Merken   Drucken   11.10.2006, 07:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Hype 2.0

Google kauft für 1,6 Mrd. $ die Videoplattform Youtube. Der Deal ist der Höhepunkt im Wettstreit um Internetfirmen der neuen Generation - und weckt Erinnerungen an die New-Economy-Blase. von Arndt Ohler, Claus Hecking und Isabell Hülsen (Hamburg)
Szene aus einem Video auf der Youtube-Seite   Szene aus einem Video auf der Youtube-Seite
Zwei Könige haben zusammengefunden, um es so zu machen, wie sie es für richtig halten", jauchzt der junge, braunhaarige Mann auf dem wackeligen Amateurvideo: "Zwei Könige ..." - weiter kommt er nicht. Sein Freund und er brechen in Lachen aus, können sich kaum noch halten. "Zwei Könige wie Salz und Pfeffer", rufen sie in die Kamera. Und prusten gleich wieder los. Dann endet der Clip.
Wie zwei Schuljungen amüsieren sich der 29-jährige Chad Hurley und sein zwei Jahre jüngerer Freund Steven Chen in einem Filmchen, das sie auf ihre eigene Internetplattform Youtube.com gestellt haben. Die beiden Partner haben allen Grund, sich zu freuen: Soeben hat Google  ihre Firma gekauft - für 1,6 Mrd. $.
Die beiden Youtube-Gründer Steve Chen (l.) und Chad Hurley in ...   Die beiden Youtube-Gründer Steve Chen (l.) und Chad Hurley in einer Videobotschaft
Mit dem Geschäft, das an die Hochzeiten des ersten Internetbooms Ende des 20. Jahrhunderts erinnert, katapultiert sich Google in die erste Liga in der neuen Internetwelle, die unter dem Begriff Web 2.0 für Furore sorgt. Hinter dieser Chiffre versammeln sich Internetdienste, bei denen nicht mehr Unternehmen die Inhalte vorgeben, sondern Nutzer selbst liefern, was andere Nutzer zu sehen bekommen. Weltweit werden derzeit Millionen Texte, Fotos oder Videos auf solche Internetplattformen hochgeladen, deren Popularität schier unaufhaltsam wächst. Allein auf der Youtube-Webseite werden nach Firmenangaben täglich rund 100 Millionen Videos angeschaut.
Der gewaltige Sog dieser Startups versetzt die Branche in Unruhe - etablierte Unternehmen wie Yahoo , Ebay  oder Microsoft , aber auch Medien- und Werbekonzerne. Sie fürchten, dass ihnen ganze Generationen als Leser und Zuschauer verloren gehen.
Schließlich liegen Zeitungen und Magazine bei Jugendlichen längst abgeschlagen in der Gunst hinter Handy und Computer zurück. Und angesichts des rasanten Wachstums der Web-2.0-Angebote wurde selbst Internetprimus Google nervös.
Die Amerikaner kamen bislang mit ihrem eigenen, wenig beliebten Angebot namens Orkut kaum in der neuen Welt der sozialen Netzwerke voran. Ihr ärgster Konkurrent Yahoo war da schon einen Schritt weiter: Mit Flickr und Delicious sicherte sich Yahoo bereits vor Monaten zwei angesagte Web-2.0-Dienste. Und ein Ende des Bieterrennens ist noch nicht in Sicht: Glaubt man Insidern, buhlen Yahoo, der Medienkonzern Viacom sowie der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft um das noch unabhängige Kontaktportal Facebook.com. Möglicher Kaufpreis: rund 1 Mrd. $.
Ausgelöst wurde das Übernahmefieber von News Corp. Der Medienkonzern von Rupert Murdoch verleibte sich 2005 die wohl berühmteste neue Plattform Myspace für 580 Mio. $ ein. Angesichts der Millionen Nutzer, die täglich auf Angebote wie Youtube, Myspace oder Facebook zugreifen, erwarten die Experten ein explosionsartiges Wachstum bei den Werbeeinnahmen dieser Angebote. Erst vor wenigen Wochen gab Google News Corp. eine Garantie von 900 Mio. $ über drei Jahre für die Vermarktung der Myspace-Seiten ab.

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  • Aus der FTD vom 11.10.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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