IBM versucht, das Geschäft mit Großrechnern zu beleben. Am Dienstag kündigte der IT-Konzern eine neue Produktgeneration an, die besonders leistungsfähig, aber auch besonders sicher sein soll. "Der Mainframe ist schon oft totgesagt worden", sagte Andreas Wodtke, der bei IBM Deutschland das Geschäft mit Großsystemen verantwortet. Das neue Produkt zeige, dass dies nicht der Fall sei. Von IBMs 6 Mrd. Dollar Forschungsausgaben weltweit, flössen 1 Mrd. Dollar in Großsysteme.
IBM versucht, mit den neuen Systemen im schrumpfenden Großrechnermarkt gegenzulenken. Die Rechner sind mit Preisen bis in den zweistelligen Millionenbereich besonders kostspielig. Immer mehr Kunden schwenken deshalb auf andere Server wie die zunehmend leistungsfähigeren x86-Systeme um. Das US-Marktforschungsunternehmen Gartner rechnet damit, dass die Umsätze mit Mainframe-Rechnern bis ins Jahr 2016 um jährlich 14 Prozent auf nur noch 4,7 Mrd. Dollar weltweit sinken werden. Der wesentlich größere x86-Markt werde dagegen voraussichtlich um 33 Prozent auf 47 Mrd. Dollar anwachsen.
IBM dominiert das Mainframe-Segment. IDC-Analyst Tom Meyer schätzt, dass der IT-Konzern in Westeuropa 80 Prozent des Marktes für sich verbucht. Wichtigster Konkurrent innerhalb der Serverklasse ist Fujitsu , daneben gibt es noch kleinere Hersteller. Die Vorherrschaft von IBM rief 2011 sogar die Wettbewerbshüter der EU-Kommission auf den Plan, die untersuchten, ob IBM Konkurrenten bei Mainframe-Wartungsdiensten benachteilige. Der Konzern machte Zugeständnisse, die EU stellte das Verfahren ein.
Das Geschäft lebt vorrangig von Bestandskunden. Die Großrechner werden für besonders umfangreiche und datenintensive Rechenprozesse eingesetzt, die besonders stabil laufen müssen - wie die Systeme von Banken und Versicherern. IBM zählt eigenen Angaben zufolge 96 der 100 größten Banken zur Kundschaft.
Gartner-Analyst Rakesh Kumar glaubt nicht, dass der IT-Konzern neue Kunden mit den neuen Großrechnern anziehen wird. "Wir haben viel mehr erwartet", sagte Kumar. Die neuen Systeme seien gut, aber "nicht fantastisch". Einfachere Unix-Server böten eine ähnliche Leistung und ein vergleichbares Sicherheitsniveau. IBMs Überarbeitung zielt deshalb auch vor allem auf Bestandskunden. Der IT-Konzern hat seine Großrechner mithilfe neuer Verschlüsselungstechniken unter anderem auf einen neuen Sicherheitsstandard gebracht, der insbesondere Versicherungsunternehmen interessieren könnte. Außerdem verbaut der IT-Konzern seine schnellsten Prozessoren.
Für IBM sind Großrechner eine wichtige Plattform, um andere Produkte wie Software und Beratungsdienstleistungen zu verkaufen. Allein die Softwarelizenzen in dem Bereich bringen oft mehrere zehn Millionen Euro ein, schätzt Kumar. Der Geschäftsbereich sei daher extrem profitabel und bediene einige der wichtigsten Kunden.
IBM reagiert mit dem neuen Produkt aber nicht nur auf Druck aus dem Servermarkt. Die neue Systemgeneration soll die Basis für besonders datenintensive Rechenleistung darstellen. Solche Analyseprogramme, die besonders große Datenmengen verarbeiten, sind eine der am schnellsten wachsenden Segmente im Softwaregeschäft.
"Das Thema Big Data verkauft sich derzeit extrem gut", sagt IDC-Analyst Tom Meyer. IBM hatte sich solche Technologien mit den Übernahmen von Cognos und Netezza gekauft, gerät aber durch Konkurrenzangebote von Firmen wie SAP und Oracle zunehmend unter Druck.