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Merken   Drucken   10.04.2012, 13:12 Schriftgröße: AAA

Instagram-Übernahme: Facebook investiert in Foto-Hype

Kurz vor dem Börsengang leistet sich das weltgrößte soziale Netzwerk eine Milliardenübernahme. Mit dem Kauf von Instagram reagiert Facebook auf die wachsende Popularität von  Foto-Apps und schluckt zudem einen möglichen Konkurrenten.
© Bild: 2012 AFP/JUSTIN SULLIVAN
Kurz vor dem Börsengang leistet sich das weltgrößte soziale Netzwerk eine Milliardenübernahme. Mit dem Kauf von Instagram reagiert Facebook auf die wachsende Popularität von Foto-Apps und schluckt zudem einen möglichen Konkurrenten.

Facebook wagt kurz vor seinem Börsengang noch eine dicke Übernahme: Das soziale Netzwerk zahlt rund 1 Mrd. Dollar für den Fotodienst Instagram. "Wir können nun noch enger mit dem Instagram-Team zusammenarbeiten", schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Montag in seinem Profil. Das soziale Netzwerk stemmt den Zukauf mit einer Mischung aus Bargeld und eigenen Aktien. Daher könnte der tatsächliche Kaufpreis schnell noch höher werden, wenn die Facebook-Aktien nach dem Börsengang an Wert gewinnen.

Mit dem größten Zukauf der noch jungen Firmengeschichte reagiert Facebook auf die wachsende Popularität von Bildertausch-Plattformen und schluckt gleichzeitig einen möglichen Rivalen. Über Instagram lassen sich mit dem Smartphone geschossene Fotos mit Filtern und Effekten bearbeiten und dann im Freundes- oder Bekanntenkreis austauschen. Instagram kooperiert dabei neben Facebook auch mit Twitter und Tumblr und hat stark steigende Zahlen. Inzwischen hat der seit Anfang 2011 verfügbare Dienst 30 Millionen Nutzer. Einem Insider zufolge erwog das Unternehmen auch, selbst ein soziales Netzwerk zu starten.

Fotos Einblicke in die Firmenzentrale von Facebook

Ähnliche Plattformen wie etwa Pinterest erleben ebenfalls eine enormen Zulauf. Die Fotonetzwerke gelten deshalb als ernst zu nehmende Konkurrenz für soziale Netzwerke wie Facebook.

Zuckerberg bezeichnete den Zukauf als Meilenstein. Erstmals kaufe Facebook ein anderes Unternehmen, das ein Produkt mit so vielen Nutzern habe. Viele weitere solcher Zukäufe werde es aber nicht geben, vielleicht kämen auch gar keine weiteren hinzu.

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Eine Akquisition dieser Art ist für das soziale Netzwerk ungewöhnlich, das in der Vergangenheit kleinere Firmen vor allem schluckte, um an begehrte Fachkräfte zu gelangen. Anders als bei bisherigen Übernahmen soll Instagram als eigenständiger Dienstleister erhalten bleiben. Facebook wolle Instagram sogar um Anwendungen erweitern, teilten beide Unternehmen mit. Der Schritt ähnelt dem Kauf von Youtube durch Google  für 1,65 Mrd. Dollar im Jahr 2006. Das Videoportal hat eigene Büros in San Francisco behalten und arbeitet größtenteils unabhängig im Gefüge des Suchmaschinenkonzerns.

Der Zukauf soll noch in diesem Quartal abgeschlossen werden. Bisher fehlt Instagram ein tragendes Geschäftsmodell. Die Start-up-Firma hat rund ein Dutzend Mitarbeiter und sitzt in San Francisco.

Trotz der steigenden Bewertungen für Start-Ups im Silicon Valley überraschte Beobachter der Preis für ein Unternehmen ohne nennenswerten Umsatz. Offenbar wolle Facebook sich einen möglichen Rivalen einverleiben oder zumindest verhindern, das er Wettbewerbern wie Twitter oder Google in die Hände fällt. Instagram wäre auch für diese Firmen äußerst wertvoll, sagte Lou Kerner, Gründer des Social Internet Fund. Daher sei der Schritt von Facebook sowohl defensiv wie offensiv.

Das soziale Netzwerk treibt seit Wochen seinen Börsengang voran, der für Mai oder Frühsommer erwartet wird. Dabei könnte Facebook mit bis zu 100 Mrd. Dollar bewertet werden. Mit Einnahmen von angepeilten 5 Mrd. Dollar würde es der größte einer Internetfirma überhaupt. Firmengründer Zuckerberg soll nach dem Börsengang rund 57 Prozent der stimmberechtigten Aktien halten.

Die Instagram-Nutzer könnten auch nach der Übernahme weiterhin ihre Bilder in andere soziale Netzwerke senden, sagte Zuckerberg. Auch solle kein Instagram-Nutzer gezwungen werden, Facebook zu nutzen. "Wir denken, es ist ein wichtiger Teil der Erfahrung, dass Instagram mit Diensten jenseits von Facebook verbunden ist", sagte er weiter. "Instagram wird bestehen bleiben", schrieb auch dessen Mitgründer und Chef Kevin Systrom im Firmenblog. Das gelte ebenso für die kostenlose App, die auf Apples iPhone und den Android-Smartphones läuft. Gemeinsam mit Facebook sollten aber neue Funktionen entwickelt werden.

Erst vergangene Woche hatte Instagram Berichten zufolge 50 Mio. Dollar an Risikokapital eingesammelt von Geldgebern wie Sequoia Capital. Dabei war das Unternehmen laut dem Techblog AllthingsD mit 500 Mio. Dollar bewertet worden. "Wir müssen darauf achten, dass wir die Stärken und Funktionen von Instagram erhalten und ausbauen, statt nur zu versuchen, alles in Facebook zu integrieren", sagte Zuckerberg. Gegründet wurde Instagram im Oktober 2010. Erst vergangene Woche brachte das Unternehmen eine App für Android-Handys auf den Markt.

  • FTD.de, 10.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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