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Merken   Drucken   03.02.2008, 19:59 Schriftgröße: AAA

Agenda: Krieg der Web-Welten

Dossier Mit der Übernahme von Yahoo rüstet sich Microsoft für die Schlacht um das Internet der Zukunft. Der US-Konzern will die Nutzer mit eigens auf sie zugeschnittenen Portalen an sich binden - und so Marktführer Google entthronen. von Matthias Lambrecht (Hamburg)
Microsoft ? Yahoo ? War da was? Für Internetpionier Tim O'Reilly gab es am Freitag eine weitaus wichtigere Nachricht. Während die mögliche Übernahme von Yahoo durch Microsoft die Diskussionsforen der Tech-Gemeinde im Web brummen ließ, feierte O'Reilly in seinem Blog die neueste Schöpfung des schärfsten Konkurrenten Google : das "Social Graph API". Diese Programmierschnittstelle, die Verbindungsdaten einzelner Nutzer verschiedener Onlinen-Netzwerke zusammenfassen kann, sei "ein kleiner Schritt für Google - aber ein Riesenschritt für das Internet-Betriebssystem".
Vielleicht hat der 54-jährige Visionär, der einst die erste Website mit Werbung ins Netz stellte und den Begriff "Web 2.0" prägte, wieder den richtigen Riecher: Der Zusammenschluss der Suchmaschinenbetreiber Microsoft und Yahoo ist für O'Reilly nur die absehbare und "unvermeidliche Konsolidierung in einem reifer werdenden Geschäft".
Tatsächlich ist dieser Wettstreit für die beiden Konzerne auch mit vereinten Kräften kaum noch zu gewinnen. "Microsoft und Yahoo haben bislang ohne nennenswerte Erfolge versucht, ihr Suchmaschinengeschäft auszubauen", stellt Analyst Sandeep Aggarwal von Oppenheimer & Co. fest. Zwar böte ein Zusammengehen die Chance, im Wettlauf etwas besser Tritt zu fassen - doch Google liegt uneinholbar vorn: Rund 75 Prozent der Erlöse mit Suchanzeigen erwirtschaftet der Marktführer, die Verfolger kämen auch gemeinsam nur auf 18 Prozent.
Die Schlachten um das Internet der nächsten Generation werden auf anderen Feldern geschlagen - dort, wo es gelingt, die Nutzer länger zu binden als beim schnellen Sprung auf eine Suchseite.
Angreifer
Millionen Durch den Kauf von Yahoo erhielte der Softwarekonzern eine der populärsten Internetseiten weltweit. Monatlich landen etwa 500 Millionen Nutzer mindestens einmal auf der Yahoo-Website. Eine Masse, die sich vor allem für den Verkauf von Onlinewerbebannern nutzen lässt.
Milliarden Microsoft erwirtschaftet jährlich 14 Mrd. $ Gewinn. Damit besitzt der Konzern Ressourcen, um mit dem Rivalen Google bei Investitionen in neue Dienste sowie Technik mitzuhalten.
Aufsteiger Unter Yahoos Web-2.0-Angeboten sticht Flickr heraus. Der Dienst gehört weltweit zu den angesagtesten Online-Fotowebsites. Yahoo kaufte Flickr im Jahr 2005.
Und genau hier würde eine Allianz des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft mit dem führenden Betreiber von Internetportalen Yahoo die Schlachtordnung ändern. "Das Web ist zum sozialen Medium geworden", sagt Ray Ozzie, Chief Software Architect von Microsoft und damit Nachfolger von Gründer Bill Gates  im Board des Konzerns. Mit Netzwerken, die zu Online-Freundeskeisen samt umfassenden Diensteangebot werden, wie Myspace oder Facebook. Oder mit Portalen wie iGoogle, Windows Live oder My Yahoo, die auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten sind - und zum Ausgangspunkt für alle Ausflüge ins World Wide Web werden.
Wer wie Google mit seiner neuen Programmierschnittstelle möglichst genaue Profile der Nutzer erstellen kann, schafft die Basis für die Internetwerbung der nächsten Generation. Denn die setzt auf eine immer gezieltere Ansprache des Konsumenten.
Zwar werden dem Geschäft mit der Werbung im Internet noch immer satte Wachstumsraten vorausgesagt - das Umsatzvolumen von derzeit gut 21 Mrd. $ dürfte sich nach Branchenschätzungen bis 2011 verdoppeln. Doch die Online-Reklameformen der ersten Stunde zeigen bereits Abnutzungserscheinungen.

Teil 2: Lesen Sie, wie die Großen um den Markt von Morgen kämpfen

  • Aus der FTD vom 04.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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