte die Chefin von Hewlett-Packard (HP) am Dienstag in Frankfurt bei der Eröffnung der Kundenmesse Discover. "Nicht viel los." Lächeln, eine Kunstpause. "Du lieber Himmel, es war ein unglaubliches Jahr!"
Was bleibt Whitman anderes, als zu lächeln. Jeder in dem Saal der Frankfurter Messehalle weiß, dass bei HP die Hütte gebrannt hat und dass die dunklen Schatten unter ihren Augen zwar theoretisch auch vom Jetlag stammen könnten. Es aber wahrscheinlicher ist, dass Meg Whitman derzeit auch nachts einige Probleme durchgehen muss.
Wegen der Ungereimtheiten in der Bilanz der 2011 für gut 10 Mrd. Dollar übernommenen Firma Autonomy wurden nicht nur die Wirtschaftsprüfer von HP, sondern auch der Konzern und einige Manager verklagt. HP hatte in seiner Quartalsbilanz im November 8,8 Mrd. Dollar auf die Firma abgeschrieben und einen Verlust von fast 7 Mrd. Dollar verbucht.
Whitman hat zwar die Übernahme von Autonomy nicht als Vorstandsvorsitzende zu verantworten, diese geht noch auf das Konto des damaligen HP-Chefs Léo Apotheker. Die frühere Ebay-Chefin saß aber schon damals im Verwaltungsrat des IT-Konzerns und hat kein Veto gegen das bereits damals fragwürdige Geschäft eingelegt. Allein Finanzchefin Catherine Lesjak soll Bedenken geäußert haben.
Jetzt versucht Whitman, den Kauf zu rechtfertigen. Am Dienstag stellte sie auf der Kundenmesse neue Analysesoftware von Autonomy vor. "Was den Nutzen der Software angeht, bin ich zweifelsfrei", verteidigte Deutschland-Chef Volker Smid das Produkt. Die Analyseprogramme können zum Beispiel eingesetzt werden, um in den Speichersystemen, die HP verkauft, Informationen zu suchen. Dass das zu wenig sein könnte, um die Milliardenübernahme zu rechtfertigen, ist inzwischen aber eine Binsenweisheit.
Und Autonomy ist nicht die einzige Baustelle von Whitman: HP ist jeweils die Nummer zwei auf dem PC- und Servermarkt. Der Konzern hängt in weiten Teilen von Geschäftskunden ab, für die der Konzern komplette IT-Lösungen baut. Doch die Firma gilt als schwerfällig und wenig innovativ. Whitman selbst sagte in einem Interview vor ihrem Amtsantritt: "Je größer man wird, desto schwieriger ist es, flink zu bleiben."
Zunächst galt nur das PC-Geschäft als Problemfall, das unter der mauen Nachfrage und der wachsenden Konkurrenz von Tablets und Smartphones leidet. Im August schrieb HP dann 8 Mrd. Dollar auf die Dienstleistungssparte ab. Wichtige Outsourcing-Kunden wie General Motors nehmen ihre IT lieber wieder selbst in die Hand. Mike Nefkens, der die zweitwichtigste Sparte des Konzerns seit August zunächst übergangsweise leitete, soll das Beratungsgeschäft nun wiederbeleben.
Whitman hat nun Ende November die Erwartungen der Investoren vorsichtshalber so weit heruntergeschraubt, wie sie konnte. Der Gewinn, kündigte die HP-Chefin an, werde in den kommenden zwölf Monaten auf 3,40 Dollar bis 3,60 Dollar je Aktie sinken. Analysten waren im Schnitt von 4,16 Dollar ausgegangen. Bis 2014 sollen weltweit 29.000 Stellen wegfallen, mehr als geplant. Die Kette der Hiobsbotschaften reißt nicht ab.
Kein Wunder, dass sie in solchen Zeiten lieber ihren "guten Freund", Dreamworks-Chef Jeffrey Katzenberg, auf die Bühne holt, der von Whitman als einer "der seltenen Führungskräfte" schwärmt, die Dinge anpacken. Whitman saß jahrelang im Verwaltungsrat von Dreamworks .
Zugegeben: Angepackt hat Whitman im vergangenen Jahr bei HP bereits einiges. Ob sie erfolgreich sein wird, muss sich noch zeigen. Sie selbst sprach in Frankfurt von "Herausforderungen", aber auch von "Siegen" in den vergangenen zwölf Monaten. Was genau sie damit meinte, ließ die HP-Chefin allerdings offen.