US-Softwarehersteller Oracle droht nach der Niederlage gegen Hewlett-Packard (HP) vor Gericht nun möglicherweise eine Schadensersatzklage des Computerkonzerns. Am Mittwoch entschied ein US-Gericht, Oracle müsse weiter Software für die Itanium-Prozessoren HPs herstellen.
Seit Oracle damit begann, in den Hardwaremarkt und damit HPs Territorium vorzudringen, hat sich die Partnerschaft des Softwareherstellers mit HP zunehmend verschlechtert. Verschärft wurde die Feindschaft zwischen den beiden Unternehmen, als Oracle für die Leitung seines Hardwaregeschäfts den ehemaligen HP-Chef Mark Hurd anheuerte. HP strengte daraufhin einen weiteren Rechtsstreit an.
Auslöser für das Urteil vom Mittwoch war Oracles Ankündigung im März, das Unternehmen werde keine Datenbanksoftware mehr produzieren, die auf Itanium-Prozessoren laufe. HP warf Oracle daraufhin Vertragsverletzung vor. Itanium-Prozessoren des Chipkonzerns Intel bilden das Kernstück der teuersten Computersysteme HPs. Die Entscheidung Oracles wurde als verheerender Rückschlag für die Itanium-Technik gewertet, angesichts der weitverbreiteten Nutzung von Oracle-Datenbanktechnologie in Großkonzernen und bei staatlichen Behörden.
Einer Person aus dem Umfeld HPs zufolge hat der Computerkonzern eine unabhängige Analyse erstellen lassen. Diese taxiert den Schaden, der HP seit Oracles Ankündigung in Form von entgangenem Umsatz entstanden ist, auf 500 Mio. Dollar. Der Gesamtverlust könnte sich bis 2020 auf 4 Mrd. Dollar belaufen, sagte die Person. Noch wurde die Forderung nicht öffentlich gemacht, sie wird aber voraussichtlich in einer zweiten Phase des Verfahrens vorgebracht, wenn der Schaden eingeschätzt wird.
Zusammen mit der Schadensersatzzahlung, die HP infolge des Urteils der Vertragsverletzung nun verlangen kann, dürfte die Gesamtforderung des Computerkonzerns Milliardenhöhe erreichen, sagte der IT-Analyst Rob Enderle.
Oracle teilte mit, das Unternehmen habe vor, gegen das Urteil Berufung einzulegen, und werde eine Widerklage gegen HP vorantreiben. "HPs Argument stellt das Konzept der ‚Partnerschaften' im Silicon Valley auf den Kopf", teilte Oracle mit.
Der Prozess drehte sich vor allem um einen einzelnen Satz in der Einigung, die Oracle und HP vergangenes Jahr erzielt hatten, um den Streit wegen Hurds Anstellung bei Oracle zu beenden. In diesem Satz willigten die beiden Unternehmen ein, weiterhin gegenseitig ihre Produkte zu unterstützen.
"Wir wissen, dass Oracle mit den 27 Wörtern, die HP aus der Vereinbarung über einen Arbeitsvertrag zitiert, der nichts damit zu tun hat, nicht sein Grundrecht aufgegeben hat, Entscheidungen zur Plattformentwicklung zu treffen", teilte Oracle mit.
Wird das Urteil vom Mittwoch nicht gekippt, drohen Oracle zudem erhebliche Kosten für die Anpassung künftiger Versionen seiner Software für die Itanium-Plattform, sagte Enderle.