BenQ-Vorstandschef Lee Kun-yao
Mit dieser Zusage hat BenQ-Vorstandschef Lee Kun-yao in der Branche für Überraschung gesorgt. Analysten hatten vorhergesagt, BenQ würde aus Kostengründen auf andere Lieferanten umsteigen, zum Beispiel auf den taiwanischen Hersteller Mediatek.
Lee sagte der Financial Times jedoch, die neue Handysparte BenQ Mobile werde Infineon als "Hauptlieferanten" behalten. Die Sparte wird von Anfang kommenden Jahres an Handys unter einer Doppelmarke herstellen. BenQ Mobiles Umsatz mit Infineon werde aber vermutlich zurückgehen. "Wir wollen die Art der Zusammenarbeit ändern. Bisher wurden viele Infineon-Technologien exklusiv für Siemens-Mobiltelefone entwickelt. Jetzt wollen wir ihre Standardplattform nutzen", sagte Lee.
Geringeres Outsourcing in Fertigung
Der Unternehmenschef will mindestens 250 Mio. Euro sparen und das Handygeschäft im kommenden Jahr in die Gewinnzone zurückführen. Momentan macht sowohl die Handysparte von Siemens als auch die von BenQ Verluste. Lee sagte, um seine Ziele zu erreichen, wolle er das Outsourcing in der Fertigung verringern und diese Produktion in die konzerneigenen Werke verlagern. Damit folgt er auch einem Aufruf des Betriebsrats im Handywerk Kamp-Lintfort. Dieser hatte gefordert, die hohe Zahl von Leiharbeitern zu reduzieren, um die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zu sichern.
Die Produktion für den europäischen Markt, die derzeit an den ungarischen Hersteller Flextronics vergeben werde, solle in das Siemens-Werk in Shanghai und in das BenQ-Werk in Suzhou verlegt werden, so Lee. Die an externe Hersteller vergebene Siemens-Produktion in Lateinamerika soll das BenQ-Werk in Mexiko übernehmen.
Durch die Zahlungen von Siemens während der kommenden zwölf Monate würde die Finanzlage des Konzerns gestützt. Lee sagte, der Großteil der Zahlungen in Höhe von 250 Mio. Euro, die Siemens an BenQ im Rahmen der Übernahme von Siemens Mobile leistet, werde in bar erfolgen. Ein kleinerer Teil werde in Form von IT-Dienstleistungen während der kommenden neun Monate geleistet. BenQ habe aber die Option, sich vorzeitig noch für eine Zahlung in bar zu entscheiden.
Verlorenes Vertrauen
Um den Einnahmen bei der Handysparte wieder zu Wachstum zu verhelfen, befinde sich BenQ auch in Gesprächen mit einer Vielzahl europäischer Telekombetreiber. Sie sollen wieder Vertrauen in das Siemens-Handygeschäft bekommen. "Wegen der Ungewissheit bei dieser Sparte haben die Betreiber das Vertrauen verloren. Es war nicht klar, ob Produktion und Dienstleistungen fortgeführt würden", sagte Lee. "Es war, als ob man die eigene Haustür öffnet und die Kinder vor den Augen der Öffentlichkeit schlägt. Das ist jetzt vorbei."
Seit einigen Wochen läuft in Zeitungen und Magazinen dazu eine millionenschwere Imagekampagne, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Siemens-Handys zeigt und bei Kunden um Vertrauen wirbt. Bereits unmittelbar nachdem der Verkauf vereinbart worden war, hatte Siemens in einer ersten, mit Tippfehlern übersäten Anzeigenserie versucht, die Kunden weiterhin für Siemens-Modelle zu begeistern.
Trendwende in Sicht
Lee wollte keine Einzelheiten zu Gewinnprognosen nennen. Er sagte jedoch, beim sinkenden Marktanteil der Mobiltelefone von Siemens und BenQ zeichne sich eine Trendwende ab. "Unser Verhältnis von Auftragseingängen zu Ausgangsrechnungen verbessert sich", sagte er. Zuletzt war der weltweite Marktanteil der Siemens-Mobilfunksparte binnen eines Jahres von acht Prozent auf unter 5,5 Prozent gefallen.
Zu den langfristigen Aussichten für die Siemens-Beschäftigten in Deutschland wollte Lee keine Versprechungen machen. Er sagte, BenQ werde das Siemens-Werk in Kamp-Lintfort als einzigen großen Standort in Westeuropa erhalten. Allerdings könnten nach Ablauf der Arbeitsplatzgarantie für die fast 3000 deutschen Beschäftigten Mitte 2006 Anpassungen notwendig werden.
Erst vor zwei Wochen hatten sich der bisherige Siemens-Manager Clemens Joos, künftiger Chef der BenQ-Mobilfunksparte, und die Gewerkschaft IG Metall in Grundzügen geeinigt, 134 der etwa 6000 Stellen abzubauen, die Standorte Kamp-Lintfort und München aber auszubauen. Gefährdet ist hingegen das Werk in Ulm.
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