Google wandelt sich immer mehr zu einem Werbeunternehmen. Mit seinem Auktionssystem dringt der Konzern auch in das Geschäft im Fernsehen, Radio und in Zeitungen vor. Die seit Jahren festgefügte Macht der Medienkonzerne wackelt. von Arndt Ohler, Helene Laube (Hamburg) und Lutz Meier (Cannes)
Eric Schmidt weiß, was von ihm verlangt wird: beschwichtigen, erklären, das Unheimliche begreifbar machen. "Google ist ein neues Phänomen. Es wird aber nicht Radio und Fernsehen ersetzen", sagt der Chef des Internetunternehmens und blickt in die Runde. Radiomanager haben sich im Hilton Hotel in Las Vegas zu ihrer jährlichen Tagung versammelt. Schmidt versucht sie zu beruhigen: "Google betreibt ein Werbegeschäft, das den Erfolg von Radio und Fernsehen weltweit beschleunigen kann." Doch kaum einer der Anwesenden im Saal mag der Entwarnung so recht trauen.
Onlinewerbung: Ausgaben in den USA
Der einstige Web-Liebling, der beteuert, ausschließlich Gutes tun zu wollen, erscheint vielen Medien- und Internetkonzernen mittlerweile als bedrohliche Macht - spätestens seit der Ankündigung des Doubleclick-Deals vergangene Woche. 3,1 Mrd. $ lässt sich Google das Web-Werbeunternehmen kosten. Die Konkurrenten Time Warner, Microsoft und Yahoo wollten sich ebenfalls Doubleclick einverleiben - und verloren das Bieterrennen. Was den Konzernen jetzt Angst macht: Google wächst nicht nur rasant, sondern wandelt sich immer mehr von einem Internetsuchkonzern zu einem Werbeunternehmen.
Der Gigant, dessen Marktkapitalisierung von rund 149 Mrd. $ fast so groß ist wie der Börsenwert der weltgrößten Medienkonzerne Time Warner und News Corp. zusammen, dringt mit Macht in deren Kernmärkte vor. In den USA versteigern die Kalifornier mittlerweile Werbung in allen Medien: Die Palette reicht von Zeitungen wie der "New York Times" über populäre Magazine bis hin zu Radiostationen und Kabel-TV-Sendern. Mit der Versteigerung von Werbeanzeigen und -spots schickt sich der Konzern an, das traditionelle Geschäftsmodell der Branche auf den Kopf zu stellen.
Macht der Medienkonzerne steht auf dem Spiel
Die seit Jahrzehnten festgefügte Macht der Medienkonzerne steht auf dem Spiel. Bislang bestimmen sie selbst, zu welchen Preisen in welchen Sendern oder auf welchen Zeitungsseiten geworben wurde. Mediaagenturen verteilen die Werbemillionen der Unternehmen gegen Gebühr auf die verschiedenen Medien. Googles automatisiertes Auktionssystem könnte diese Aufteilung obsolet machen.
Einige Medienmanager fühlen sich noch auf der sicheren Seite. "Wir sehen Google nicht als Konkurrenten", sagt Guillaume de Posch, Vorstandschef des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1. "Für mich ist Google das Microsoft des 21. Jahrhunderts. Das Unternehmen ist dabei, die Dominanz bei der Onlinesuche zu erobern. Aber am Ende wird der Wettbewerb so stark sein, dass wir uns keine übertriebenen Sorgen machen müssen."
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