Der deutsche PC-Markt ist im dritten Quartal eingebrochen. Einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge wurden mit 2,67 Millionen verkauften Geräten 19 Prozent weniger Notebooks und Desktop-PC ausgeliefert als im Vorjahresquartal.
Grund ist Gartner-Analystin Meike Escherich zufolge auch der Start des neuen Microsoft -Betriebssystems Windows 8, bei dem sich die Verbraucher zurückgehalten hätten. Zudem griffen viele Nutzer zu Smartphones oder Tablets, statt alte Computer zu ersetzen. In Westeuropa schrumpfte der PC-Markt um 15 Prozent auf 13,6 Millionen Geräte.
Auch global entzieht sich Lenovo dem Trend: Während die PC-Verkäufe im ersten Halbjahr weltweit um fünf Prozent fielen, verkauften die Chinesen nach eigenen Angaben 17 Prozent mehr Geräte. Grund dafür sind etliche Übernahmen: 2005 kauften die Chinesen die PC-Sparte von IBM und 2011 den Aldi-Zulieferer Medion - und bauten so die Marktanteile massiv aus.
Vor allem mit dem Billiganbieter Medion fährt der Chinese eine aggressive Preisstrategie. "Lenovo subventioniert den Markt in den USA und in Europa über China", sagt Analystin Escherich. Mit den billigen, aber technisch vergleichbaren Computern grabe der Hardwarekonzern der Konkurrenz vor allem im Mittelstand und bei kleineren Unternehmen Kunden ab.
Anders als etwa die US-Unternehmen HP und Dell konzentriere sich Lenovo nach eigenen Angaben auf das Geschäft mit Hardware. Serviceleistungen bietet das Unternehmen nicht an. Damit ist Lenovos Angebot für mittelständische Geschäftskunden attraktiv, die IT-Wartung meist selbst bereitstellen. Und den Händlern bleibt es überlassen, Privatkunden einen eigenen Service anzubieten.
"Rückblickend war es richtig, nicht in das teure und personalintensive Servicegeschäft einzusteigen", sagt Stefan Engel, Deutschland-Chef bei Lenovo. Ein weiterer Unterschied zu den Mitwettbewerbern sei, dass Lenovo seine Investitionen in Forschung und Entwicklung nicht heruntergeschraubt habe, als der PC-Markt einbrach. Der Markt, so schätzt Engel, werde sich mit jeder neuen Technik weiter zersplittern, deshalb sei es ein Fehler, an dieser Stelle zu sparen. "Wir warten derzeit auf ein Tablet, dass das Notebook ersetzt", so Engel.
Einen Absatzschub im Markt mit Hybridgeräten, die Funktionen von Tablet und Notebook vereinen, oder mit den sehr dünnen Ultrabook genannten Notebooks erwartet Engel erst im kommenden Jahr. "Das wird sich schrittweise entwickeln."
Ebenso wie der Absatz von Windows-8-Geräten. "Erste Reaktionen aus dem Handel bestätigen uns, dass es da noch keinen nennenswerten Schub gegeben hat", sagt Engel.
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Gartner rechnet in Deutschland für das vierte Quartal mit einer weiteren Abnahme der PC-Verkäufe. "Wer sich auskennt, verschiebt Investitionen aufs kommende Jahr", sagt die Analystin Meike Escherich. Dann kämen einige ausgereifte Geräte auf den Markt. Derzeit befinde sich die Branche aber in einer Übergangsphase und diese seien immer schwierig. "Erst günstigere dünne Ultrabooks und Hybridgeräte könnten wieder für Wachstum sorgen." Zweistellige Zuwachsraten gehörten jedoch wohl der Vergangenheit an.
Sorgen muss sich Lenovo dennoch zunächst nicht machen: Im zweiten Quartal übertraf Lenovo mit einem Gewinnplus von 13 Prozent auf 162 Mio. Dollar die Analystenerwartungen - und dies war noch das geringste Wachstum gegenüber einem Vorjahresquartal seit fast drei Jahren. Der Umsatz wuchs um elf Prozent auf 8,67 Mrd. Dollar, vor allem wegen des starken Heimatmarktes: in China stiegen die Umsätze um 20 Prozent und steuern nun 44 Prozent zu den Gesamterlösen bei.
Mit DPA