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Merken   Drucken   29.01.2007, 19:42 Schriftgröße: AAA

Agenda: Chinesen bestimmen Chinas Internet

Mit gefüllten Kassen sind die westlichen IT-Giganten ausgezogen, um das Reich der Mitte zu erobern. Doch weder Google, Ebay noch Amazon hatten Erfolg - weil sie den Markt nicht verstanden. Chinas Internet wird von Chinesen dominiert. von Martin Kühl (Peking)
Die chinesische Homepage-Version der Online-Handelsplattform ...   Die chinesische Homepage-Version der Online-Handelsplattform alibaba.com
Ich bin eigentlich gar kein Techniktyp", sagt Jack Ma. Statt am Computer zu sitzen, geht Chinas Internetguru lieber mit seinen Schäferhunden in seiner Heimatstadt Hangzhou im Osten Chinas spazieren. Und denkt über das nach, was ihm seine Kunden erzählen. "Wir sind so weit gekommen, weil wir auf unsere Kunden hören statt auf Experten", sagt Ma.
Der Gründer und Chef der Firmengruppe Alibaba hat die weltweit größte Online-Handelsplattform für Unternehmen aufgebaut. Er hat den Auktionsriesen Ebay  vom chinesischen Markt verdrängt, auch der Internetpionier Yahoo  hat sein kriselndes Chinageschäft an den neuen Star der IT-Branche übertragen - damit er es richte.
Das war nicht immer so. Mit vollen Kassen und großen Tönen waren Yahoo, Ebay, Google  und Amazon  nach China gezogen, um das Reich der Mitte zu erobern. Was im Westen funktioniere, könne man sicher auch den Chinesen überstülpen, dachte man - und scheiterte. Sie kamen, sahen und siechten im zweitgrößten Onlineland der Welt nach den USA.
Kontrolle durch heimische Anbieter
Sämtliche Segmente des chinesischen IT-Markts werden heute von heimischen Anbietern kontrolliert. Die Chinesen chatten am liebsten mit QQ, für Nachrichten und Entertainment klicken sie auf die Portale von Sina oder Sohu. Sie durchsuchen das Netz am häufigsten mit Baidu und kaufen am meisten bei dem Portal Dangdang. "Viele denken, im Internet gäbe es keine Grenzen", sagt Zhang Dongming, Chefforscherin bei der IT-Beraterfirma BDA China in Peking, "das stimmt aber nicht."
Es sind nicht Chinas strikte Regularien, die den westlichen IT-Firmen Probleme bereiten. Dass E-Mail-Anbieter wie Google und Yahoo staatskritische Korrespondenz herausfiltern und an die Geheimpolizei weiterreichen müssen, sorgt eher für Imageprobleme im Westen als für verschreckte Chinakunden. Denn diese Regeln gelten auch für die lokale Konkurrenz. Google, Ebay und Amazon verstehen schlicht den Markt und die chinesischen Kunden nicht.
So ging es für Yoyo.com rasant bergab, nachdem Amazon 2004 die Kontrolle bei Chinas damals größtem Onlinehändler für Bücher und Filme übernommen hatte. Yoyo hatte mit Erfolg eine begrenzte Auswahl populärer Titel angeboten, die es zum Großteil aus seinem eigenen Warenlager verschickte. Amazon wollte mehr Masse und mehr Lieferpartner. Die Probleme kamen schnell, denn das unterentwickelte Logistiksystem in China passte nicht zu dieser Strategie. Innerhalb weniger Monate war Yoyos Marktführerschaft vorbei. Der Aufsteiger Dangdang.com - gegründet von auslandserfahrenen Chinesen, die beide Welten kennen - übernahm und regiert bis heute.
Auch der Suchmaschinengigant Google findet bislang keine Strategie gegen den lokalen Konkurrenten Baidu. Damit ein chinesischer Suchauftrag Relevantes ausspuckt, muss die Software aneinandergereihte Schriftzeichen elegant in Satzteile zerlegen. Baidu hat sich darauf früh spezialisiert, Google nicht. Baidu hat einen Marktanteil von 62 Prozent; Google 25 Prozent, Tendenz fallend.

Lesen Sie weiter, wie Taobao.com Ebay Kunden abjagte

  • Aus der FTD vom 30.01.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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