Die Geräte sollen die Medienbranche umwälzen, gespannt wartete die IT-Branche auf Apples neues Produkt, das iPad. Die Serie gibt einen Einblick in die neue Technik.
Steve Jobs neuer Tablet-Computer steht in den Läden. Trotz des wohl einmaligen Wirbels von Journalisten und Bloggern reicht der erste Verkaufstag nicht an die Jahrmarktstimmung des iPhone-Starts heran. FTD.de war vor Ort. von Helene Laube, San Francisco
45 Minuten vor Öffnung des Apple Store an der Stockton Street in der Innenstadt von San Francisco: Die Schlange, die sich nach Mitternacht zu bilden begann, reicht bis um die Ecke in die O'Farell Street hinein. Die über 100 Menschen - hauptsächlich Männer - vertreiben sich die Zeit vor allem damit, mit ihren Mac-Laptops, iPods und iPhones zu spielen und das Geschehen zu fotografieren. Ein 9-Jähriger windet sich in seinem iPad-Kostüm aus Pappe, das ihm seine Mutter gebastelt hat, durch die Schaufenster ist Apples Chefdesigner Jonathan Ive beim Begutachten von iPad-Zubehör zu sehen. Draußen verteilen Apple-Mitarbeiter in blauen T-Shirts Krispy-Creme-Doughnuts an die Wartenden. Als sich um 9 Uhr endlich die Türen öffnen, werden die Kunden einzeln unter ohrenbetäubendem Applaus und Jubelgeschrei der zahlreichen Verkäufer in den Laden geführt.
Tablet-Computer
So funktioniert das iPad
Einmal mehr hat der kalifornische Computerpionier unter der Leitung von Steve Jobs eine bis ins Detail choreographierte Publicity-Meisterleistung vollbracht. "Wenn ich früher am Fernsehen sah, wie lange die Leute für ein Apple-Produkt anstehen, dachte ich - Loser!", sagt Susan Taylor, die seit 5.30 Uhr in der Schlange steht. "Heute gehöre ich dazu, man kann fast nicht anders."
Viele Leute konnten anders. Zwar versammeln sich neben San Francisco auch vor den 220 anderen US-Läden des kalifornischen Technologiekonzerns aufgeregte Käufer und vor allem viele Kamerateams, Journalisten und Blogger. Aber die Schlangen sind deutlich kürzer und die Stimmung gedämpfter als vor knapp drei Jahren, als Apple das iPhone einführte. Auch werden keine Lieferengpässe gemeldet. Beim iPhone-Start harrten die Fans mit Campingstühlen, Verpflegung und Literatur gerüstet tagelang aus, während sich die Euphorie zur Hysterie steigerte und die Handys in manchen Läden schnell ausverkauft waren.
Am ersten Verkaufstag des iPad herrscht unter den von Wartenden neben Begeisterung vor allem auch Unentschiedenheit darüber, was sie mit der neuesten Kreation aus dem Hause Apple genau anfangen werden. "Mal schauen, wie gut das Teil ist, aber ich vermute, ich werde damit auf der Couch sitzen und Zeitungen und Mails lesen, so genau weiß ich das noch nicht", sagt ein Banker in San Francisco, der mit der US-Finanzzeitung "Barron's" unterm Arm in der für Vorbesteller bestimmten Schlange steht. Mike, der sich daneben mit seiner Frau in die Schlange für Laufkunden eingereiht hat, kann auch nicht sagen, wie das iPad sein Leben erleichtern würde: "Ich weiß einfach, dass ich eins haben möchte - ich bin großer Apple-Fan."
Bei Apple-Jüngern und so genannten "early adopters", die auch ohne genauen Verwendungszweck jedes neue technische Spielzeug augenblicklich kaufen, hat Apple wie fast immer leichtes Spiel. Tausende bestellten sich das iPad in den vergangenen Wochen unbesehen in Apples Online-Shop und bekamen es am Samstag ins Haus geliefert oder holten es wie der Banker in San Francisco in einem Apple-Laden ab. Dabei geholfen haben überwiegend begeisterte iPad-Testberichte renommierter Technikkolumnisten wie David Pogue von der "New York Times" und Walt Mossberg vom "Wall Street Journal" sowie Steve-Jobs-Titel in "Time" und "Newsweek" Die schlagzeilenträchtige Markteinführung sage mehr "über Apples Rolle in unserer Kultur aus, als darüber, wie viel Erfolg das iPad letztendlich haben wird", zitierte die "New York Times" jedoch den Analysten Charles Wolf von Needham Research.
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