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Merken   Drucken   13.04.2009, 20:37 Schriftgröße: AAA

Agenda: Warum Twitter kein Geld verdient

Dossier Die ganze Welt zwitschert, und das Silicon Valley hat seine nächste große Hoffnung: Twitter. Doch Geld verdienen lässt sich mit dem Internetdienst keines. Nach Youtube und Facebook hat das Web 2.0 wieder mal eine Heiße-Luft-Nummer.
von Matthias Lambrecht (Hamburg) und Helene Laube (San Francisco)

Wenn Hollywood-Star Ashton Kutcher neben seinem Tontechniker einen Furz lässt, wenn der neue Vizechef von Welt Online seinen Wechsel bekannt gibt oder wenn sich der deutsche Ebay-Sprecher über den Fahrservice bei einer Preisverleihung freut, dann muss dies natürlich den Kumpels, den Kollegen oder, besser noch, der ganzen Welt verkündet werden. Über Twitter. Mit dem Dienst lassen sich Botschaften von maximal 140 Zeichen absetzen.

Und wer sich für das - schon aus Platzgründen - meist inhaltsarme Gezwitscher interessiert, kann sich in den Kreis der "Follower" einreihen, die der Absender mit seinen "Tweets" bedient, und die "Microblogs" in Echtzeit über Internet, Instant Messenger oder per SMS empfangen.

Und es sind viele, die sich dafür interessieren. Die Welt ist im Twitter-Fieber: Barack Obama, der deutsche Regionalpolitiker David McAllister, die Nachrichtenagentur Associated Press oder einfach nur Schülerinnen, die gerade die Casting-Show DSDS gucken - sie alle zwitschern fröhlich vor sich hin. Zehn Millionen Nutzer - siebenmal so viel wie vor einem Jahr. Den Erfolg kann auch Twitter-Gründer Evan Williams nicht erklären. "Das hat uns selbst überrascht."

Aber stolz kann er sein auf die Wachstumsgeschichte seiner Firma, die er vor drei Jahren mit Jack Dorsey und Biz Stone gegründet hat. Längst stehen den neuen Silicon-Valley-Helden große Finanziers zur Seite: Amazon -Gründer Jeff Bezos und die beiden Wagniskapitalfirmen Benchmark Capital und Institutional Venture Partners. 55 Mio. $ haben sie in Twitter gesteckt, dessen Wert bei der letzten Finanzierungsrunde auf 250 Mio. $ beziffert wurde. Pures Understatement. "Firmen wie Benchmark Capital", weiß Silicon-Valley-Blogger Michael Arrington, "streben einen Multimilliarden-Exit an."

Die Twitter-Gründer Evan Williams (l.) und Biz Stone   Die Twitter-Gründer Evan Williams (l.) und Biz Stone

Doch lässt man sich mal nicht von der allgemeinen Aufregung anstecken und besieht sich die Firma mit ihren zwei Dutzend Mitarbeitern genauer, so sind selbst 250 Mio. $ schiere Unvernunft. Geld verdienen lässt sich mit Twitter bislang nicht - und ein tragfähiges Geschäftsmodell ist mit bestem Willen kaum auszumachen.

Die Macher scheint das wenig zu interessieren. Man sei in der "Research-Phase", so Williams. Es gebe "viele interessante Möglichkeiten, Umsatz zu machen". Aber: "Derzeit wollen wir uns dadurch nicht von der wichtigeren Aufgabe ablenken lassen - der Schaffung eines unwiderstehlichen Dienstes für Millionen Menschen auf der Welt."

In der Tat ist Twitter mehr als ein Dienst für Pubertierende und Profilneurotiker. Er kann unsere Nachrichtenwelt verändern. Wie stark, darüber streiten die Experten. Der bekannte Zukunftsforscher Paul Saffo zumindest sieht darin eine Umwälzung der Nachrichtenübermittlung. Was er damit meint, zeigte sich bei Ereignissen der vergangenen Monate. So berichteten Augenzeugen und Amateurreporter über die Terrorattacke in Mumbai oder die Notwasserung eines Jets auf dem Hudson River. "Während CNN und andere Sender noch versuchten, sich etwas zu den Ereignissen zusammenzureimen, führt Twitter deren Berichterstattung regelrecht vor - mit Dutzenden Tweets pro Minute, die Bürger vor Ort abschicken", schreibt Saffo.

Teil 2: Übernahmegerüchte

  • Aus der FTD vom 14.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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