Suchmaschinen und ihr Anteil an englischsprachigen Nutzern
Wenig Einfluss"Neue Investoren werden an Googles langfristigem Wachstum voll teilnehmen, aber weniger Einfluss auf die strategischen Entscheidungen haben, als dies bei anderen börsennotierten Unternehmen der Fall ist", heißt es im Prospekt weiter. Google beruft sich auf Medienkonzerne wie die Washington Post oder die New York Times, bei denen ein starker Einfluss der Gründer und die geringe Macht der Geldgeber Reputierlichkeit garantiert. Investorenlegende Warren Buffet, bei dem sich Brin und Page einen Teil der Inspiration für ihr Börsenprospekt holten, gefällt die Strategie: "Ich mag ihre Prosa", lobt der Weise von Omaha den Prospekt, "Es gefällt uns ungemein, dass auch andere Leute es für eine gute Idee halten, mit ihren Anteilseignern eine klare Sprache zu sprechen."
Ein weiteres Indiz, dass Brin und Page nicht daran denken, nach den Spielregeln der Wall Street zu spielen, ist ihr ungewöhnliches siebenseitiges Manifest, das sie dem am Donnerstag bei der US-Wertpapierhandelsaufsicht eingereichten Prospekt beilegten. Der Schriftsatz - ganz im Ton der bei Google herrschenden, wohltemperierten Selbstüberhebung gehalten - eignet sich dazu, ohnehin bereits euphorisierte Beobachter weiter anzuheizen. Interessenten werden mit einer Mischung aus Optimismus, Vertrauen in die eigene Genialität und Einzigartigkeit, Systemkritik und Risikowarnungen auf das größte Börsenereignis seit zehn Jahren eingestimmt.
Bleiben sollen nicht nur längst totgeglaubte Dotcom-Eigenheiten wie das Inline-Hockey-Spiel der Mitarbeiter in der Mittagspause, die Gratiskantine und der Fitnessraum mit Sauna, sondern auch das Ziel, mit der Google-Suchmaschine eine "Institution" zu schaffen, die "aus der Welt einen besseren Ort macht". Anders als andere börsennotierten Unternehmen wird Google keine marktgängigen Quartalsprognosen abgeben, da diese kurzfristigen Vorhersagen den Aktionären nur schaden würden. "Ein von einer Reihe kurzfristiger Ziele abgelenktes Führungsteam ist so zwecklos wie jemand, der während einer Diät alle halbe Stunde auf die Waage steigt", schreiben die beiden Gründer. Sie wollen weiter an ihrem Firmenmotto "Tu nichts Böses" festhalten und für das langfristige Wohl der Firma auf kurzfristige Gewinne verzichten: "Das ist ein wichtiger Aspekt unserer Kultur, der von allen Mitarbeitern geteilt wird."