Mit der Übernahme Debitels durch den kaum halb so großen Wettbewerber Freenet entsteht ein neues Schwergewicht im deutschen Mobilfunkmarkt. Das Unternehmen schiebt sich mit 19 Millionen Kunden und knapp 5 Mrd. Euro Jahresumsatz auf Platz drei der Branche - hinter
T-Mobile und
Vodafone , noch vor
E-Plus und
O2 . "Das lässt eine langfristig erfolgreiche Entwicklung zu", glaubt Spoerr.
Die Konsolidierung der Mobilfunkprovider, die über kein eigenes Netz verfügen, hat damit ihren Höhepunkt erreicht. Bereits im Juni 2007 hatte sich Debitel den Rivalen Talkline mit dessen Tochter Callmobile einverleibt und die Handelskette Dug gekauft. Übrig bleibt nur noch der hessische Provider
Drillisch - mit rund 2,2 Millionen Kunden eher eine Randerscheinung im Markt.
Gemeinsam mit Dommermuth hatte Drillisch-Chef
Paschalis Choulidis lange versucht, Freenet zu übernehmen und aufzuspalten: UI hätte die DSL-Sparte einschließlich des Webhosters Strato erhalten, der unter der Marke Mobilcom geführte Mobilfunk wäre mit Drillisch vermählt worden. Druckmittel dafür sollte eine Beteiligung von etwas mehr als 25 Prozent an Freenet sein, die beide in dem Gemeinschaftsunternehmen MSP halten.
Doch dieser Versuch scheiterte auf den letzten Metern. Bis 17 Uhr hatte der Freenet-Aufsichtsrat am Sonntag Dommermuth eine Frist eingeräumt, ein ordentliches Übernahmeangebot für Freenet abzugeben oder zumindest eine faktische Kontrolle in Höhe von 30 Prozent der Anteile nachzuweisen. Beides blieb aus. "Alle Briefe, alle nebulösen Angebote der vergangenen Tage und Wochen waren nur der verzweifelte Versuch, Zeit zu schinden", sagt ein Freenet-Aufsichtsrat. "Es war ohne Substanz."
Vage Offerten
UI und Drillisch wurde das Aktienrecht zum Verhängnis. Ihr Beteiligungsvehikel hatte zuletzt Freenet-Aktien zum Preis von 17,33 Euro pro Stück erworben. Damit hätten beide als Großaktionär bei einem regulären Übernahmeangebot den anderen Aktionären ebenfalls diesen Preis bieten müssen. Ein teures Vergnügen: Am Freitag notierte die Freenet-Aktie bei 11,26 Euro. Erst sechs Monate nach dem letzten Anteilskauf wäre MSP frei gewesen, einen niedrigen Preis anzubieten.
"Dommermuth musste auf Zeit spielen. Ein offizielles Angebot konnte sich MSP nicht leisten", sagt ein anderer Freenet-Aufsichtsrat. Selbst die vagen Offerten seien an Bedingungen geknüpft gewesen. So sollte Freenet erst seine Webhosting-Tochter Strato an UI verkaufen, ehe ein Übernahmeangebot erfolgen könne. Oder: Freenet sollte erst sein Mobilfunkgeschäft an Drillisch veräußern. Oder: Freenet möge erst die Unterlagen für eine Buchprüfung auf den neuesten Stand bringen. Der Freenet-Aufsichtsrat wies all diese Auflagen entschieden zurück.