Urlaub kann so stressig sein. Draußen lockt der Strand, eigentlich will man direkt nach dem Frühstück zu einem Tagesausflug aufbrechen, aber bevor es losgeht, muss man erst planen: Essen wir abends im Hotelrestaurant? Was steht auf der Karte? Und überhaupt: Gibt es noch freie Plätze?
Nicole Hesse, die auf Amrum das Hotel Seeblick betreibt, nimmt ihren Gästen solchen Stress ab. Denn die können auch am Strand einen Blick in die Speisekarte werfen und einen Tisch buchen. Vorausgesetzt sie haben einen Blackberry, ein iPhone oder ein anderes Smartphone. Denn Hesses Hotel hat eine eigene App.
Apps, kurz für Applications, sind Programme, die für die Bildschirme und Bedienelemente von Smartphones entwickelt werden. Deren Nutzer können die Programme via Internet herunterladen oder - direkt aus dem Handy heraus - in sogenannten App-Stores. Die Nachfrage ist gewaltig. 2008 wurden die ersten Apps eingeführt, 2009 erzielten die Betreiber der Applikationen in Deutschland bereits Umsätze in Höhe von 190 Mio. Euro. Für 2010 prognostiziert der IT-Branchenverband Bitkom eine Steigerung auf 343 Mio. Euro. "Da ist innerhalb von zwei Jahren ein ganz eigener Markt entstanden", sagt Mark Wächter, Experte für mobile Anwendungen beim Bundesverband Digitale Wirtschaft, "mit einer Wachstumsdynamik und Vielfalt, wie wir sie noch nie gesehen haben."
Viele große Unternehmen haben das Potenzial der mobilen Marktplätze bereits erkannt - und ihre Apps obendrein mit Gimmicks aufgerüstet. So verwandelt die App der Baumarktkette Hellweg das Handy in eine Wasserwaage. Der Sportartikelhersteller Nike bietet ein virtuelles Fußballtraining per Smartphone an.
Langsam traut sich auch der Mittelstand an die neue Technik heran. So wie Hotelbetreiberin Hesse. Auch wenn sie nichts von technischem Schnickschnack hält und ihre Seeblick-App auf praktische Elemente reduziert. Neben der Tischreservierung können sich die Nutzer beispielsweise über Abendveranstaltungen informieren oder Anfahrtsbeschreibungen zum Hotel erhalten. Sitzt der Hotelgast im Auto, kann er über die Navigationsfunktion seines Smartphone direkt zum Ziel geleitetet werden. Solcher Service bindet Kunden - und sorgt für neue. "Wir haben schon sehr viele Buchungsanfragen über die App erhalten", sagt Hesse.
Besonders interessant sind Apps für Unternehmen, die über ein großes Einzugsgebiet verfügen oder besonders online-affine Kundschaft. So wie der Online-Modeshop Herrenausstatter.de von Renata DePauli. Deren Kunden können schon seit Juli die App "iMode" auf ihr iPhone oder ihr iPad laden. Dort können sie aus einem Sortiment von 2000 Artikeln und rund 30 Modemarken auswählen. Alle Teile können am Bildschirm kombiniert werden. Hunderte von Kunden nutzen das Angebot bereits, sagt DePauli: "Das ist eine Zukunftsinvestition. In drei bis vier Jahren rechne ich mit einem Anteil am Gesamtumsatz von 15 bis 20 Prozent."
Dafür musste sie allerdings einen fünfstelligen Betrag an die Agentur Clanmo überweisen, die auch schon Firmen-Apps für Ikea, Hugo Boss und die Lufthansa produziert hat. Und dieser Preis bezieht sich ausschließlich auf eine Apple-taugliche Version. DePauli lässt derzeit Versionen für weitere Smartphone-Hersteller entwickeln, deren Geräte jeweils mit eigenen Betriebssystemen laufen. Pro Betriebssystem werden noch einmal über 10.000 Euro fällig.
Teil 2: Apps zum selber machen