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Merken   Drucken   06.06.2011, 17:31 Schriftgröße: AAA

iHype: Wagt den Apple-Entzug!

Kommentar Heute zelebriert Steve Jobs wieder eine seiner Messen als Hohepriester von Apple. Ein Anlass mehr, sich aus der Abhängigkeit von der Hochglanz-Marke zu befreien und den Wahn auf Normalmaß zu stutzen. von Joachim Dreykluft 
Ich bin Ex-Apple-Kunde. Aus Überzeugung.
Meine persönliche Geschichte mit dem Unternehmen beginnt 2005. Damals war Apple noch längst nicht, was es heute ist: kein Massenhype, keine Börsenbewertung jenseits von Microsoft, kein iPhone. Aber den iPod, den wollte ich haben, jenes aufregende Produkt, dass den iWahn in Gang setzte.
Das war gar nicht so leicht: Nicht bei Amazon, nicht bei Saturn, nicht beim örtlichen Elektronikfachhändler. Also verschlug es mich in eine kleine Seitenstraße nahe der Hamburger Uni, in ein „autorisiertes Apple Servicecenter“. Der iPod kam, und ich verbrachte Nächte damit, meine in 20 Jahren gesammelten CDs auf den iPod zu überspielen. Endlich hatte ich all meine Lieblingsmusik immer dabei. Soft- und Hardware machten nicht Ärger, sondern Vergnügen.
Bis sich das Gerät genau ein Jahr und drei Tage nach dem Erwerb weigerte, Musik abzuspielen. Nach kurzer Konsultation des Troubleshooting-Teils der Apple-Website war mir klar: Das wird nichts mehr. Du musst ins Servicecenter.
Und so begann eine der größten Produktenttäuschungen meines Lebens. Im Servicecenter, ich konnte es kaum glauben, sagte man mir: Apple wolle in solchen Fällen direkten Kontakt mit dem Kunden. Ich müsse die Hotline anrufen. Aber Sie sind doch mein Servicecenter? Trotzdem.
Die Hotline rief ich an in dem Glauben, Kunde eines Premiumanbieters zu sein. Dann aber das Übliche: „Drücken Sie die 1, wenn Sie dies wollen, drücken Sie die 2, wenn Sie das wollen. Drücken Sie die 0, wenn Sie nicht genau wissen, was Sie eigentlich wollen.“
Endlich ein Mensch. Ein Jahr und vier Tage? Das ist ein Problem. Da muss ich erst nachfragen, ob wir da aus Kulanz was machen können. Aber nach EU-Recht habe ich doch ohnehin zwei Jahre Gewährleistung? Aber dann müssen Sie uns nachweisen, dass wir den Fehler gemacht haben. „Leg‘ dich nicht mit Apple an“, war der klare Unterton.
Steht auf direkte Kundenbeziehungen: Steve Jobs   Steht auf direkte Kundenbeziehungen: Steve Jobs
An dieser Stelle kippte es bei mir. Der vermeintliche Premiumanbieter ist gar keiner. Er will eine direkte Kundenbeziehung. Aber helfen will er nicht und besser sein als ein Billiganbieter schon gar nicht.
Nach drei Telefonaten und viel Bittebitte hatte ich endlich einen "Servicecode". Mit dem durfte ich meinen kaputten iPod in mein Servicecenter bringen, das ihn dann zu Apple schickte. Und der reparierte wird mir dann nach Hause geschickt? Nein. Warum nicht? Den müssen Sie bei uns abholen. Wir sind doch Ihr Apple Servicecenter!
Guter Schlussgag, hier könnte die Geschichte mit einem Schmunzeln enden. Doch wie es der Zufall wollte, ging das Ersatzgerät wieder nach einem Jahr und wenigen Tagen kaputt. Die gesetzliche Gewährleistung war inzwischen abgelaufen.
Seither habe ich nie wieder ein Gerät von Apple gekauft und meine Musiksammlung lieber auf Geräten anderer Hersteller genossen. Ich bin aber Anwender von Apples iTunes zur Verwaltung meiner Musikbibliothek geblieben. Dabei muss ich akribisch darauf achten, mir kein Update einzufangen. Denn ich habe Version 8. Ab Version 9 verlangt Apple persönliche Daten und Zahlungsinformationen. Die bekommt Steve Jobs  nicht. Genauso wenig wie mein Geld. Unsere Kundenbeziehung ist beendet, ein für allemal.
Kursinformationen und Charts
  Apple 447,135 EUR  [-4.811 -1,06%
Vermutlich ist der telefonische Service bei Apple inzwischen besser. Vielleicht wird man auch nicht mehr vom Servicecenter an die Telefonhotline verwiesen, wenn man mal ein Problem hat. Wahrscheinlich gehen Apple-Geräte auch nicht mehr kurz nach Ablauf der gewährten Garantie kaputt.
Dennoch wird Apple mit mir kein Geschäft mehr machen. Denn die Arroganz, mit der das Unternehmen nach wie vor seine zahlenden Kunden behandelt, ist heute nicht besser als vor Jahren. Und sie geht mir gehörig auf den Keks. Was bilden die sich eigentlich ein, statt der überall vorhandenen Flash-Videos nur einen grauen Kasten darzustellen? Warum kostet Speicherplatz bei Apple das Vielfache von dem, was andere Hersteller verlangen? Warum gibt es keinen SD-Slot? Warum keinen USB-Anschluss? Warum können Apple-Kunden ihren Akku nicht austauschen? Warum sind die Kriterien, nach denen Apple Apps zulässt oder ablehnt, weitgehend intransparent?
Dass immer mehr Menschen das akzeptieren und Apple-Kunde werden oder bleiben, ist mir ein Rätsel. Die Rechtfertigung, die ich höre, lautet: Apple-Produkte seien hervorragend, sonst würden doch nicht so viele Menschen so viel Geld dafür ausgeben. Meine Antwort: Apple-Produkte sind wie Zigaretten: Man wird durch Gruppendruck abhängig gemacht („Nun rauch‘ doch eine mit!“, „Wie, du hast kein iPhone?“) und dann abhängig gehalten durch die schon bezahlten Apps, die iTunes-Software und das ganze „Ökosystem“ drumherum.
Mit dem Rauchen habe ich übrigens auch aufgehört.
11:55:41 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Apple 447,135 EUR   -1,06%  -4.811
  • FTD.de, 06.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 09.09.2011 22:46:40 Uhr   yranib: Treffendster Beitrag zu Apple!

