Er kam zum Trösten. Nach mehreren vorübergehenden Festnahmen wollte der Medienunternehmer persönlich die Wogen in der Redaktion seines Boulevardblattes glätten. Die Skandale der vergangenen Monate gingen für Murdoch ziemlich ins Geld.
Im Skandal um illegale Recherchemethoden bei Zeitungen des Konzerns von Rupert Murdoch hat der Medienunternehmer am Freitag das Gespräch mit Journalisten der "Sun" gesucht. Murdoch war vom Firmensitz seines Konzerns News Corp. in New York nach London geflogen, um gegen die Krisenstimmung im Newsroom des größten britischen Boulevardblatts "The Sun" anzugehen. Einzelheiten der Gespräche wurden zunächst nicht bekannt.
Murdochs News Corp. geriet in die Kritik der "Sun"-Mitarbeiter, weil eine von dem Unternehmen eingesetzte Kommission allzu freizügig Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben hatte. So wurde etwa ein Archiv mit 300 Millionen E-Mails zur Verfügung gestellt. Darunter seien auch vertrauliche Korrespondenzen mit Informanten.
Vorausgegangen waren zehn Festnahmen von teils hochkarätigen "Sun"-Journalisten, die unter dem Verdacht stehen, Polizisten und andere Amtsträger bestochen zu haben. Die Reporter wurden allesamt wieder freigelassen.
Anschließend wurden Spekulationen laut, die "Sun" könnte - wie im Juli 2011 ihr Schwesterblatt "News of the World" - unter der Last der Vorwürfe eingestellt werden. Murdoch hatte dies aber bereits dementieren lassen.
Ging es bei der "News of the World" um das Abhören von Handymailboxen, geht es bei der "Sun" um Bestechung. Am Samstag wurden ein Polizist, ein Armeeangehöriger und ein Beamter des Verteidigungsministeriums gleich mit festgenommen. Schon vor zwei Wochen musste ebenfalls ein Polizist für kurze Zeit hinter Gitter.
Medien-Moloch
Die Akteure im Murdoch-Skandal
Die Belegschaft der "Sun", die mit 2,7 Millionen verkauften Exemplaren eine der größten Boulevardzeitungen Europas ist, hatte sich gegen die Ermittlungsmethoden der Polizei verwahrt. Die Polizei sei im Morgengrauen gekommen und habe bei Hausdurchsuchungen ohne jede Not Ehefrauen und Kinder der Betroffenen verängstigt.
Murdoch hat der Skandal der vergangenen sieben Monate schon kräftig Geld gekostet. Der Milliardendeal zur Komplettübernahme des Fernsehkonzerns BSkyB ist gescheitert. Allein im zweiten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres musste News Corp. wegen des Skandals Einbußen in Höhe von 66 Mio. Euro verkraften.
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