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Merken   Drucken   05.09.2012, 20:34 Schriftgröße: AAA

Prognose zum Turing-Test: Computer stehen vor der Menschwerdung

Im Jahr 2029 werden Rechner eigene Persönlichkeiten haben, sagt der Technologie-Augur Ray Kurzweil. Darauf wettet er sogar 20.000 Dollar.
© Bild: 2012 Bloomberg/ERIN LUBIN
Im Jahr 2029 werden Rechner eigene Persönlichkeiten haben, sagt der Technologie-Augur Ray Kurzweil. Darauf wettet er sogar 20.000 Dollar.
von Annika Graf, Berlin

Schon klar, dass mancher Mac-Besitzer seinen Computer bereits heute abgöttisch liebt und ihn jede Stunde ohne sein iPhone schmerzt. In 17 Jahren wird er auch mit ihm flirten können. Davon ist Ray Kurzweil überzeugt. Dann, so glaubt der US-Forscher, werden Maschinen in der Lage sein, mithilfe künstlicher Intelligenz emotional zu reagieren. "Sie werden sexy sein", sagte er am Mittwoch bei einer Veranstaltung im Rahmen der Ifa in Berlin.

Kurzweil ist einer der gefragtesten und auffälligsten Visionäre der Techwelt. Nicht alle seiner Vorhersagen sind genauso eingetreten, wie er dachte. Den Rechner mit 20 Petaflop Leistung, die er bis 2009 erwartete, baute IBM  erst 2011, Spracherkennung wurde ebenfalls erst mit Apples  Siri ein Renner. Mit anderen Prognosen traf er ins Schwarze: 1980 sagte er voraus, dass das Internet, das damals nur von Forschungseinrichtungen und dem Militär genutzt wurde, Hunderttausende Nutzer haben werde. Seine größte Wette steht noch: 2029 - so Kurzweils Vorhersage - wird ein Computer den sogenannten Turing-Test bestehen. Mit dessen Hilfe wird gemessen, ob eine Maschine ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen hat. Darauf hat Kurzweil vor zehn Jahren 20.000 Dollar gesetzt.

Microsoft -Gründer Bill Gates nannte Kurzweil einen visionären Denker. Im Alter von fünf Jahren entschied sich der heute 64-Jährige, Erfinder zu werden. Der Absolvent des Massachusetts Institute of Technology (MIT) gilt als Pionier in der optischen Spracherkennung, er erfand eine Technologie, die geschriebene Texte in gesprochene Sprache umwandelte. Nachdem sich Stevie Wonder 1982 bei ihm über die begrenzten Qualitäten von Synthesizern beschwerte, entwickelte Kurzweil ein Keyboard, das Musikinstrumente täuschend echt nachahmte. Die Marke Kurzweil gibt es noch heute.

Schon jetzt, sagt Kurzweil, sehe man die Anfänge von künstlicher emotionaler Intelligenz. IBMs Supercomputer Watson zum Beispiel, der 2011 das Fernsehquiz "Jeopardy" gewann. "Bei 'Jeopardy' kommen auch Witze vor, die Fragen können ziemlich kompliziert sein", sagt Kurzweil. Zwar denkt Watson nicht in Zusammenhängen, sondern erkennt nur Zeichen. Trotzdem, so Kurzweil, habe Watson, "ein gewisses Maß an Verständnis".

Der Wissenschaftler ist überzeugt von der exponentiellen Entwicklung in der Informationstechnologie. Dieses Wachstum sei in den vergangenen 100 Jahren weder durch Kriege noch durch Wirtschaftskrisen gestoppt worden. Moore's Law, wonach sich die Rechenleistung alle ein bis zwei Jahre verdoppelt, sei nur ein Teil davon. "Die Information, die wir bekommen verbessert sich exponentiell", sagt Kurzweil. Das nächste große Ding seien 3-D-Drucker. "Sie werden nur noch einige 100 Dollar kosten und die industrielle Fertigung revolutionieren."

Die Menschheit sei bereits auf dem Weg, biologische und nicht biologische Intelligenz zu verschmelzen, sagte Kurzweil. Biologie und Medizin seien dabei, Teil der Informationstechnologien zu werden. Eines Tages werde es möglich sein, Gene ein- oder auszuschalten. Dass die letzten Barrieren überwunden und unsere Gehirne an Computer angeschlossen werden, sei nur eine Frage der Zeit. "In den 2040ern", glaubt Kurzweil, ist es so weit.

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  • Aus der FTD vom 06.09.2012
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