Ein bisschen wundert sich Tim O'Brien: Worte wie Programmschnittstellen oder Entwicklerkits hätten Journalisten und Analysten früher nie in den Mund genommen. Der Microsoft -Manager, der in Redmond an der Plattformstrategie arbeitet, erklärt es sich so: "Das zeigt, dass es ein viel breiteres Interesse an dem Ökosystem Windows gibt."
"Windows ist der Anker aller unserer Plattformen, deshalb ist es so wichtig", sagt O'Brien. Dieses Gesamtkonzept gilt es zu wahren. Windows für Microsoft ist längst kein Einzelprodukt mehr: "Fast jedes Produkt, das Microsoft verkauft, hängt von Windows als Grundlage ab, um seine volle Funktionalität zu entfalten", sagt David Johnson, Analyst beim Marktforscher Forrester Research. Das sind die Bürosoftware Office, Serverschnittstellen wie Sharepoint oder Kommunikationsprogrammen wie Lync. "Im Moment hängt alles für Microsoft von Windows ab, um für Firmenkunden relevant zu bleiben", sagt Johnson.
Das Betriebssystem ist trotz Hiobsbotschaften über schwächelnde PC-Verkäufe Microsofts Cashcow. Auf 92 Prozent der PC weltweit läuft nach Daten des Marktforschers Net Applications irgendeine Windows-Version - die Sparte allein macht etwa ein Viertel des Umsatzes von Microsoft aus. Doch mit dem Erfolg von Smartphones und Tablets haben Konkurrenten wie Android und iOS auch bei den Microsoft-treuen Firmenkunden Auftrieb bekommen. Der Kampf um das Betriebssystem der Zukunft ist dynamisch wie niemals zuvor.
Der Markt, in dem Microsoft über Jahrzehnte die Spielregeln festlegte, hat sich deutlich gewandelt. Nicht mehr die Firmen, Privatnutzer und App-Entwickler stimmen über die Bedeutung eines Betriebssystems ab. "Früher gab es vielleicht zehn Millionen Entwickler mit einer formalen Ausbildung, die Programme für Windows geschrieben haben", sagt O'Brien. Jetzt seien es mehrere zehn Millionen, die teils in der Freizeit mithilfe von Entwicklerkits Apps bauen. "Das ist eine unglaubliche Chance für uns", sagt O'Brien.
Zum Start der neuen auf Tablets ausgerichteten Version Windows 8 hat Microsoft einen App-Entwicklerwettbewerb ausgelobt. Die Entwickler helfen Microsoft, Windows für Privatnutzer aufzumotzen. Obwohl Microsoft das meiste Geld mit Firmenkunden verdient, ist es für den Konzern inzwischen wichtiger, dass die Konsumenten Windows 8 annehmen.
Denn so sehr die Marketingstrategen in Redmond die Werbetrommel rühren, hinken die IT-Abteilungen in der Regel weit hinter den Privatnutzern her und sind gerade erst dabei, auf die Vorgängerversion Windows 7 umzustellen. IDC-Analyst Al Gillen glaubt zwar nicht, dass Windows 8 ein zweites Vista wird. Das Programm hatten viele Firmen - auch wegen diverser Pannen - in ihren Upgradezirkeln ausgelassen.
Trotzdem können manche Konzerne Windows 8 überspringen, sagt Gillen, wenn die Software nicht über neue Tablets in die Unternehmen getragen würde. Immer mehr Mitarbeiter bringen ihre Privatgeräte ins Unternehmen und erhöhen so den Druck auf die IT-Abteilungen. "Je früher die Angestellten in ihrem Privatleben an Windows 8 hängen, desto eher wird der Druck auf die IT-Abteilungen wachsen, zu Windows 8 zu wechseln", sagt Forrester-Analyst Johnson.
| Preiswerter Umstieg |
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| Kosten Microsoft versüßt den Wechsel auf Windows 8 mit noch nie da gewesenen Niedrigpreisen. Statt 100 bis 300 Dollar kostet das Upgrade auf Windows 8 von einer der Vorgängerversionen nur 39,99 Dollar. Wer im Sommer noch einen neuen Rechner mit Windows 7 kauft, zahlt bis Ende des Jahres 14,99 Dollar. Damit passt sich Microsoft an die Preise von Apple an. |
| Kompatibilität Windows 7 und Windows 8 sind sich technisch ähnlicher als Windows 7 und dessen Vorgänger XP, erklärt Forrester-Analyst David Johnson. Das macht es für Firmen einfacher, Programme sowohl auf Windows 7 als auch 8 laufen zu lassen. |