Ezzeldin Heikals Eintrittskarte nach Nordkorea ist vom All aus zu sehen. 337 Meter hoch erhebt sich die Pyramide des Ryugyong-Hotels über Pjöngjang und wirft ihren dreieckigen Schatten auf die Stadt. Vom Balkon seines Büros hat Heikal eine gute Sicht auf das 105-stöckige Gebäude, in dessen blauer Glasverkleidung sich die Strahlen der Frühjahrssonne brechen. "Innerhalb von zwei Jahren sind die wirklich weit vorangekommen", sagt er. "Die Fassade ist fast fertig, bloß der Innenausbau fehlt noch."
Als der Telekommanager Heikal im August 2008 nach Nordkorea zog, war das Ryugyong noch ein Betongerippe. Mit 3000 Zimmern hatte es mal das größte Hotel der Welt werden sollen, ein gigantischer Vorzeigebau, um das Regime Kim Il-sungs zu verherrlichen. 1987 hatten die Bauarbeiten begonnen, doch Anfang der 90er-Jahre wurden sie eingestellt - aus Geldmangel. Fast zwei Jahrzehnte lang war die riesige Baustelle verwaist. Statt zum Stolz der Diktatur wurde das Ryugyong zu ihrem weithin sichtbaren Schandfleck. So groß war die Peinlichkeit, dass man die Ruine sogar aus offiziellen Fotos herausretuschierte.
Dass die nordkoreanische Regierung ihren Prunkbau jetzt doch noch bekommt, verdankt sie einem Deal mit Heikals Arbeitgeber Orascom Telecom: Der ägyptische Telefonkonzern baut das Ryugyong fertig. Man könnte von einer wunderlichen Geschäftsentscheidung sprechen - woher sollen im abgeschotteten Nordkorea schon die Besuchermassen kommen, um so ein Hotelmonster zu füllen? Berichten zufolge hatten es japanische und südkoreanische Unternehmen wiederholt abgelehnt, das Projekt in Angriff zu nehmen. Orascom hingegen hat eingeschlagen. Die Firma habe sich auch für 100 Jahre die exklusiven Nutzungsrechte für das Ryugyong gesichert, wie Heikal erzählt.
Ein potenzielles Millionengrab? Wahrscheinlich. Und gleichzeitig das genaue Gegenteil - denn Orascom geht es um mehr. Die Vollendung des Ryugyong war eine Dreingabe, der Türöffner für jene Unternehmung, die dem Konzern in Nordkorea wirklich wichtig ist. Was die Ägypter dort vorhaben, ist eine milliardenschwere Wette, ein revolutionäres Projekt - und das sogar im Wortsinn: Orascom baut im Reich von Kim Jong-il ein Mobilfunknetz auf.
Die Pointen dieser Geschichte klingen eigentlich fast zu konstruiert, um wahr zu sein. Ausgerechnet die Ägypter bauen am anderen Ende der Welt eine gigantische Pyramide fertig. Ausgerechnet die Ägypter, die gerade dank verbesserter Kommunikation ihren Diktator gestürzt haben, gehen in die vielleicht totalitärste Diktatur des Planeten, um dort die Kommunikation zu verbessern.
Ezzeldin Heikal ist froh über die Fortschritte, die sein Unternehmen in Nordkorea macht. "Egal, wo man in der Stadt sitzt, man hört Mobiltelefone klingeln", sagt er. "Das macht mich glücklich, denn es gab eine Menge Herausforderungen." Heikal muss es wissen. Seit zweieinhalb Jahren ist der 51-jährige Boss von Cheo Technology, einem Joint Venture zwischen der Orascom Telecom Holding und der staatlichen Korea Posts and Telecommunications Corporation. Die Ägypter besitzen 75 Prozent des Unternehmens, die Nordkoreaner 25 Prozent. Seit Ende 2008 betreibt Cheo das Mobilfunknetz Koryolink.
Teil 2: Die Regierung macht keine Gefangenen