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Merken   Drucken   07.06.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Neue Spielkonsole: Nintendo schiebt Wii U mit vielen Spielen an

Nintendo muss mit der neuen Wii-Konsole unbedingt einen Verkaufserfolg landen. Doch die Haltung der großen unabhängigen Spieleentwickler bereitet den Japanern Kopfschmerzen - denn die warten ab.
© Bild: 2012 AFP/KEVORK DJANSEZIAN
Nintendo muss mit der neuen Wii-Konsole unbedingt einen Verkaufserfolg landen. Doch die Haltung der großen unabhängigen Spieleentwickler bereitet den Japanern Kopfschmerzen - denn die warten ab.
von Andrea Rungg, Los Angeles

Nintendo  will den Verkauf der neuen Videospielkonsole Wii U durch möglichst viele neue Titel anheizen. Zum Verkaufsstart sollen bereits 23 Spiele verfügbar sein, darunter auch eine neue Version von "Super Mario". Am Dienstagabend gaben die Japaner auf der Leitmesse E3 in Los Angeles zudem neue Details zum Nachfolgemodell der Wii bekannt. So wird die Konsole, anders als zunächst angekündigt, auch mit zwei Gamepads steuerbar sein. Der Controller mit berührungsempfindlichem Bildschirm ist die wichtigste Neuerung der Konsole. Allerdings machte der Konzern weder zum Preis noch zum genauen Verkaufsstart vor Weihnachten Angaben.

Der Erfolg der Wii U entscheidet darüber, ob der weltgrößte Videospielekonzern wieder an den Rivalen Microsoft  und Sony  vorbeiziehen kann. Nintendos aktuelles Modell, die Wii, ist zwar mit mehr als 95 Millionen Geräten die meistverkaufte Konsole. Sie gilt aber mittlerweile im Vergleich zu Microsofts Xbox 360 und Sonys Playstation 3 als technisch rückständig. Darüber hinaus leidet Nintendos Geschäft unter der Beliebtheit von Spielen für Smartphones und Onlinespielen. Der Konzern machte im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr mit umgerechnet 551 Mio. Dollar den ersten Verlust seit dem Börsenstart 1983.

Die Erwartungen an Nintendos Wii U sind hoch. Mit der Wii hatten die Japaner die Branche revolutioniert. Nutzer konnten ihre Spiele erstmals allein durch Bewegungen steuern. "Es wird nicht möglich sein, dass wir alles in dieser Woche zur Wii U erklären können. In naher Zukunft werden wir zeigen, was mit der Wii U wirklich möglich ist", sagte Nintendos Amerika-Chef Reggie Fils-Aime. Er moderierte die Show in Los Angeles, während Konzernchef Satoru Iwata hinter der Bühne via Twitter die Ankündigungen kommentierte.

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Iwata hatte viele Neuigkeiten zur Wii U bereits am Montag in einer Videobotschaft mitgeteilt: ein eigenes Onlinenetzwerk Miiverse, ein Videochatdienst, ein leicht modifiziertes Gamepad des bereits 2011 gezeigten Prototypen. Die Wii U soll mehr als eine Spielkonsole sein und bald auch Filme zeigen. So können US-Nutzer etwa auf den Videostreamingdienst Netflix oder Youtube zugreifen. Mit 14 Mrd. Dollar Cashreserven hat Nintendo noch reichlich Kapital für Innovationen.

Am Dienstag stand die Software im Vordergrund. Als Nintendo die portable 3-D-fähige Konsole 3DS vorgestellt habe, hätte das Unternehmen zum Verkaufsstart zu wenige Spiele dafür angeboten, hatte Iwata Ende April vor Analysten gesagt. Die Nachfrage nach der 3DS habe darunter gelitten. "Wir haben aus dem Fehler gelernt und uns für die Wii U entsprechend vorbereitet", sagte Iwata damals.

Von den größten unabhängigen Entwicklern ist bislang allen voran Ubisoft  mit acht Spielen für die Konsole dabei. "Wii U ist eine wichtige Innovation, die Nintendos erfolgreiche Geschichte fortschreiben wird", sagte Ubisoft-Chef Yves Guillemont. "Wir glauben, dass Nintendo bis nächsten März vier bis fünf Millionen Geräte verkaufen kann", sagte der Manager von Europas größtem Videospielehersteller der FTD. Zum Vergleich: Nach dem Verkaufsstart der Wii im Herbst 2006 hatten die Japaner in den ersten sechs Monaten knapp sechs Millionen Konsolen verkauft.

Für Nintendo ist die Unterstützung unabhängiger Spiele- und Softwareentwickler wichtig. Sie könnten den Konsolenabsatz zusätzlich antreiben. Dass die größten Hersteller Activision Blizzard  und Electronic Arts  (EA) noch nichts oder nur ein Spiel für die Wii U gezeigt haben, gilt als Misstrauensvotum.

"Nintendo muss erst beweisen, dass es tatsächlich ein internetfähiges Gerät hat", sagte Electronic-Arts-Geschäftführer Peter Moore der FTD. Der Spielekonzern will in zwei Jahren rund die Hälfte seiner Umsätze online erlösen.

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  • Aus der FTD vom 07.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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