Wenig brachte Steve Jobs in den letzten Jahren mehr in Rage als Android. Google kopierte bei seinem mobilen Betriebssystem das iPhone, so die Meinung des Apple-Chefs. "Ich werde, wenn nötig, meinen letzten Atemzug und jeden Penny der 40 Mrd. Dollar auf Apples Bankkonto aufwenden, um das zu berichtigen", sagte Jobs kurz vor seinem Tod vergangenen Oktober zu seinem Biografen Walter Isaacson. Er werde Android "zerstören", weil es ein gestohlenes Produkt sei - er sei bereit, einen "thermonuklearen Krieg" zu führen.
Selbst wenn der Mann nicht mehr selbst in Erscheinung tritt: Solche Ausbrüche machen sich gut in langwierigen Prozessen, in denen Anwälte und Gutachter die Geschworenen mit hochkomplexen und drögen Patent-Erläuterungen überwältigen. Im Prozess von Apple gegen Samsung, der am 30. Juli im Silicon Valley starten soll, darf Samsung Jobs' kämpferische Aussagen jedoch nicht wieder aufleben lassen. Der südkoreanische Konzern hatte gehofft, dass solche Zitate Apples Motive und Tendenz illustrieren würden. "Ich glaube wirklich nicht, dass es bei diesem Prozess um Steve Jobs geht", sagte die zuständige Richterin Lucy Koh. Apple und Samsung tragen einen erbitterten und globalen Patentstreit aus, um ihre starken Positionen im Handy- und Tablet-Markt auszubauen. Die Rivalen bezichtigen sich gegenseitig der Produktpiraterie bei Tablets und Smartphones. Apple verklagte Samsung vergangenes Jahr vor einem Gericht in San José: Die Südkoreaner sollen beim Bau ihrer Galaxy-Geräte, auf denen Android läuft, die iPad- und iPhone-Designs kopiert haben. Samsung hat Gegenklage erhoben. Samsung musste bereits mehrere Rückschläge hinnehmen: Apple hat vor dem kalifornischen Gericht Verkaufsverbote für Smartphones und ein Galaxy-Tablet erwirkt.
Wenn der Prozess nach über einem Jahr Vorbereitungen startet, wird sich Samsung auf Drängen der Apple-Anwälte ohne Jobs' wirkungsvolle Aussagen verteidigen müssen. Aber Richterin Koh schränkte auch Apples Einsatz seines Mitgründers im Gerichtssaal ein. Die Apple-Anwälte werden bei ihrem Eröffnungsplädoyer nicht unbeschränkt viele Bilder von Jobs bei der Enthüllung von Apple-Produkten zeigen dürfen. "Ich verbiete Steve Jobs nicht komplett, aber es muss relevant sein", urteilte Koh am Dienstag.
Einen Sieg konnte Samsung im Kampf gegen Apple in Großbritannien verbuchen. Dort ordnete ein Richter an, dass die Kalifornier sich in Anzeigen und auf ihrer britischen Website bei den Koreanern entschuldigen müssen. Darin soll Apple eingestehen, dass Samsung nicht die Patentrechte des iPad verletzt hat.