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Merken   Drucken   06.09.2010, 12:36 Schriftgröße: AAA

Ansiedlung und Unternehmensgründung: Forscher rüffeln deutsche IT-Standortpolitik  

Sollen sich internationale IT-Unternehmen in Deutschland niederlassen? Besser nicht, ist das Ergebnis einer 25-Länder-Vergleichsstudie. Das liegt aber nicht an der hiesigen Branche, sondern vielmehr an der hiesigen Politik. von Thomas Wendel  Berlin
Die Chefs internationaler IT-Unternehmen sollten sich gut überlegen, ob sie sich tatsächlich in Deutschland niederlassen wollen. Sie wären womöglich besser in Dänemark oder Irland aufgehoben. Dies ist das Fazit, das aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe gezogen werden kann. Die Forscher Timo Leimbach und Sven Wydra haben Standortqualitäten von 25 europäischen Ländern sowie den USA und Japan für Informationstechnologiefirmen verglichen - und vergaben an Deutschland nur den wenig schmeichelhaften neunten Platz in Europa.
Zwar stelle Deutschland mit SAP "den einzigen wirklichen nicht-amerikanischen Global Player im Softwaregeschäft", schreiben die Autoren der Studie, die im Auftrag der Darmstädter Software AG - eines SAP-Kooperationspartners - erstellt worden ist. Jedoch hinke die Bundesrepublik im internationalen Vergleich in Sachen Wettbewerbsfähigkeit der IT-Branche in vielen Bereichen deutlich hinterher. Leimbach und Wydra führen als Gründe dafür etwa den Rückstand bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen ("E-Government") sowie das insgesamt geringe Angebot an Risikokapital und Krediten an.
Die Studie ist ein Weckruf an Politiker in Bund und Ländern, die Rahmenbedingungen für Hightechfirmen zu verbessern, öffentliche Einrichtungen entschlossener als bisher zu modernisieren und die Bürokratie abzubauen.
Dabei weist Deutschland nach Angaben der Forscher viele Standortqualitäten auf. So belegt das Land in mehreren Teilkategorien des von Leimbach und Wydra errechneten "Wettbewerbsindex der europäischen Software- und IT-Dienstleistungsbranche" vordere Plätze. Sowohl bei der Anzahl der Beschäftigten als auch der Wertschöpfung der Branche sei Deutschland "knapp hinter Großbritannien Zweiter in Europa". Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung fallen die Deutschen aber gemessen am Umsatz der IT-Industrie zurück. Die schlechtesten Noten erhält die Politik: So dauert es nur noch in Griechenland, Polen und Spanien länger, ein Unternehmen zu gründen.

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