Aufbauarbeit an Handysparte:Motorolas Mann fürs Grobe
Sanjay Jha ist Teil der neuen Doppelspitze beim US-Technologiekonzern. Doch während sein Vorstandskollege Gewinne verwaltet, wartet auf den Chef der defizitären Mobilfunksparte ein hartes Stück Arbeit.
von Björn Maatz
Es gibt keinen Zweifel daran, welcher Job härter ist", sagt Sanjay Jha, Chef von Motorolas verlustträchtiger Handysparte - und stockt kurz. "Dieser natürlich." Die Aufbauarbeit beim US-Technologiekonzern fordere ihn mehr als seine frühere Tätigkeit, als er das globale operative Geschäft des Chipherstellers Qualcomm verantwortet hat. "Wir müssen noch einen langen Weg gehen", sagt Jha am Rande des Branchentreffs Mobile World Congress in Barcelona. Es ist der einzige öffentliche Auftritt des Motorola-Co-Chefs in diesen Tagen - morgens um acht Uhr in einem Luxushotel am Mittelmeer.
Motorola hat sich Jha verschrieben. Das Unternehmen holte den Inder 2008 mit einem Aktien- und Optionspaket über 104 Mio. $ nach über 14 Jahren von Qualcomm und machte ihn damit zu einem der bestbezahlten Manager Amerikas. Künftig bekommt Jha auch mehr Macht.
Der US-Technologiekonzern wird sich Anfang 2011 in zwei eigenständige Unternehmen aufspalten - eins für Endnutzer und eins für Geschäftskunden mit je rund 11 Mrd. $ Umsatz. Jha wird dann neben dem Handygeschäft auch das mit Settop-Boxen verantworten. Der zweite Konzernlenker Greg Brown führt die Geschäftskundensparte mit Produkten wie Barcodescannern und Funkgeräten. Während Brown ein profitables Geschäft verwalten kann, muss Jha für seinen Erfolg kämpfen. Der Anteil der Handysparte Motorolas am weltweiten Markt ist von einst mehr als 22 Prozent auf weniger als fünf geschrumpft. Allein 2009 stürzte Motorolas weltweiter Absatz von Mobiltelefonen um 45 Prozent ab. Von den großen Handyherstellern weist nur Rivale Sony Ericsson eine vergleichbar desaströse Bilanz aus.
Motorola-Chef Sanjay Jha
In der Branche gilt Jha als Führungskraft, die technisches Wissen und Management-Know-how verbindet wie kaum ein anderer. "Seine große Stärke besteht darin, sich sehr fokussieren zu können", sagt Analystin Carolina Milanesi von der US-Marktforschungsfirma Gartner. Das brachte schmerzhafte Einschnitte mit sich. Jha baute Tausende Stellen ab und senkte mit seinem harten Sanierungskurs die Kosten bislang um mehr als 1,5 Mrd. $. Die Trendwende ist aber noch nicht geschafft: Bei 1,8 Mrd. $ Umsatz wies die Handysparte im vierten Quartal 132 Mio. $ Betriebsverlust aus. Ende 2010 will Jha Motorolas Handygeschäft erstmals seit vier Jahren wieder in die Gewinnzone zurückführen.
Absatz der fünf größten Handyhersteller 2009
Obwohl Microsoft für sein am Montag vorgestelltes Handybetriebssystem überwiegend positive Kritiken erntete, konzentriert sich der Motorola-Manager auf Googles Konkurrenzsoftware Android. "Ich glaube nicht, dass wir die erste Welle von Windows-7-Handys mitmachen", sagt Jha. Auch für die Softwareanwendungen, die sich zunehmend als primäres Unterscheidungsmerkmal in der Handyindustrie herauskristallisieren, vertraut Jha auf Google. Motorola verfolge im Gegensatz zu Wettbewerbern keine globalen Pläne für einen eigenen App Store, sondern stütze sich auf den Onlinemarktplatz von Android. Punkten will Motorola mit der eigenen Software Motoblur, die etwa Daten aus verschiedenen Onlinenetzwerken zusammenführt.
Das Ende 2009 vorgestellte Modell Droid ist das erste Gerät aus dem Hause Motorola seit dem nun nahezu sechs Jahre alten Verkaufsschlager Razr, das in der Fachwelt gefeiert wird. Es ist Jhas Schöpfung. Der Inder ist dringend auf ein Erfolgsmodell angewiesen: Im Wachstumssegment der Smartphones spielt Motorola bislang so gut wie keine Rolle. Jha hat nun eine Produktoffensive angekündigt: Mindestens 20 leistungsfähige Mobiltelefone sollen noch in diesem Jahr folgen. Die Rückkehr in den Massenmarkt sei derzeit für Motorola die dringlichste Aufgabe.
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