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Merken   Drucken   07.03.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Medienwelt der Zukunft: Apple ist ein (zu) starker Gegner

Zeitschriftenverlage fürchten die Abhängigkeit von Apples Onlinevertrieb. Hektisch entwickeln sie deshalb Alternativen zum Internetkiosk der Amerikaner. Etwas Gleichwertiges ist allerdings nicht in Sicht. von Lutz Knappmann, Thomas Wendel, Nikolaus Hammerschmidt und Leo Klimm 
Es ist eine dieser Beziehungen, über die es heißt: "Sie können nicht mit-, aber auch nicht ohne einander." Hier die darbenden Verlage, dort Apple. Ende Februar stellte der Computerkonzern das iPad vor. Ein handliches Technikwunder mit Touchscreen und Internetzugang, das seither als Rettung der Medienbranche gehandelt wird. Die sucht seit Jahren händeringend nach Einnahmequellen im Internet. Auf dem iPad, so die Hoffnung, lassen sich digitale Magazine und Zeitungen so attraktiv präsentieren, dass die Nutzer sogar dafür bezahlen würden.
Nun folgt auf die erste Begeisterung der Verlagshäuser die Ernüchterung: Wer mit digitalen Magazinen oder den Apps genanten Zusatzprogrammen auf das iPad will, muss sich an Apples Spielregeln halten. Und die lauten: "Umsatzbeteiligung". Und: "kein Zugang zu den Kundendaten".
Tablet-Computer So funktioniert das iPad
"Wir brauchen einfache Verkaufsstellen in der digitalen Welt", fordert "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron. "Apple hat mit iTunes eine solche Struktur geschaffen mit dem großen Problem, dass wir uns in eine Abhängigkeit begeben. Wir sind aber auf Apple  angewiesen, wir müssen unser Produkt auf dem iPhone und dem iPad anbieten."
Der Tablet-Computer von Apple ist

 

Der Tablet-Computer von Apple ist…

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Endgültig gekippt ist die Stimmung, als Apple unlängst begann, Apps mit erotischen Inhalten zu löschen. Wenn sich Apple nicht mehr nur als Technologieplattform versteht, sondern in Inhalte eingreift, warnt der Zeitschriftenverlegerverband VDZ, "reduzieren sie die Verlage auf bloße Inhaltelieferanten ohne eigene Endkundenbeziehungen". Darin liege eine große Gefahr für die Pressefreiheit.
Also basteln die Verlage an alternativen Onlineplattformen - für so viele verschiedene Endgeräte wie nur möglich. Dass sie dabei Gefahr laufen, sich im Dickicht aus Betriebssystemen und Dateiformaten zu verlaufen, stört sie nicht. Sie hoffen, dass sich bald einheitliche Standards durchsetzen. "Eine Chance hierfür ist eine zugangsoffene, inhaltsneutrale digitale Vertriebsplattform, die Verlage jüngst vorgestellt haben", heißt es beim VDZ.
Der Bertelsmann-Konzern, dem indirekt auch die FTD gehört, baut über seine Buchklubsparte Direct Group und den zur Verlagstochter Gruner + Jahr gehörenden Deutschen Pressvertrieb (DPV) einen Onlinekiosk für Verlage auf. Möglichst viele Partner sollen sich beteiligen - mit ihren Inhalten und gern auch als Gesellschafter.
Die Resonanz ist nach DPV-Angaben groß. Während der Münchner Burda Verlag bislang abwinkt, haben etwa der Axel Springer Verlag und auch der "Spiegel" Interesse angemeldet.
Ausgerechnet diese beiden Häuser haben am Mittwoch eine weitere Kooperation angekündigt: Die Deutsche Telekom soll ihnen beim Vertrieb digitaler Inhalte helfen - zunächst als Dienstleister für die Zahlungsabwicklung. Ab sofort können alle T-Mobile-Kunden mit einem internetfähigen Handy auf kostenpflichtige Regionalausgaben der "Bild" zugreifen - und über ihre Telefonrechnung bezahlen. Das bekannte E-Paper des "Spiegel" kann ebenfalls auf diesem Weg bezahlt werden. Es steht zudem künftig nicht mehr nur auf der verlagseigenen Webseite, sondern auch bei T-Online zur Verfügung. Damit eröffnet der "Spiegel" faktisch einen weiteren Distributionskanal.
Ist der Tablet-PC der Computer der Zukunft?

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Bricht also nun der Wettkampf unter den Verlagen und Infrastrukturanbietern um Onlinekioske aus? "Wir pochen nicht auf Exklusivität", betont der DPV, der selbst noch mit möglichen Partnern für die Zahlungsabwicklung auf seinem Portal verhandelt. So viel ist klar: Die Telekom will mehr als nur Zahlungsabwickler sein. Konzernchef René Obermann will Mitte des Monats weitere Angebote ankündigen. Laut Branchengerüchten plant der Konzern einen eigenen Onlinekiosk für alle Endgeräte und sämtliche medialen Inhalte von Verlagen - und lockt mit seinen Cent-genauen Abrechnungsmöglichkeiten via Telefonrechnung.
Der Telekom-Deal ist ein Schlag ins Gesicht für die Deutsche Post. Post-Vorstand Jürgen Gerdes hatte vergangenen Herbst angekündigt, er wolle den neuen Onlinebrief des Konzerns zum Internetkiosk ausbauen, auf dem Presseverlage journalistische Inhalte zum Herunterladen anbieten sollen. Bei einer Präsentation erster Kooperationspartner, die Gerdes für den Onlinebrief gewonnen hat, war die Verlagsbranche allerdings nicht vertreten. Stattdessen sagte der Manager mit Blick auf die Bertelsmann-Pläne: "Die deutschen Verlage sind immer besser gefahren, wenn sie neutrale Vertriebspartner hatten." Kurz darauf ging die Telekom mit ihren Verlagspartnern vor die Presse.
Den Medienhäusern wird der Wettbewerb um ihre Inhalte nur recht sein. Vielleicht ist es so schon bald vorbei mit der drohenden Abhängigkeit von Apple.
Geliebter Feind
Status quo Apple dominiert dank der iTunes-Plattform den Markt für mobile Inhalte. Verlage kommen an Apple kaum vorbei. Dafür kassiert der US-Konzern happige Provisionen.
Emanzipation Mehrere Verlage tüfteln an Onlinekiosken. Apple liefert mit iPhone und dem iPad aber einen Quasi-Standard für Lesegeräte – und kontrolliert den Zugang auf diese Technik. Apple genehmigt, was zugelassen wird und was nicht.
Lesbarkeit Publikationen müssen ihr Layout für Smartphone-Bildschirme optimieren, meist geschieht dies für Apple-Technik. Will man auch Nutzer anderer Marken erreichen, tauchen neue Schnittstellen auf, an deren Ansprüche die Inhalte umständlich angepasst werden müssen.
02:50:52 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Apple 493,42 USD   +0,05%  0.25
  • FTD.de, 07.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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