Schriftzug der Chiphersteller Infineon und Qimonda: Eine Katastrophe bricht über Dresden herein
Eine Katastrophe bricht über die Stadt herein. Die Finanzkrise und die Flaute im Halbleitermarkt zerstören in Wochen, was Land und Investoren in gut einem Jahrzehnt aufgebaut haben. Der Stolz Ostdeutschlands war die Stadt mit ihrer Förderpolitik, mit ihren 1200 Technikfirmen, darunter die großen Namen Qimonda,
Infineon und AMD. Doch gerade die sind alle drei schwer angeschlagen. Infineon muss Hunderte Leute entlassen,
AMD produziert von Gnaden eines saudischen Geldgebers, und Qimonda mit seinen 3200 Mitarbeitern bekommt keine Kredite mehr - das Unternehmen steht vor dem Aus. Das Land Sachsen und die Mutter Infineon streiten erbittert, ob Qimonda gerettet werden soll.
Die Zukunft der Region steht auf dem Spiel - und damit ein Modell für den Osten. Cluster und Leuchttürme sollen die Wirtschaft hier nach vorn bringen. "Eine Pleite wäre verheerend für den Arbeitsmarkt und nur schwer zu verkraften", fürchtet Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk.
Begonnen hat der Aufbau Sachsens zum Hightech-Standort schon zu DDR-Zeiten. Die Sowjets hatten die Region als Produktionsstätte für ihre Computer auserkoren. Das VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) und die Firma Robotron wurden zu Vorzeigeunternehmen der Planwirtschaft. Nach dem Fall der Mauer wollte die Politik die Infrastruktur nutzen und weitere Firmen anlocken. Die Landesregierung baute den Flughafen Leipzig aus, ließ neue Straßen ziehen und steckte viel Geld in Unis und Forschungsinstitute.
Damals entstand die Idee der "Leuchtturmprojekte": Die sollten ins ganze Land ausstrahlen und Firmen anziehen. Die Strategie ging zunächst auf. 1994 baute
Siemens auf einem ehemaligen Militärgelände die modernste Chipfabrik der Welt, die heute der Nachfolger Infineon betreibt. Es folgten Wacker Siltronic und AMD mit dem Bau seiner ersten Mikroprozessor-Fabrik. "Silicon Saxony", jubelte das US-Magazin "Time".