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Merken   Drucken   06.11.2007, 19:58 Schriftgröße: AAA

Agenda: Milliarden-Kampf um Tele Atlas

Dossier Die Navigationsgerätehersteller Tomtom und Garmin buhlen mit Milliardensummen um den Datenlieferanten Tele Atlas. Die Rivalen wollen den direkten Zugriff auf digitale Straßenkarten - die wichtigste Ware in dem rasant wachsenden Markt. von Martin Ottomeier (Hamburg)
Manchmal kommt es auf jede Minute an. Schwer atmend sitzt die schwangere Frau auf dem Beifahrersitz. Der Mann fährt zum Krankenhaus. "Links - ist das nicht eine Einbahnstraße?", fragt die Frau. Eine überflüssige Frage, denn das Tomtom-Navigationssystem kennt den Weg. Schnell, präzise, sicher - so suggeriert es die Werbebotschaft in dem Fernsehspot - bringt das Navigationssystem den Fahrer ans Ziel.
Harold Goddijn, Vorstandschef von Tomtom   Harold Goddijn, Vorstandschef von Tomtom
Einen Navigator durch die Geschäftswelt dürfte sich Harold Goddijn gerade sehnlichst wünschen. Der Tomtom-Chef steht vor einer der schwierigsten Entscheidungen seiner Karriere. Monatelang hat er an seinem Plan getüftelt, Tele Atlas , den Hersteller digitaler Straßenkarten, zu übernehmen - für rund 2 Mrd. Euro. Doch jetzt torpediert ausgerechnet US-Rivale Garmin  mit einem 15 Prozent höheren Angebot den Deal des Niederländers. Ärgerlich für Goddijn, weiß er doch: Bei dem bevorstehenden Wettstreit um Tele Atlas geht es darum, wer die beste Ausgangsposition hat im Kampf um Marktanteile. Wer verliert, hat im Wegweiser-Geschäft künftig schlechte Chancen.
Wenig Zeit für verbessertes Angebot
Nur noch bis Donnerstag hat Goddijn Zeit, ein besseres Angebot vorzulegen. Und wenn er es tut, ist es wahrscheinlich, dass Garmin-Chef Min Kao ebenfalls noch einmal nachlegt. Schließlich ist Tele Atlas der letzte große unabhängige Hersteller digitaler Straßenkarten, ohne die kein Navigationsgerät funktioniert. Den größten Konkurrenten Navteq  schnappt sich der Mobilfunkkonzern Nokia  gerade weg - für satte 8 Mrd. $. Goddijn muss jetzt entscheiden, ob er sich auf einen Bieterkampf um Tele Atlas einlässt. Soll die Strategie der nächsten Jahre aufgehen, ist das eigentlich keine Frage. "Es ist sehr wichtig für Tomtom, den Wettstreit zu gewinnen", sagt Chris Jones, Analyst beim britischen Marktforschungsunternehmen Canalys.
Ein TomTom-Navigationsgerät   Ein TomTom-Navigationsgerät
Der Markt für mobile Navigationsgeräte steht vor einschneidenden Änderungen. Seit Jahren boomt der Verkauf der kleinen Boxen mit eingebautem Satellitenempfänger, vorinstallierter Navigationssoftware und berührungsempfindlichen Bildschirmen. Einfach per Schwanenhals an der Windschutzscheibe festmachen, und ab geht die Fahrt. Ein Ende der hohen Wachstumsraten ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Doch den Spezialanbietern, die den Markt bislang dominieren, droht neue Konkurrenz. Automobilhersteller arbeiten an Konzepten, wie sie preiswertere Navigationssysteme gleich mit den Autos ausliefern können. Und auch die Mobilfunkbranche hat ein Auge auf den Wachstumsmarkt geworfen - allen voran Nokia.
Schon im vergangenen Jahr kaufte der weltgrößte Handyhersteller Gate 5, ein Unternehmen, das Software für die mobile Navigation auf Mobiltelefonen herstellt. Nokia rüstet außerdem immer mehr Geräte mit GPS-Empfängern aus. Derzeit gibt es drei Modelle mit der Technologie. Bis Ende 2008 sollen es mehr als zehn sein. Und die Übernahme des Tele-Atlas-Rivalen Navteq lässt keinen Zweifel daran, dass Nokia noch tiefer in das Geschäftsfeld eindringen wird.
Der Schlüssel zum Erfolg sind die beiden Hersteller für digitale Straßenkarten, Tele Atlas und Navteq, die den Markt in Nordamerika und Europa dominieren. Deren Karten bringen die Navigationsgeräte erst zum Laufen. Kein Wunder, dass sich Tomtom und Garmin, die zurzeit weltweit je ein Viertel des Marktes bestreiten, um den Tele Atlas reißen. Wer Karten und Geräte aus einer Hand anbieten kann, hat künftig einen enormen Wettbewerbsvorteil.
Und nicht nur Navigationsgeräte sind auf das Material angewiesen. Praktisch alle Lokalisierungsdienste, wie zum Beispiel Restaurantfinder, benötigen diese Daten. Internetanbieter wie Yahoo , Microsoft  oder Google  brauchen ebenfalls Ortsinformationen. Google zum Beispiel nutzt sie bei Google Maps.

Teil 2: Lukrative Geschäfte mit mobilen Geräten

  • Aus der FTD vom 07.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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