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Merken   Drucken   12.04.2011, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Siemens-Chef macht NSN zu einer Frage der Ehre

Das Geschäft mit der Telekommunikation war Siemens' ganzer Stolz. Es versank im Elend. Nun nimmt der Konzern noch mal Anlauf, macht die Rettung der Netzwerktochter zur Chefsache. Es geht um Milliarden. Und den Ruf. von Angela Maier  München
Als Siemens  und Nokia  ihre Telefonnetzwerksparten zusammenlegten, diskutierte das Topmanagement über die künftige gemeinsame Kultur. Welche Werte bringt Nokia ein, welche Siemens? Die Diskussion verdichtete ein Soziologe in zwei Zeichnungen. Das Nokia-Bild zeigt Schwärme blau-grüner Fische, die dynamisch und spielerisch durch das sonnendurchflutete Wasser gleiten. Siemens dagegen erscheint als grauer Supertanker - riesig, hierarchisch, aber gut koordiniert.
Unterschiedlicher konnten die Firmenwelten kaum sein, die damals, 2007, aufeinanderprallten. Daraus sollte eine Kultur gebaut werden, die an allen Standorten in 150 Ländern gelebt wird.
Für Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser ist NSN Chefsache   Für Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser ist NSN Chefsache
Seit der Gründung führen die Fische das 50:50-Joint-Venture, sie zeigten sich orientierungsschwach. Nokia Siemens Networks (NSN) kam nicht aus den Verlusten, seit dem Start mussten Siemens und Nokia 1,5 Mrd. Euro nachschießen. Jetzt, so erfuhr die FTD von Unternehmensinsidern, will Siemens die Macht stärker an sich reißen.
Die Telekommunikation war einst der Stolz des Konzerns. Doch sie verkam zum Desaster. Nun will es Siemens bei der einst größten Sparte, der Netzwerktechnik, noch mal wissen. Finanzvorstand Joe Kaeser hat NSN zur Chefsache gemacht. Es gilt, alte Niederlagen gutzumachen. NSN ist auch zur Frage der Ehre geworden.
"Kaeser führt im Aufsichtsrat von NSN jetzt das große Wort", sagt einer, der die Verhältnisse kennt. Mitte März hat Kaeser den früheren Infineon-Vorstand Marco Schröter als Chef von NSNs Finanzressort installiert, einen Kostendrücker. Längst haben sich im Aufsichtsrat die Gewichte verschoben, auch wenn Nokia den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt. Zu stark fühlt sich Siemens, das Rekordgewinne einfährt, Nokia dagegen, einst unangefochten Weltmarktführer bei Handys, verliert im Kerngeschäft rasant Marktanteile.
Siemens hat es eilig. Die Aktionäre dringen darauf, dass der Konzern endlich einen Erfolg bei einem der alten "Com"-Bereiche erzielt, dass NSN saniert und verkauft wird. Und Konzernchef Peter Löscher will abschließen mit der Vergangenheit, sich lieber als grüner Infrastrukturpionier feiern lassen und Geschäfte wie Windkraft, intelligente Stromnetze oder Medizintechnik ausbauen. Diese Erfolge sollen nun nicht eine längst aufgelöste Geschäftssäule trüben.
Schon über fünf Jahre ist her, dass sein Vorgänger Klaus Kleinfeld die Auflösung einleitete. Die Mobiltelefonsparte schob er mit einer halben Milliarde Mitgift an BenQ weiter, sie ging pleite. Bei den Firmentelefonen stieg der Finanzinvestor The Gores Group mit 51 Prozent ein, derzeit versucht sich der dritte Chef an der Sanierung. Wegen der ebenfalls mehrheitlich veräußerten Gigaset-Telefone stritt sich Siemens lange vor Gericht mit dem Käufer Arques. Keine gute Bilanz.
Umso größer war die Hoffnung bei NSN: "Ein führendes Unternehmen mit exzellentem Wachstumspotenzial" nannte Kleinfeld den Zusammenschluss der Fest- und Mobilfunknetze. NSN stieg zur Nummer zwei auf nach Ericsson. Die Führung übertrug Siemens den Finnen.

Teil 2: "Thema Innovation war sehr schwierig"

  • Aus der FTD vom 12.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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