    Beitrag ist so Nah an der Wirklichkeit, kann den Supportteil aus eigener Mitmach-erfahrung gut beurteilen, wie kein anderer. Es geht nämlich nicht um einen 'flame war', sondern es wird genau beschrieben, wie es um Produktqualität (ist nicht besser und Support (kein Premium - Schwindel - Lügen - alles nach Redevorlage) bestellt ist. Am Ende wirft Herr Dreykluft zu Recht die Frage auf: Warum dieser Hype???

    Komisch, wollte fast schreiben - mutige Frage -... ist fast schon unüblich am Apfelgott Kritik zu üben. Sehr eigenartig, eigentlich gibt es solche Kritikbremsen nur im Falle von Religionen...

    Fakten: Verkauft wird über Image und sehr gutes Marketing. Produkte sind im Vergleich teurer, die Qualität ist nicht hochwertiger. Support und Service nicht besser.

    Das viel gelobte OS X, hahaha, bitte Charlie Miller lesen, sollte ja für die vielen Experten die sich hier tummeln kein Problem sein. In Security Kreisen gilt OS X als nicht besser und Safari als der letzte Witz.

    Man kann dies alles ganz bequeme im Netz nachlesen.

    Nüchtern betrachtet: Apple verspricht alles einfach zu machen, verkauft überteuerte Hardware und bevormundet den Kunden; ist also doch gar nicht so cool, oder?

  • 29.06.2011 20:02:10 Uhr   Dirk: hmhmmmh
  • 16.06.2011 10:02:09 Uhr   nixnutz: Hatte ich noch nie
  • 09.06.2011 22:20:16 Uhr   Joachim Dreykluft: Anmerkungen vom Autor
  • 09.06.2011 18:08:14 Uhr   Noch einer: Klischees müssen sein ...
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