Dossier
Betriebssysteme, E-Mail, Internetsuche: Microsoft und Google kämpfen um die Vorherrschaft bei Computern. Mit Milliardenaufwand konkurrieren sie um die Märkte der Zukunft. Nun attackieren sich beide in ihrem Kerngeschäft. von Matthias Lambrecht (Hamburg) und Helene Laube (San Francisco)
Es ist ein Bild des Friedens: Sanft schickt die Vormittagssonne ihre Strahlen ins Sun Valley. Wie jedes Jahr hat die Investmentbank Allen & Co. Anfang Juli die Köpfe der amerikanischen Technologie- und Medienszene zum sommerlich-legeren Branchentreff am Rande der Rocky Mountains geladen. Nach der Morgenveranstaltung tritt Bill Gates ins Freie und blinzelt ins Gegenlicht. Eric Schmidt kommt von hinten hinzu. Ein Lächeln, ein Händeschütteln. Dann gehen die beiden gemeinsam scherzend zum Lunch.
Doch die Harmonie trügt. Denn zwischen Microsoft und Google herrscht Krieg. Der von Gates gegründete Konzern und das von Schmidt geführte Unternehmen kämpfen um die Vorherrschaft im Milliardengeschäft mit PC-Nutzern und Internetsurfern. Sie streiten um die Kunden von morgen. Sie stecken Milliarden Dollar in neue Projekte. Und sie greifen sich dort an, wo der andere am meisten Geld verdient: Seit ein paar Wochen fordert Microsoft den Konkurrenten mit der neuen Suchplattform Bing heraus. Und zwei Tage vor dem Treffen in Sun Valley kündigte Google den Schlag gegen das Allerheiligste des Softwarekonzerns an, die Attacke mit einem eigenen Betriebssystem gegen Microsofts Windows. Schon jetzt ist klar: Es wird ein langer Kampf - und für beide Seiten sehr schmerzhaft.
Bilderserie
Wie Google und Microsoft sich bekämpfen
Google-Chef Schmidt würden Vokabeln wie Kampf oder gar Krieg nie über die Lippen kommen. "Tue nichts Böses" lautet schließlich das Credo des 1998 von den beiden Standford-Studenten Larry Page und Sergey Brin gegründeten Unternehmens. Sechs Jahre lang habe er sich gegen die Idee der beiden Gründer gesträubt, den weltgrößten Softwarekonzern mit einem Betriebssystem frontal anzugreifen, erzählt Schmidt. Doch die ersten Demonstrationen der von Brin und Page angeheuerten Entwickler hätten ihn überzeugt, ihr Internetbrowser Chrome und das darauf aufbauende Betriebssystem Chrome OS. "Die waren so gut, dass ich meine Meinung ändern musste", sagt er.
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