Die Twitter-Gründer Evan Williams (l.) und Biz Stone
Doch lässt man sich mal nicht von der allgemeinen Aufregung anstecken und besieht sich die Firma mit ihren zwei Dutzend Mitarbeitern genauer, so sind selbst 250 Mio. $ schiere Unvernunft. Geld verdienen lässt sich mit Twitter bislang nicht - und ein tragfähiges Geschäftsmodell ist mit bestem Willen kaum auszumachen.
Die Macher scheint das wenig zu interessieren. Man sei in der "Research-Phase", so Williams. Es gebe "viele interessante Möglichkeiten, Umsatz zu machen". Aber: "Derzeit wollen wir uns dadurch nicht von der wichtigeren Aufgabe ablenken lassen - der Schaffung eines unwiderstehlichen Dienstes für Millionen Menschen auf der Welt."
In der Tat ist Twitter mehr als ein Dienst für Pubertierende und Profilneurotiker. Er kann unsere Nachrichtenwelt verändern. Wie stark, darüber streiten die Experten. Der bekannte Zukunftsforscher Paul Saffo zumindest sieht darin eine Umwälzung der Nachrichtenübermittlung. Was er damit meint, zeigte sich bei Ereignissen der vergangenen Monate. So berichteten Augenzeugen und Amateurreporter über die Terrorattacke in Mumbai oder die Notwasserung eines Jets auf dem Hudson River. "Während CNN und andere Sender noch versuchten, sich etwas zu den Ereignissen zusammenzureimen, führt Twitter deren Berichterstattung regelrecht vor - mit Dutzenden Tweets pro Minute, die Bürger vor Ort abschicken", schreibt Saffo.