Vorstandschef René Obermann während der Hauptversammlung der Deutsche Telekom in Köln.
Die Desa-Leute kundschaften Enzweilers Büro aus, folgen ihm auf Schritt und Tritt. 24 Stunden am Tag. Sieben Tage die Woche. Zwei Wochen lang. Mindestens zwei Teams mit jeweils zwei Schnüfflern wechseln sich ab. Das geht aus einem 16-seitigen Bericht von Control Risks an den Auftraggeber Telekom hervor, der "Capital" und Financial Times Deutschland vorliegt.
In bestem Geheimdienstjargon wird darin der Auftrag an die Spitzel formuliert:
"Vorrangiges Ziel aller Ermittlungen in dieser Phase war es, ein möglichst umfassendes Bild der Zielperson (ZP) zu erstellen. Dies beinhaltet ein Datenbankresearch (...), um eventuelle Eingrenzungen in Bezug auf die Informationsweitergabe eruieren zu können. Zudem sollte eine vertiefte Hintergrundüberprüfung, eine Observation und ein psychologisches Profil der ZP erstellt werden, damit in einem zweiten Schritt auf Grundlage von gesicherten Informationen operative Maßnahmen eingeleitet werden können."
Zunächst wertet Control Risks Enzweilers Telekom-Artikel aus. In 17 von 35 Artikeln soll er Insiderinformationen verwendet haben. Mithilfe eines Algorithmus will man herausfinden, ob die Negativberichterstattung davon abhängt, dass "die ZP über eine interne Quelle in der DTAG (Anm. d. Red.: Deutschen Telekom AG) verfügt". Dabei bedienen sich die Ermittler Kendalls Korrelationskoeffizienten zur Messung bivariater Zusammenhänge - einer klassischen Geheimdienstmethode. Das Ergebnis ist für die Ermittler indes ernüchternd:
"Aufgrund der CRD vorliegenden Veröffentlichungen kann kein Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein einer internen Quelle und der Negativberichterstattung über die DTAG festgestellt werden."
Nachdem die Auswertung der Texte in eine Sackgasse geführt hat, wühlen die privaten Fahnder im Umfeld Enzweilers. Die Ergebnisse führen sie in ihrem Bericht unter Punkt 2.2 ("Vertiefte Hintergrundüberprüfung zur Person") auf: angefangen von Telefonnummern über Familienstand und sämtliche Wohnsitze seit 1984 bis hin zu Informationen aus Kreiswehrersatzämtern und Kraftfahrzeugzulassungsstellen:
"Zur Familie gehört der Pkw mit dem amtlichen Kennzeichen (...). Es handelt sich um einen blauen BMW 5er Touring, der auf den Namen der Ehefrau zugelassen ist."
Es geht um mögliche Vorstrafen:
"Das Ehepaar ist in strafrechtlicher Hinsicht - bundesweit - bisher noch nicht in Erscheinung getreten."