Nie zuvor habe eine neue Windows-Version den Absatz von Computern derart wenig angekurbelt. "Das wird sich auch im zweiten Halbjahr nicht ändern", sagte Lanci.
Die erste öffentliche Kritik eines bedeutenden PC-Herstellers an dem neuen Betriebssystem ist ein Tiefschlag für den weltweit größten Softwarekonzern und befeuert die Diskussion über mögliche Alternativen - zumal Lanci die Kritik im Namen der gesamten Branche formuliert. Microsofts Betriebssystem hat bei Tischcomputern und Notebooks für Privatkunden bislang einen Marktanteil von rund 90 Prozent, den Rest teilen sich Apple und das freie System Linux. Entsprechend hatten Computerbauer und Zulieferer nach dem Start von Windows Vista Ende Januar auf einen Wachstumsschub gehofft. "Ich denke wirklich nicht, dass sich jemand wegen Vista einen neuen PC kauft", sagte Lanci nun.
Besonders Geschäftskunden würden oft darum bitten, das alte Betriebssystem Windows XP aufzuspielen. Obwohl die Branche Jahre auf Vista gewartet habe, sei die Software beim Start nicht ausgereift gewesen. "Die Stabilität ist sicher ein Problem", sagte der Italiener, der den taiwanischen IT-Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt 11,3 Mrd. $ gemeinsam mit Gründer Stan Shih und Vorstandschef J.T. Wang führt.
Microsoft erlöste im vergangenen Quartal mit Betriebssystemen lediglich 3,8 Mrd. $ und erreichte damit nur das untere Ende der eigenen Schätzungen. Dennoch blieb Deutschlandchef Achim Berg in einer Telefonkonferenz am Freitag zu den Konzernzahlen optimistisch: Vista sei in Deutschland ein großer Erfolg. Nach Ansicht des Marktforschers Gartner hat Vista nicht genügend unverzichtbare Funktionen für den Heimanwender und den Mittelstand. "Das Betriebssystem ist keine Revolution", sagt Gartner-Analyst Ranjit Atwal. Vista bietet mehr Funktionen als seine Vorgänger, erfordert aber deutlich leistungsfähigere Computer.