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Merken   Drucken   04.03.2010, 14:30 Schriftgröße: AAA

Online Communities: Probleme mit dem Älterwerden

Soziale Netzwerke führen längst kein Nischendasein mehr, sondern sind ein ernstes Werkzeug zur Kontaktpflege geworden. Dieser Anspruch kostet sie mitunter die Gunst der Nutzer. von Wilko Steinhagen
Myspace, einst das weltweit größte soziale Netzwerk, ist symptomatisch für die Branche. Als Rupert Murdochs News Corp.  die Community 2005 für 580 Mio. $ kaufte, war Myspace unangefochtene Nummer eins. In den Folgejahren nahm Murdoch durch einen Suche-Deal mit Google  bis heute 900 Mio. $ ein.
News Corp. hat mit Myspace also jede Menge Geld verdient. Trotzdem geht es deutlich bergab. Weltweit nur noch 200 Millionen Mitglieder, Facebook hat inzwischen gut doppelt so viele; die Community wird als rückständig empfunden, sie wird den Bedürfnissen der Nutzer kaum mehr gerecht. Das schlägt sich auf die Personalpolitik nieder: Im Sommer 2009 musste Myspace Hunderte Leute entlassen.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg   Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
Der neue Chef Owen Van Natta, abgeworben beim Konkurrenten Facebook, musste nach nur zehn Monaten gerade den Hut nehmen. Kritiker sehen den alternden Murdoch als Ursache des Chaos. Sein Biograf Michael Wolff schreibt: "Die Sache, die gerade vor sich geht, ist totale, totale Verzweiflung über diese ganze digitale Angelegenheit." Murdoch verstehe sein eigenes Geschäft nicht mehr.
Dabei ist die Bindung an eine soziale Gemeinschaft im Netz hoch. In einer jüngst veröffentlichten Schweizer Studie wurden starke Facebook-Nutzer, sogenannte Heavy User, während einer vierwöchigen Zwangspause betreut und befragt - mit teils erschreckenden Erkenntnissen. Eine Teilnehmerin sagte gar, sie fühle sich, als sei "ihre Mutter gestorben". Die Facebook-Gruppe "Facebook macht süchtig" hat allein in Deutschland eine Million Teilnehmer.
Raus aus dem Netz
Aussteiger
Soziale Netzwerke erleben das erste Mal einen Rückgang der Nutzerzahlen. Auf www.ausgestiegen.com outen sich ehemalige Facebook-, Myspace- und StudiVZ-Profilinhaber als Aussteiger. Gründe: Von "meine Zeit ist mir zu kostbar" über "Bedienung ist grausam" bis zu "meine Privatsphäre ist mir doch zu wichtig".
Löschen
Viele Anbieter bemühen sich, den Ausstieg so kompliziert wie möglich zu gestalten. Zum Beispiel ist es beim auf berufliche Kontakte spezialisierten Netzwerk Xing fast unmöglich, den Ausstieg ohne Hilfe zu finden. Weder FAQs noch Menüführung erlauben das einfache Profillöschen - man muss sich durchs Hilfemenü fummeln.
Prozess
Internet-Expertin Kathrin Passig hält den Abschwung für einen normalen Prozess: "Viele haben sich mal angemeldet, ein bisschen damit herumgespielt und dann die Lust verloren." Zudem dürfte es eine Rolle spielen, dass Nutzer ihr Verhalten professionalisieren und überlegen, in welchem Netzwerk sie präsent sein wollen.

Teil 2: Das Dilemma mit der Privatsphäre

  • FTD.de, 04.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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