Merken
Drucken
16.03.2010, 08:30
Schriftgröße: AAA
Agenda:
Das mobile Problem
Im April plant Deutschland die größte Versteigerung von Mobilfunklizenzen, die es je gab. Der Staat hofft auf Milliarden, doch es droht ein Desaster. Denn der kleine Datenfunkanbieter Airdata klagt einige Frequenzen ein. Mit guten Gewinnchancen.
von Arndt Ohler
und Thomas Wendel Hamburg
Eine Kapitänsmütze. Das ist es doch. Jürgen Dorsch, 48, setzt sie auf. "Die hat mir mein neues Team zur Begrüßung geschenkt", sagt der Multimillionär, der gerade die Deutschlandtochter des Luxusjachtbauers Sunseeker gekauft hat. Dorsch ist ein Gewinnertyp: Lächelnd sitzt er auf einem Sessel in den Büros seiner neuen Hamburger Firma. Er ist reich geworden mit Finanzdienstleistungen für reiche Privatanleger. Nun besitzt er viele Unternehmen.
Nur bei einer seiner Firmen, dem Datenfunkanbieter Airdata, hat Dorsch die Kapitänsmütze wieder absetzen müssen. Genauer: Sie wurde ihm abgenommen - von der Bundesnetzagentur. Und das will er sich nicht gefallen lassen. "Herr Kurth pokert hoch", sagt er verbittert. "Der Point of no Return ist längst überschritten." Es klingt so eisig wie der Wind, der draußen durch den Hamburger Hafen fegt.
Matthias Kurth ist nicht irgendwer. Er ist Präsident der Bundesnetzagentur und damit einer der mächtigsten Beamten des Landes. Er ist der König des Wettbewerbs. Er beaufsichtigt die ehemaligen Monopolmärkte Telekommunikation, Post, Strom, Gas und Eisenbahn. Kurths Fachwissen und Schlagfertigkeit sind gefürchtet. Mit einem wie ihm legen sich nur wenige an.
Dorsch gegen Kurth. Es ist ein Duell wie in der alten Geschichte von David gegen Goliath. Der siegesgewohnte, aber kleine Unternehmer gegen den allmächtigen Beamten. Seit Jahren bekämpfen sich beide Seiten vor Gericht, ein Eilverfahren jagt das nächste, die Kosten gehen längst in die Millionen. Bislang war es eine abseitige Auseinandersetzung, nun aber wird sie politisch brisant: Denn der Streit gefährdet die aktuelle Versteigerung von Mobilfunklizenzen, die größte, die es in Deutschland je gab.
Airdata-Investor Jürgen Dorsch hat schon mehrmals vor Gericht gegen die Bundesnetzagentur gewonnen
Es geht in dem Streit um eine alte Lizenz zum Datenfunken. Diese nutzt Dorsch seit 1999, 2007 sollte sie eigentlich auslaufen. Bedingung für eine Verlängerung durch die Bundesnetzagentur war, dass die Frequenzen nicht von anderen Konzernen benötigt würden. Dies sei aber der Fall, sagte Kurths Behörde. Nein, sagte Dorsch: Die Frequenzen seien vielleicht begehrt, aber sie werden nicht zwingend benötigt. Mehrere Gerichte bestätigen seine Einschätzung. Nun laufen noch drei große Verfahren - die Kurth gehörig auf die Nerven gehen.
Noch im April möchte er die anstehende Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen durchziehen. Mit 359,2 Megahertz wird dreimal so viel Spektrum versteigert wie bei der legendären UMTS-Auktion im August 2000. Die großen Mobilfunkanbieter
Deutsche Telekom ,
Vodafone ,
E-Plus und O2 brauchen dringend neue Frequenzen, damit das Datenvolumen neuer Handys ihre Netze nicht überlastet. Ausrüster
Nokia Siemens Networks sagt etwa voraus, dass der Datenverkehr durch Smartphones wie das iPhone weltweit bis 2015 im Vergleich zu 2009 um 10.000 Prozent steigen wird. Insgesamt 5 Mrd. bis 6 Mrd. Euro wird es den Bietern nun wohl wert sein, diesen Engpass zu vermeiden, schätzen Banken. Diesen Bedarf möchte Kurth stillen. Er möchte der Erste sein in Europa, ein Zeichen setzen. Und sich vielleicht ein Denkmal.
Teil 2: Wie die weißen Flecken erschlossen werden sollen
-
Aus der FTD vom 16.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden