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Merken   Drucken   22.07.2012, 13:45 Schriftgröße: AAA

Kartellstreit: Brüssel wird für Microsoft zum Fluch

Der Softwarekonzern bringt im Herbst sein neues Betriebssystem Windows 8 auf den Markt. Überschattet wird der Start von neuem Ärger mit den EU-Wettbewerbshütern: Das US-Unternehmen soll  seine Wettbewerber mit den Browsereinstellungen diskriminieren.
© Bild: 2011 Bloomberg/John Froschauer
Der Softwarekonzern bringt im Herbst sein neues Betriebssystem Windows 8 auf den Markt. Überschattet wird der Start von neuem Ärger mit den EU-Wettbewerbshütern: Das US-Unternehmen soll seine Wettbewerber mit den Browsereinstellungen diskriminieren.
von Annika Graf, Hamburg und Brüssel

Im Herbst soll das neue Microsoft -Betriebssystem Windows 8 kommen - und der Softwarekonzern kann auf einen fulminanten Start hoffen. Doch neue Untersuchungen aus Brüssel drohen den Verkaufsbeginn zu überschatten. Wie ein Sprecher von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia der FTD vergangene Woche bestätigte, untersucht die Kommission auch Microsofts Einstellungen bei Windows 8.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass von der Kommission vorgeschriebene Browser-Auswahl-Fenster bei Windows 7 seit anderthalb Jahren nicht mehr anzeigt. Es war eingeführt worden, um die Installation von unabhängigen Browsern zu vereinfachen.

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Drittanbieter hätten sich aber auch über die Microsofts Geschäftsgebaren bei Windows 8 beschwert, sagte der Sprecher. Der Softwarekonzern soll den Konkurrenten demnach wichtige Schnittstelleninformationen vorenthalten. Marketinggelder an Hardwarehersteller würden zurückhalten, um sie dazu zu bringen Voreinstellungen zu Gunsten von Microsoft vorzunehmen. Außerdem werde das Browser-Auswahlfenster auf der Tablet-Version Windows 8 RT nicht angezeigt.

Da es die Geräteklasse 2009 noch nicht gab, ist noch nicht ganz klar, wie sehr sie von den damaligen Zusagen betroffen sind.

Doch die Vorwürfe lassen einen der spektakulärsten Wettbewerbsfälle in Europa wieder aufleben. Brüssel warf dem Unternehmen nach der Jahrtausendwende vor, seine dominante Marktposition zu missbrauchen, und verhängte Strafen in Höhe von insgesamt 1,7 Mrd. Euro. Jetzt drohen neue Bußgelder. Bei Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht kann die Kommission Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Microsoft hat im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 73,7 Mrd. Dollar Umsatz gemacht, bei 17 Mrd. Dollar Gewinn.

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Die neue Untersuchung kommt außerdem zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn Microsoft arbeitet gerade mit Hochdruck an der Einführung von Windows 8.

Der lässt sich offenbar gut an. Bereits im abgelaufenen vierten Quartal stellte Microsoft 540 Mio. Dollar Umsatz im Zusammenhang mit der geplanten Einführung von Windows 8 zurück. Im aktuell laufenden zweiten Quartal rechnet der Konzern mit 1 bis 1,2 Mrd. Dollar. Grund sind Vorverkäufe an die PC-Hersteller und das Upgrade-Versprechen auf Windows 8, dass er Käufern des Vorgänger-Programms Windows 7 für die Einführung gegeben hat. Wer zur Zeit einen Rechner mit Windows 7 kauft, kann bis Ende des Jahres für einen ordentlichen Rabatt auf Windows 8 umstellen. Die Kunden haben bereits für das Upgrade bezahlt, ohne es erhalten zu haben. Aus diesem Grund muss Microsoft die Erlöse als "deferred" - also noch nicht verdient - ausweisen. Im abgelaufenen vierten Quartal machte die Windows-Sparte 4,15 Mrd. Dollar Umsatz.

Gleichzeitig hatte Microsoft aber zum ersten Mal seit 1986 einen Quartalverlust von 492 Mio. Dollar ausgewiesen. Grund war die Abschreibung von 6,2 Mrd. Dollar auf den 2007 übernommenen Online-Werbespezialisten Aquantive. Microsoft hatte mit der Übernahme zu den Rivalen Google und Yahoo aufholen wollen. Die Erwartungen wurden aber nie erfüllt. Die Online-Sparte schrieb auch wegen der Abschreibung im abgelaufenen Geschäftsjahr einen besonders hohen Verlust von 8,12 Mrd. Dollar.

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