Nach einem Bericht der Internet-Seite "Apple Insider" über ein mögliches Interesse von Apple an Loewe sind die Aktien des Fernseherherstellers am Montag um bis zu 28,6 Prozent in die Höhe geschossen. Der Sprung auf ein Zehn-Monats-Hoch von 5,84 Euro ist einer der größten Tagesgewinne in der Geschichte des deutschen Unternehmens.
Der Börsenwert erreichte damit allerdings noch nicht die 87,3 Mio. Euro, über die als Verkaufspreis spekuliert wurde. Die Website hatte berichtet, Apple biete diesen Preis für den oberfränkischen Elektronikkonzern. Loewe ist an der Börse aktuell etwa 75 Mio. Euro wert. Zum Handelsschluss am Freitag waren es gut 59 Mio. Euro gewesen.
Loewe dementierte. Man wisse nichts über ein Kaufinteresse der Amerikaner. "Unserem Management liegen aktuell keine Informationen vor, dass sich Apple finanziell beteiligen will", sagte ein Konzernsprecher am Montag der FTD.
Für Apple wäre Loewe geradezu ein Schnäppchen. Die Amerikaner verfügen über Barreserven von fast 100 Mrd. Dollar. Geschäftliche Verbindungen zu dem von Steve Jobs mitgegründeten Unternehmen gibt es schon bisher. So werden Loewe-Audio-Geräte in Deutschland in Apple-Läden verkauft.
Um Apple wiederum ranken sich seit langem Gerüchte um die Entwicklung eines eigenen TV-Geräts. Zuletzt hatte das Blog "Cult of Mac" von einem Informanten eine Bestätigung bekommen, der einen funktionierenden Prototyp gesehen haben will.
Vor einigen Tagen bestätigte der Chef von Apples taiwanesischem Zulieferer Foxconn , von den Amerikanern einen Auftrag zur Fertigung entsprechender Geräte bekommen zu haben. Foxconn bereite sich derzeit konkret auf die Produktion von Apples iTV vor, sagte Terry Gou der "China Daily". Bislang jedoch habe noch nicht einmal die Entwicklung begonnen.
Loewe wurde 1923 gegründet und versucht, sich mit edlem Design von der internationalen Billigkonkurrenz abzuheben. Zuletzt schrieb der Hersteller von TV-Geräten jedoch Verluste. Obwohl das Minus im ersten Quartal schrumpfte, ist noch nicht klar, ob im Gesamtjahr der Sprung in die Gewinnzone gelingt. Loewe hofft wegen der Fußball-EM und den Olympischen Spielen auf viele Käufer.
Obwohl die Börse das Gerücht von einem Interesse Apples an Loewe feierte, gab es auch viele kritische Stimmen. Es sei fraglich, ob ein solches Angebot überhaupt zu Apples Strategie passe, hieß es. Denn der Anbieter von iPad und iPod sei schließlich nicht bekannt dafür, die Produkte übernommener Unternehmen fortzuführen, sondern integriere sie eher in die eigenen Strukturen.
Die Übernahme von Loewe mit 1000 Mitarbeitern und einer eigenen Produktion in Europa passe daher weniger in das bisherige Bild. Apple setzt seit Jahren konsequent auf Auftragsfertiger. Auch nach allem, was man über Design-Guru Jonathan Ive wisse, würde er in seiner Sparte kaum die Kontrolle teilen oder eine fremde Vision übernehmen.
Loewe ist zu 46 Prozent in Streubesitz. Den Rest teilen sich Organe und Vorstand der Gesellschaft und deren Familien, der Computerzubehörhersteller LaCie und - mit einem Anteil von knapp 29 Prozent - der japanische Elektronikkonzern Sharp .