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Merken   Drucken   04.12.2011, 20:55 Schriftgröße: AAA

Redesign des Videoportals: Youtube drängt auf die Fernseher

Auf dem Videoportal gibt es wenig, was es nicht gibt - und das sieht man ihm auch an. Jetzt räumt Youtube auf. Die Google-Tochter macht sich fürs Fernsehen hübsch.
© Bild: 2011 Google Inc./AP/dapd
Auf dem Videoportal gibt es wenig, was es nicht gibt - und das sieht man ihm auch an. Jetzt räumt Youtube auf. Die Google-Tochter macht sich fürs Fernsehen hübsch.
von Helene Laube, San Bruno

Youtube startet das größte Redesign in seiner sechsjährigen Geschichte. Das führende Onlinevideoportal will sich damit als Anbieter von Millionen Kanälen auf internetfähigen Fernsehern in Stellung bringen. Die Google-Tochter rückt auf ihrem überarbeiteten Portal nicht mehr einzelne Videos, sondern Spartenkanäle in den Mittelpunkt. Nutzer können eine eigene Youtube-Homepage mit bevorzugten Kanäle einrichten, die laufend aktualisiert werden.

Das soll mehr Ordnung in das unübersichtliche Angebot bringen, in dem die Inhalte der meisten Anbieter bislang untergehen. Nutzer können wie beim Fernseher von einem Kanal zum anderen umschalten, anstatt planlos durch Millionen Videos zu wühlen. "Kanäle werden die Stars auf Youtube - und alle Kanäle, die auf Youtube gut laufen, werden auch auf Fernsehgeräten großartig sein", sagte Youtube-Produktmanager Shiva Rajaraman der FTD.

Mit dem fernsehfreundlicheren Angebot positioniert sich das derzeit überwiegend auf Computern genutzte Videoportal mit Millionen von Kanälen als Alternative zum Kabelfernsehen. Nutzer können die Youtube-Spartenkanäle auch auf Handys und Tablets und bald auf der Microsoft-Spielkonsole Xbox anschauen: Vom Disney- oder CNN-Channel über den Coldplay-Nischenkanal bis hin zum Kochkanal für Vegetarier und den Chelsea-Sender für Fußballfans gibt es alles. "Wir arbeiten hart daran, das Beste von Online und TV zu verbinden", sagte Produktentwicklungschef Shishir Mehrotra vergangene Woche in der Youtube-Zentrale im Silicon Valley.

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Das übersichtlichere Design soll mehr Nutzer, die länger als bisher zuschauen, sowie Filmstudios, Produktionsfirmen und andere Anbieter hochkarätiger Inhalte anziehen. Nur so wird Youtube attraktiver für die Werbebranche. Viele Werbetreibende zögern immer noch, ihre Marken mit dem Gros der Youtube-Videos - Amateurfilmchen von geringer Qualität - in Verbindung zu bringen. Das Portal, für das Google 2006 1,65 Mrd. Dollar bezahlte, war deshalb ein Millionengrab für den Suchkonzern. Ob Youtube mittlerweile Gewinn macht, wollte Mehrotra nicht sagen. Auch zum Umsatz sagte er nichts Konkretes: “Wir verdoppeln den Umsatz seit 2009 jährlich.” Drei Milliarden der wöchentlich angeschauten Videos sind laut Mehrotra mit Werbung bestückt. Analysten schätzen Youtubes Umsatz in diesem Jahr auf 1,6 Mrd. Dollar.

Um die Einnahmen anzukurbeln, experimentiert Youtube mit neuen Modellen. In einem Test mit ein paar hundert Werbetreibenden bezahlen diese nicht mehr für Seitenaufrufe, sondern nur noch für Werbespots, die die Youtube-Nutzer angeschaut haben. Nutzer können Spots überspringen. Werbetreibende müssen in dem Fall nichts bezahlen. Die Hälfte der Spots auf Youtube kann mittlerweile übersprungen werden. "Wir waren zuerst sehr skeptisch, ob dieses Modell namens Trueview ankommt, aber das Feedback ist sehr positiv", sagte Youtube-Manager Lane Shackleton.

Um Nutzer und Werber zu gewinnen, investiert Youtube auch verstärkt in Premiuminhalte. Die Kalifornier handeln Deals mit Studios und Fernsehsendern aus und beauftragen Produktionsfirmen, Agenten und Künstler mit der Herstellung von Videos. Im November kündigten sie einen Gemeinschaftskanal mit Walt Disney und die Produktion von Videos in Höhe von 10 bis 15 Mio. Dollar an. Kurz davor hatte Youtube 100 Videokanäle mit Schwerpunkten wie Unterhaltung, Sport und Musik und vorgestellt. Stars wie Madonna werden für diese Kanäle Inhalte produzieren. Youtube lässt sich das Projekt schätzungsweise 100 Mio. Dollar kosten.

Teil 2: Nur angeschaute Werbung ist kostenpflichtig

  • FTD.de, 04.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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