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Merken   Drucken   17.12.2008, 20:06 Schriftgröße: AAA

Agenda: Chipbranche: Cluster La Vista

Dossier Silicon Saxony galt als Leuchtturm deutscher Ansiedlungspolitik. Nun stehen die wichtigsten Unternehmen der Chipbranche vor dem Umbruch oder der Pleite. Das ehrgeizigste Modellprojekt für den Osten droht zu scheitern. von Monika Dunkel (Berlin), Björn Maatz und Helene Laube (Hamburg)
Keine sechs Wochen ist es her, da lud die Dresden Chip Academy, Sachsens stolzes Ausbildungszentrum für Hochtechnologie, junge Menschen zur "Nacht der Ausbildung". Viele Sprecher traten auf, zuerst Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich , später ein Mann mit dunklem Schnurrbart und großen Worten: Wolfgang Schmid, Chef des Halbleiterherstellers Qimonda, des größten Arbeitgebers in der Stadt.
"Spitzencluster brauchen Spitzenleute", tönte Schmid und erzählte noch allerlei Erbauliches über den Standort Dresden. Schon damals muss ihm klar gewesen sein, welch Farce diese Veranstaltung, diese Rede mit dem Titel "Silicon Saxony - Spitzencluster" ist. Welche Zukunft kann er, kann Qimonda  diesen jungen Menschen wirklich versprechen? Bevor sie ihre Ausbildung beginnen, lange bevor sie Spitzenleute sind, wird Dresden wahrscheinlich kein Spitzencluster mehr sein.
Schriftzug der Chiphersteller Infineon und Qimonda: Eine ...   Schriftzug der Chiphersteller Infineon und Qimonda: Eine Katastrophe bricht über Dresden herein
Eine Katastrophe bricht über die Stadt herein. Die Finanzkrise und die Flaute im Halbleitermarkt zerstören in Wochen, was Land und Investoren in gut einem Jahrzehnt aufgebaut haben. Der Stolz Ostdeutschlands war die Stadt mit ihrer Förderpolitik, mit ihren 1200 Technikfirmen, darunter die großen Namen Qimonda, Infineon  und AMD. Doch gerade die sind alle drei schwer angeschlagen. Infineon muss Hunderte Leute entlassen, AMD  produziert von Gnaden eines saudischen Geldgebers, und Qimonda mit seinen 3200 Mitarbeitern bekommt keine Kredite mehr - das Unternehmen steht vor dem Aus. Das Land Sachsen und die Mutter Infineon streiten erbittert, ob Qimonda gerettet werden soll.
Die Zukunft der Region steht auf dem Spiel - und damit ein Modell für den Osten. Cluster und Leuchttürme sollen die Wirtschaft hier nach vorn bringen. "Eine Pleite wäre verheerend für den Arbeitsmarkt und nur schwer zu verkraften", fürchtet Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk.
Begonnen hat der Aufbau Sachsens zum Hightech-Standort schon zu DDR-Zeiten. Die Sowjets hatten die Region als Produktionsstätte für ihre Computer auserkoren. Das VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) und die Firma Robotron wurden zu Vorzeigeunternehmen der Planwirtschaft. Nach dem Fall der Mauer wollte die Politik die Infrastruktur nutzen und weitere Firmen anlocken. Die Landesregierung baute den Flughafen Leipzig aus, ließ neue Straßen ziehen und steckte viel Geld in Unis und Forschungsinstitute.
Damals entstand die Idee der "Leuchtturmprojekte": Die sollten ins ganze Land ausstrahlen und Firmen anziehen. Die Strategie ging zunächst auf. 1994 baute Siemens  auf einem ehemaligen Militärgelände die modernste Chipfabrik der Welt, die heute der Nachfolger Infineon betreibt. Es folgten Wacker Siltronic und AMD mit dem Bau seiner ersten Mikroprozessor-Fabrik. "Silicon Saxony", jubelte das US-Magazin "Time".

Teil 2: Der Stolz der Landesväter

  • Aus der FTD vom 18.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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